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Künstler Gunter Demnig verlegt in Lemgo Gedenksteine für Nazi-Opfer

Stolpern mit dem Kopf und dem Herzen

 

Lemgo (m­k). »Ein Mensch ist nicht ver­ges­sen, wenn sein Name nicht ver­ges­sen ist«, sagt der Künst­ler Gun­ter Dem­nig, der mit dem Pro­jekt »­Stol­per­stei­ne« deutsch­land­weit Be­kannt­heit er­langt hat. Jene Pflas­ter­steine aus Dem­nings Her­stel­lung, die mit ei­ner Mes­sing­platte ver­klei­det sind, in die je­weils der Na­me, das Ge­burts­da­tum und das wei­tere Schick­sal von Nazi-Op­fern ein­gra­viert sind, wur­den von dem Köl­ner Künst­ler be­reits in hun­der­ten deut­schen Städ­ten ver­legt. Zu se­hen sind sie dort je­weils vor dem letz­ten selbst­ge­wähl­ten Wohn­sitz des ver­folg­ten, de­por­tier­ten oder er­mor­de­ten Op­fers. Und nun sind auch in Lemgo die ers­ten 25 »­Stol­per­stei­ne« ver­legt wor­den, um an das Schick­sal vor­nehm­lich jü­di­scher Bür­ger zu er­in­nern, die in Lemgo im Jahr 1942 de­por­tiert wur­den. 14 der Steine lie­gen al­lein vor dem Fren­kel­haus, ei­nem der bei­den da­mals so­ge­nann­ten »Ju­den­häu­ser«, an die sich die Lem­goer Ausch­witz-Ü­ber­le­bende Karla Ra­veh in ih­rer Bio­gra­fie er­in­nern kann.

Lem­gos Bür­ger­meis­ter Dr. Rei­ner Aus­ter­mann sprach an­läss­lich der Ver­le­gung der Steine von ei­nem »­be­son­de­ren Tag für die Alte Han­se­stadt Lem­go«, dem eine in­ten­sive und kon­struk­tive Dis­kus­sion im Kul­turau­schuss der Stadt vor­aus­ge­gan­gen sei. Das ein­stim­mige Vo­tum für die Ver­le­gung der Steine zeuge von ei­ner ge­mein­sa­men Er­in­ne­rungs­kul­tur ü­ber Par­teigren­zen hin­weg.

Re­spekt und An­er­ken­nung ging auch an die ge­samte Schü­ler­schaft der Karla-Ra­veh-Ge­samt­schu­le, die mit ei­nem Euro pro Per­son die Pa­ten­schaft für die Steine ü­ber­nom­men ha­ben. Zu­dem sind in der Ge­denkstätte Fren­kel­haus in der Ech­t­ern­straße von Schü­lern aus­ge­ar­bei­tete Kurz­bio­gra­fien der Op­fer zu se­hen, an die mit den Stol­per­stei­nen er­in­nert wird. »­Diese Aus­stel­lung bie­tet Ge­le­gen­heit, berührt zu wer­den«, er­klärte die Lei­te­rin der Karla-Ra­veh-Ge­samt­schule Ka­rin Sen­se­schmidt. Ge­nau­so, wie die »­Stol­per­stei­ne«, ü­ber die man selbst­ver­ständ­lich nicht im wört­li­chen Sinne mit den Füßen, son­dern mit dem Kopf und dem Her­zen stol­pern sol­le.

­Die Ver­le­gung wei­te­rer »­Steine ge­gen das Ver­ges­sen« ist be­reits ge­plant. Det­lef Höltke und Mi­chaela Krause von den Lem­goer Grü­nen ha­ben be­reits an­gekün­digt, das Pro­jekt wei­ter­führen und durch Grün­dung ei­nes Trä­ger­ver­eins oder ei­ner Ar­beits­ge­mein­schaft die Pa­ten­schaf­ten ko­or­di­nie­ren zu wol­len. Ins­be­son­dere sol­len auch wei­tere Bio­gra­phien von Nazi-Op­fern in Zu­sam­men­ar­beit mit dem Stadt­ar­chiv re­cher­chiert wer­den. Hierzu hof­fen die In­itia­to­ren auf eine breite Un­ter­stüt­zung der Lem­goer Bür­ger.

vom 06.06.2009 | Ausgabe-Nr. 23B

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