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Prof. Dr. Martin Korte präsentierte Funktionsweisen des memschlichen Gehirns

Effizienter Umgang mit Gehirnressourcen

 

Det­mol­d/­Kreis Lip­pe. Ü­ber 180 Gäste nutz­ten auf Ein­la­dung des »­Fo­rum Lip­pe« die Ge­le­gen­heit, im Haus der Lip­pi­schen Lan­des-Brand­ver­si­che­rungs­an­stalt der Frage nach­zu­ge­hen: Wie lernt der Men­sch? Der Re­fe­rent, Prof. Dr. Mar­tin Korte von der tech­ni­schen Uni­ver­sität in Braun­schweig, schil­derte auf Ba­sis ver­ständ­li­cher wis­sen­schaft­li­cher Hin­ter­gründe die Funk­ti­ons­wei­sen un­se­res Ge­hirns und das Zu­sam­men­spiel mit an­de­ren Sin­nes­or­ga­nen.

Er stellte da­bei be­son­ders her­aus, dass wir uns vor der Ge­fahr des »Er­trin­kens im Wis­sens­meer« schüt­zen (al­lein die Deut­sche Bi­blio­thek in Frank­furt und Leip­zig wächst jähr­lich um 8 km Re­gal) und uns des­halb auf se­lek­ti­ves Ler­nen kon­zen­trie­ren müs­sen. Kon­zen­tra­tion war sein nächs­tes Stich­wort: Der Preis un­se­rer ge­dank­li­chen Be­weg­lich­keit ist ein fort­währen­der Kampf un­se­rer geis­ti­gen Ge­hirn-Res­sour­cen, denn wor­auf sich die Auf­merk­sam­keit rich­tet, wird im Ge­hirn stän­dig neu aus­ge­han­delt. Da­bei nannte er zahl­rei­che Bei­spiele und gab Tipps, wie die Kon­zen­tra­tion ge­stei­gert und gleich­zei­tig die zur Ver­fü­gung ste­hende Zeit für die Auf­nahme von In­for­ma­tio­nen oder die Er­le­din­gung von Auf­ga­ben bes­ser ge­nutzt wer­den kann. Die­ser ef­fi­zi­ente Um­gang mit den Ge­hirnres­sour­cen wie­derum sorgt für Er­folgs­er­leb­nis­se, die ih­rer­seits dazu bei­tra­gen, dass eine kör­perei­gene »­Be­loh­nungs-Dro­ge«, das Do­pa­min, aus­ge­stoßen wird, die u. a. die se­lek­tive Auf­merk­sam­keit steu­ert und da­mit das Ar­beits­ge­dächt­nis po­si­tiv be­ein­flusst. Ba­sis für das Ler­nen ist je­doch die zu­ge­führte Ener­gie in Form von Flüs­sig­keit, Sau­er­stoff und Be­we­gung.

In ei­ner wei­te­ren Ver­an­schau­li­chung zeigte Prof. Dr. Korte den ver­blüff­ten Teil­neh­mern, wel­che un­be­wuss­ten (im­pli­zi­ten) Leis­tun­gen un­ser Ge­hirn voll­brin­gen kann: Alle Teil­neh­mer sind aus­nahms­los in der La­ge, einen or­tho­gra­phisch äußert man­gel­haf­ten Text feh­ler­frei und flüs­sig zu le­sen, wenn nur der erste und letzte Buch­stabe ei­nes Worte rich­tig ist. Diese Leis­tung wird be­dingt durch die Tat­sa­che, das wir Wör­ter als ein Ge­bilde er­ken­nen, ohne uns auf die ein­zel­nen Buch­sta­ben kon­zen­trie­ren zu müs­sen. Un­ter­stützt wird diese Leis­tung da­durch, dass wir 10.000 – 20.000 Wör­ter be­nut­zen und 50.000 und mehr Wör­ter ver­ste­hen.

­Zum Ende sei­ner in­ter­essan­ten Aus­führun­gen ging Prof. Dr. Korte noch auf die viel dis­ku­tierte In­tel­li­genz­frage ein. An Hand ei­nes Bei­spiels aus den USA zeigt er auf, wie der IQ ei­ner Be­woh­ner­gruppe durch bes­sere Ernährung, Ver­städ­te­rung und bes­sere Schul­sys­teme ü­ber meh­rere Ge­ne­ra­tio­nen um 4 Pro­zent pro Jahr­zehnt ge­stei­gert wer­den konn­te.

­Sein Fa­zit dar­aus: Die stän­dige Aus­ein­an­der­set­zung mit neuen Ge­ge­ben­hei­ten und Ver­än­de­run­gen hat un­ser Ge­hirn in den letz­ten Jah­ren ge­zwun­gen, neue Fer­tig­kei­ten zu ler­nen und hat da­mit die Leis­tungs­fähig­keit nach­hal­tig ge­stei­gert. Ge­hirn­jog­ging ist da­bei eine wei­tere Maß­nahme zur Leis­tungs­stei­ge­rung bis ins hohe Al­ter. Aber Leis­tung benötigt Ener­gie. So­mit ist eine täg­li­che aus­rei­chende Flüs­sig­keits­zu­fuhr un­ab­ding­bar.

­Mit dem »­Fit­ness­plan für das Ge­hirn« schloss Prof. Korte sei­nen leb­haf­ten Vor­trag, der sich in den an­sch­ließen­den Dis­kus­sio­nen mit den Teil­neh­mern wei­ter fort­setz­te.

vom 28.11.2007 | Ausgabe-Nr. 48A

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