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Schloss Alverdissen an Hamburger Unternehmsberater verkauft

Große Pläne in historischem Ambiente

Barn­trup-Al­ver­dis­sen (s­f). Das Al­ver­dis­ser Schloss ist ver­kauft. Neuer Be­sit­zer der Im­mo­bi­lie mit um­ge­ben­dem Park ist for­mal die Schloss Al­ver­dis­sen GbR. Da­hin­ter steht Zarko Si­mic, ein Un­ter­neh­mens­be­ra­ter aus Ham­burg. Seit rund 1,5 Jah­ren ist er »dran« an dem Ob­jekt. Am 28. April wurde der Kauf be­ur­kun­det. Ver­mitt­ler war ein Pa­der­bor­ner Im­mo­bi­li­en­büro.

Ü­ber den Preis herrscht ein­ver­nehm­li­ches Schwei­gen, ü­ber den Käu­fer ein­ver­nehm­li­ches Wohl­wol­len, denn – so Barn­trups Bür­ger­meis­ter Her­bert Dahle auf An­frage die­ser Zei­tung: »Ich habe ihn letz­tes Jahr bei Ge­sprächen vor Ort als einen sehr sach­li­chen Men­schen ken­nen ge­lernt, der In­ter­esse an der Nut­zung der Ge­bäude hat, dem es aber auch darum geht, die in der Dorf­ge­mein­schaft ge­wach­se­nen Struk­tu­ren zu berück­sich­ti­gen. Auch pla­nungs­recht­lich sind wir sehr schnell ü­be­rein ge­kom­men«.

Im Si­mic-Klar­text heißt das: »Wir wer­den um das Schloss kei­nen Sta­chel­draht­zaun zie­hen«. Da­mit dürf­ten Schüt­zen­ver­ein, Lip­per­lan­dor­che­s­ter und an­dere ört­li­che Ver­eine auf­at­men, die be­stimmte Fest­lich­kei­ten tra­di­tio­nell im Schloss­hof ver­an­stal­te­ten. Der hin­ter dem Schloss lie­gende Schüt­zen­platz ging nicht an den pri­va­ten Käu­fer. Er ist im Be­sitz der Stadt Barn­trup.

Der neue Ei­gentü­mer will das Schloss selbst be­woh­nen und das Ge­bäude auch ge­schäft­lich nut­zen. In der un­te­ren Etage sol­len rechts vom Ein­gang Büroräume ent­ste­hen, zur lin­ken ist ein Ban­kett-Saal im his­to­ri­schen Stil ge­plant, für den sich der Be­sit­zer auch eine öf­fent­li­che Nut­zung vor­stel­len kann. In den obe­ren Eta­gen ent­ste­hen Wohn­räu­me. Der­zeit ist das Ge­bäu­de, das bis Herbst 2008 als Staats­ar­chiv ge­nutzt wur­de, im In­nen­be­reich kom­plett ent­kernt.

Dass die Öf­fent­lich­keit im Schloss nicht un­will­kom­men sein wird, zeigt die Tat­sa­che, dass in zwei Neu­bau­ten im Be­reich der al­ten Re­mise eine Vi­no­thek und ein Schloss­café ent­ste­hen sol­len. »Wir wol­len den al­ten Schloss­hof-Cha­rak­ter wie­der her­stel­len, denn was gibt es Schö­ne­res, als hier un­ter ho­hen Bäu­men zu sit­zen«, so Si­mic. Be­reits im nächs­ten Mo­nat sol­len die Um­bau­ar­bei­ten be­gin­nen. Sie se­hen auch Ver­än­de­run­gen an der Außen­fassade des his­to­ri­schen Ge­bäu­des vor. So sol­len in Ab­stim­mung mit dem Amt für Denk­mal­pflege in Müns­ter zu­ge­mau­erte Fens­ter geöff­net wer­den, Gau­ben ent­ste­hen so­wie ein Vor­dach.

Pri­vat und öf­fent­lich ge­nutzt im Wech­sel, das war auch in der Ver­gan­gen­heit so – das Si­mic-Kon­zept schreibt die Ge­schichte des Schlos­ses Al­ver­dis­sen fort. Die Pläne zum Schlos­s­um­bau fin­den sich un­ter: ww­w.schloss-al­ver­dis­sen.de

Eine Burg Al­ver­dis­sen wurde erst­mals 1396 er­wähnt. Nach krie­ge­ri­schen Aus­ein­an­der­set­zun­gen (1424) wurde Al­ver­dis­sen samt der Burg nie­der­ge­brannt. 1450 ist die Burg wie­der her­ge­stellt und wird erst­mals als Schloss be­schrie­ben. Im 15. und 16. Jahr­hun­dert wurde das Schloss mehr­fach ver­pfän­det und die Be­sitz­rechte la­gen in un­ter­schied­li­chen Hän­den. Graf Phil­ipp zur Lippe (Graf zu Schaum­burg-Lip­pe) ü­ber­nahm im 17. Jahr­hun­dert Schloss und Fle­cken Al­ver­dis­sen als Er­be. Er war da­mals zwölf Jahre alt. Sein Sohn Fried­rich Chris­tian legte 1662 im Al­ter von sie­ben Jah­ren den Grund­stein für das heu­tige Schloss. Sein jün­ge­rer Bru­der und des­sen Nach­fah­ren be­wohn­ten das Schloss. 1812 wurde das Schloss von Fürs­tin Pau­line zur Lippe zum Ver­wal­tungs­sitz des Am­tes Stern­berg-Barn­trup er­klärt. Von 1879 – 1969 war im Schloss des Amts­ge­richt un­ter­ge­bracht und von 1981 – 2008 die Außen­stelle des West­fä­li­schen Staats­ar­chivs.

Das Schloss hatte ur­sprüng­lich drei Ge­schosse so­wie einen Glock­en­turm vor dem jet­zi­gen Ein­gang. Das eben­falls heute nicht mehr vor­han­dene Ober­ge­schoss be­stand aus Fach­werk. Die­ses wurde 1923/1924 ab­ge­tra­gen. Seit­dem ist das Schloss zwei­ge­schos­sig. Auch die Wirt­schafts­ge­bäude das so­ge­nannte »Lange Haus« ent­lang der Schloss­straße wur­den eben­falls zu die­ser Zeit ab­ge­ris­sen. (Quel­le: Hel­muth Wel­sch).

vom 20.05.2009 | Ausgabe-Nr. 21A

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