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Detmolder Bahnhof offiziell eingeweiht

Fürstlicher Empfang in integrativer »VIP-Lounge«

Det­mold (ab). Nach 14-mo­na­ti­ger Um­bau­zeit und 127 Jahre nach der ers­ten In­be­trieb­nahme wurde am ver­gan­ge­nen Sonn­tag das re­no­vierte Emp­fangs­ge­bäude am Det­mol­der Bahn­hof of­fi­zi­ell ein­ge­weiht. Ar­chi­tekt Pro­fes­sor Dr. Enno Schnei­der, des­sen Büro den Um­bau ge­plant und ge­lei­tet hat, ü­ber­reichte sym­bo­lisch einen Schlüs­sel an Bür­ger­meis­ter Rai­ner Hel­ler.

Bei der klei­nen Feier im eben­falls auf­wen­dig re­stau­rier­ten »Fürs­ten­zim­mer« er­in­nerte Hel­ler nochein­mal an die lange Ge­schichte der Bahn­hofssa­nie­rung bei der viele An­läufe und schwie­rige Hür­den zu neh­men ge­we­sen sei­en. Das Er­geb­nis sei sehr ge­lun­gen auch Dank der Mit­ein­be­zie­hung von Wün­schen und An­re­gun­gen aus Po­li­tik und Öf­fent­lich­keit. Mit der Fer­tig­stel­lung des Emp­fangs­ge­bäu­des sei es aber noch nicht voll­bracht. In den kom­men­den Jah­ren werde – ab­hän­gig vom Zeit­punkt der Be­wil­li­gung von För­der­gel­dern – der zen­trale Om­ni­bus­bahn­hof eben­falls um­ge­stal­tet. Dort werde man »eine Fahr­ra­dab­stel­lan­lage er­rich­ten und den Bahn­hofs­vor­platz at­trak­ti­ver ge­stal­ten. Spätes­tens 2011 sol­len die Ar­bei­ten ab­ge­schlos­sen sein. Ar­chi­tekt Pro­fes­sor Dr. Enno Schnei­der, be­ton­te, dass es wich­tig war, auch die späte­ren Nut­zer in die Pla­nung mit ein­zu­be­zie­hen. »Dank des neuen Fahr­stuhls kön­nen die Gleise nun bar­rie­re­frei er­reicht wer­den«, so Schnei­der. Er wisse aber auch, dass man­che sich erst an das ge­stal­te­ri­sche Kon­zept ge­wöh­nen müss­ten. Mit ei­nem Au­gen­zwin­kern ver­si­cherte Schnei­der, dass der Man­tel aus ros­ti­gem Cor­ten­stahl (bei­spiels­weise am Ein­gang) nicht aus Geld­knapp­heit ge­baut wur­de, son­dern aus äs­the­ti­schen Grün­den ge­wählt wur­de.

Dr. Ar­min Prinz zur Lippe lobte aus­drück­lich die Ent­schei­dung der Stadt, den Bahn­hof zu kau­fen und zu sa­nie­ren. Er sel­ber kenne den Bahn­hof rund 80 Jah­re, »ich habe ihn ge­se­hen, be­ob­ach­tet und die Ver­än­de­run­gen ver­folg­t«, er­in­nerte er sich. Vor al­lem freue es ihn, dass das »Fürs­ten­zim­mer« nicht mehr ver­schlos­sen und dem Ver­fall preis­ge­ge­ben sei. Seine Un­ter­la­gen im Schloss gä­ben lei­der kei­nen An­schluss darü­ber, wer die­sen Raum früher ge­nutzt ha­be, der Fürst Schaum­burg-Lippe und auch der Kö­nig von Sach­sen wa­ren aber oft zu Gast in Det­mold und wur­den mög­li­cher­weise hier emp­fan­gen. »Heute würde man einen sol­chen Raum da­her wohl »VIP-Loun­ge« nen­nen«, scherzte Dr. Ar­min Prinz zur Lip­pe.

In Kürze wird im »Fürs­ten­zim­mer« das von der Le­bens­hilfe Det­mold be­trie­bene in­te­gra­tive Café-Bistro »U­ner­war­tet« ein­zie­hen, in dem dann be­hin­derte und nicht be­hin­derte Men­schen zu­sam­men ar­bei­ten. Das neue Café-Bistro sei ein po­si­ti­ves Si­gnal für je­den, der in Det­mold an­kommt, meinte Ka­tha­rina Kleine Ven­ne­ka­te, die Vor­sit­zende der Le­bens­hil­fe. Das sieht auch Kurt Kal­kreuther vom Ver­kehrs­ver­bund Ost­west­fa­len-Lippe (V­VOWL) so und ist sich si­cher: »Viele wer­den sa­gen: wir sind fürst­lich emp­fan­gen wor­den«. Der Ver­kehrs­ver­bund hatte sich mit 290.000 Euro an der Fi­nan­zie­rung der Sa­nie­rung be­tei­ligt und Kal­kreuther ver­sprach, dass man sich auch beim Bahn­hofs­vor­platz en­ga­gie­ren wer­de.

Viele An­läufe und schwie­rige Hür­den wa­ren zu neh­men bis der Rat der Stadt Det­mold im Herbst 2004 den An­kauf des Emp­fangs­ge­bäu­des von der Deut­schen Bahn be­schließen konn­te. Im Ok­to­ber 2006 be­gann die Um­bau­maß­nah­me, die mit der Schlüs­selü­ber­gabe an Bür­ger­meis­ter Rai­ner Hel­ler in ei­ner of­fi­zi­el­len Fei­er­stunde ihr glück­li­ches Ende nimm­t.

­Sil­ves­ter 1880 wurde der Det­mol­der Bahn­hof erst­ma­lig in Be­trieb ge­nom­men. In den Fol­ge­jah­ren fan­den im­mer wie­der bau­li­che Ver­än­de­run­gen am Emp­fangs­ge­bäude statt, um den sich wan­deln­den An­for­de­run­gen von Bahn und Rei­sen­den ge­recht zu wer­den. In den 70er Jah­ren des letz­ten Jahr­hun­derts machte sich dann ein ge­wis­ser In­stand­hal­tungs­stau be­merk­bar. Die Stadt bemühte sich da­her seit 1990 dar­um, das Emp­fangs­ge­bäude so­wie ein Teil des dazu gehö­ri­gen Grund­stücks zu er­wer­ben und selbst zu nut­zen. Nach zähen Ver­hand­lun­gen mit der Deut­schen Bahn wurde 2004 eine Ei­ni­gung er­zielt, und die Pla­nun­gen konn­ten be­gin­nen, die rund zwei Mil­lio­nen Euro teure Um­bau­maß­nahme selbst be­gann im Ok­to­ber 2006.

Nach der of­fi­zi­el­len Feier nutz­ten am Sonn­tag zahl­rei­che Det­mol­der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger die Ge­le­gen­heit, das re­no­vierte Ge­bäude zu be­sich­ti­gen. In der Aus­stel­lung »­Der Det­mol­der Bahn­hof im Wan­del der Zeit« gab es his­to­ri­sche Fo­tos und Pläne an­zu­schau­en. Auch der Plan des Rea­li­sie­rungs­wett­be­wer­bes zum Bahn­hofs­vor­platz wurde ge­zeigt. Für die klei­nen und großen Bahn­fans prä­sen­tierte die »IG Schie­ne« eine Mo­dell­ei­sen­bahn­an­lage im Be­trieb.

vom 19.12.2007 | Ausgabe-Nr. 51A

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