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Bad Salzufler Stadt- und Bädermuseum ließ Skelette analysieren

Museums-Skelette bald beigesetzt

 

Bad Sal­zu­flen (m­h). Es ist schon ein we­nig schau­rig: Auf dem Tisch im Bad Sal­zu­fler Stadt­ar­chiv lie­gen mensch­li­che Kno­chen und Schä­del. Die ei­nes Man­nes und ei­ner Frau, mehr als 500 Jahre alt, und die ei­nes Säug­lings, rund 300 Jahre alt. Lange wa­ren die Ske­lette als Ex­po­nate des Stadt- und Bä­der­mu­se­ums zu se­hen. Nun sol­len sie bald wie­der bei­ge­setzt wer­den.

»Wir ha­ben die Kno­chen vor ei­ni­gen Jah­ren aus der Aus­stel­lung ge­nom­men, weil sich ihre his­to­ri­sche Be­deu­tung nicht er­schließen ließ«, er­klärt Mu­se­ums­lei­ter Franz Meyer. »Es er­schien uns pietät­los, die Ü­ber­reste Ver­stor­be­ner aus­zu­stel­len, ohne einen Grund dafür zu nen­nen«. Die Ge­rippe wa­ren 1981 un­ter der Ki­lians­kir­che ent­deckt wor­den, als dort eine neue Fuß­bo­den­hei­zung in­stal­liert wer­den soll­te. Der Lange nach zu ur­tei­len, la­gen der Mann und die Frau in­ner­halb der Kir­chen­mau­ern, das Kind auf dem außen lie­gen­den Fried­hof. »Dass man dort Men­schen be­stat­tet hat, liegt auf der Hand und ist nichts Neu­es«, be­tont Meyer. »Es ist kein außer­ge­wöhn­li­cher Fund wie etwa der ‘Öt­zi’, den es zu zei­gen lohnt.« Um den­noch mehr ü­ber die Sal­zu­fler Ske­lette zu er­fah­ren, ha­ben Meyer und sein Mit­ar­bei­ter Ar­nold Beuke sie im An­thro­po­lo­gi­schen In­sti­tut der Uni Mainz un­ter­su­chen las­sen. Un­ter­stützt wur­den sie da­bei von Dr. Elke Treude vom Lip­pi­schen Lan­des­mu­se­um. Er­geb­nis: Die Frau war etwa 40 Jahre alt, als sie starb, der Mann zwi­schen 45 und 55. Beide ha­ben ge­gen Ende des Mit­tel­al­ters, wahr­schein­lich im 16. Jahr­hun­dert ge­lebt. Beide könn­ten der ge­sell­schaft­li­chen Ober­schicht an­gehört ha­ben – sie la­gen in Holz­sär­gen in ge­mau­er­ten Gruf­ten. Am Schä­del der Frau sind zu­dem Ver­fär­bun­gen zu er­ken­nen, die auf eine mit Kup­fer ver­zierte Kopf­be­de­ckung hin­wei­sen – auch das ein In­diz für Wohl­stand. »Darü­ber hin­aus lässt sich nicht viel sa­gen. Wir ha­ben keine Chan­ce, die Iden­ti­tät oder die To­des­ur­sa­che die­ser Men­schen her­aus­zu­fin­den«. Das dritte Ske­lett, das des Säug­lings, wurde im 17. Jahr­hun­dert be­er­digt.

Nach­dem die Ana­lyse be­en­det ist, ha­ben sich die Stad­t­his­to­ri­ker ent­schlos­sen, die Ge­beine wie­der im Um­feld der Ki­lians­kir­che bei­zu­set­zen. »Für uns ist das nun ein Ab­schluss«, er­klärt Meyer und fügt au­gen­zwin­kernd hin­zu: »Dann ha­ben wir keine Lei­chen mehr im Kel­ler«.

vom 17.10.2009 | Ausgabe-Nr. 42B

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