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Konzert der Wolka-Kosaken in der Liebfrauenkirche, Bad Salzuflen

Klänge aus dem alten Russland

Bad Sal­zu­flen. Mäch­tige Stim­men, die Ge­sänge der rus­sisch-or­tho­do­xen Kir­che und Volks­lie­der in­to­nie­ren und so­wohl mit Tem­pe­ra­ment als auch mit Me­lan­cho­lie an das »Alte Russ­lan­d« er­in­nern, wer­den am Diens­tag, 8. Sep­tem­ber, 19.30 Uhr, in der ka­tho­li­schen Lieb­frau­en­kir­che zu hören sein.

Un­ter dem Motto »An den Ufern der Wol­ga« steht das fest­li­che Kon­zert der Ori­gi­nal Wolga Ko­sa­ken, die im Jahr 2008 ihr 75-jäh­ri­ges Büh­nen­ju­biläum fei­er­ten und da­mit die ein­zi­gen der ehe­mals großen rus­si­schen Chöre sind, die ohne Un­ter­bre­chung seit der Grün­dung Be­stand hat­ten und auf den Büh­nen der Welt prä­sent wa­ren. In den 70er Jah­ren wurde der große Chor zu ei­nem En­sem­ble um­ge­bil­det, das sein Pu­bli­kum so­wohl durch die ein­drucks­volle Kraft sei­ner Stim­men, als auch durch die vir­tuose Be­herr­schung der ty­pisch rus­si­schen In­stru­mente – Ba­lalai­ka, Ba­jan und Dom­bra – zu be­geis­tern ver­steht. Die Lei­tung liegt seit Jah­ren in den Hän­den von Alex­an­der Pe­trow, der auch mit er­klären­den Wor­ten in deut­scher Spra­che durch das Pro­gramm führ­t.

Ein­tritts­kar­ten gibt es im Vor­ver­kauf an der Thea­ter­kasse im Kur­gast­zen­trum, Park­straße 20 (Tel. 05222/183200), und im Rei­se­büro – Lot­to/Toto am Salz­hof, Lange Straße 29 (Tel. 05222/959983). Die Abend­kasse öff­net eine Stunde vor Kon­zert­be­ginn.

­Zur Ge­schichte der Ko­sa­ken: Im 15. Jahr­hun­dert schlos­sen sich an Dnjpr und Don und in der Ukraine frei­heits­lie­bende Bau­ern zu­sam­men, schüt­tel­ten das Joch von Fron und Skla­ve­rei ab und for­mier­ten kampf­starke Reiter­scha­ren zum Schutz der von rau­ben­den und mor­den­den Ta­ta­ren­hor­den be­droh­ten süd­li­chen Ge­biete Russ­lands.

In den Step­pen am Dnjpr und Don, im Vor­land des Kau­ka­sus, am Ural und an den Ufern der Wolga bil­de­ten sie ei­genstän­dige Ge­mein­den. Sie hat­ten ihre be­son­de­ren Sit­ten und ins­be­son­dere die Frei­heit, sich ih­ren An­füh­rer, den Ata­man, selbst zu wählen.

Im 16. Jahr­hun­dert ü­ber­schrit­ten sie den Ural und er­ober­ten Si­bi­ri­en. Im 17. Jahr­hun­dert er­reich­ten sie den Amur und das Ochot­ki­sche Meer. Ü­ber Jahr­hun­derte zahl­ten Ko­sa­ken den Blut­zoll, wenn es galt, Russ­lands Gren­zen zu si­chern, zu ver­tei­di­gen oder zu er­wei­tern.

Während der Re­vo­lu­tion von 1917 und im dar­auf fol­gen­den Bür­ger­krieg wur­den die Ko­sa­ken, die fast aus­nahms­los auf Sei­ten der Weißen kämpf­ten, von den Ro­ten gna­den­los ver­trie­ben und ver­folgt. Schließ­lich muss­ten sie sich der Ü­ber­macht beu­gen und schlu­gen sich zur Krim durch, wo die weißrus­si­sche Flotte lag. So ent­ka­men viele Ko­sa­ken mit ih­ren Fa­mi­lien in die Tür­kei.

Während des 2. Welt­kriegs setz­ten die Ko­sa­ken ihre Hoff­nung auf die Deut­sche Wehr­macht, die, so hoffte man, in kur­zer Zeit die Rote Ar­mee be­sie­gen wür­de. Es schlos­sen sich mehr als 20.000 im Exil le­bende Ko­sa­ken dem neu ge­schaf­fe­nen Ko­sa­ken­korps un­ter dem Be­fehl des Oberst von Pann­witz an und kämpf­ten auf deut­scher Seite ge­gen die So­wje­tu­nion, um so die Hei­mat zu be­frei­en.

Nach der Ka­pi­tu­la­tion er­ga­ben sich die Ko­sa­ken mit ih­ren Frauen und Kin­dern den Westal­li­ier­ten, wur­den aber von die­sen – un­ter Bruch der Gen­fer Kon­ven­tion – am 1. Juli 1945 an die UdSSR aus­ge­lie­fert. Wer nicht so­fort er­schos­sen wur­de, musste sich dem lan­gen Marsch nach Si­bi­rien in Ver­zweif­lung, Elend und Tod an­sch­ließen. Auf die Of­fi­ziere der Ko­sa­ken, un­ter ih­nen Oberst von Pann­witz, war­tete der Tod durch den Strick auf dem Ro­ten Platz in Mos­kau.

­Ko­sa­ken im Exil, de­nen nur ihr Brauch­tum und ihre Mu­sik ge­blie­ben war, sorg­ten dafür, dass ihre ruhm­rei­che Ge­schich­te, ihr un­er­schüt­ter­li­cher Glaube und ihre Lie­der und Ge­bete vor dem Ver­ges­sen be­wahrt wur­den.

vom 26.08.2009 | Ausgabe-Nr. 35A

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