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Wieder zwei Stipendiaten im Künstlerhaus Schwalenberg

Zwei Positionen der Gegenwartskunst

Schwa­len­berg (lig). Sie be­schäf­ti­gen sich beide mit der Ge­gen­warts­kunst, aber je­der mit ei­ge­nen Stand­punk­ten. Die Rede ist von Da­niela Löb­bert und Jo­nas Kar­na­gel. Sie sind Sti­pen­dia­ten des Lan­des­ver­ban­des Lippe und wer­den bis Mai nächs­ten Jah­res ihre Ar­beit im Künst­ler­haus in Schwa­len­berg fort­set­zen. Mitt­ler­weile ha­ben sie das Haus be­zo­gen.

­Die Ma­ler­stadt Schwa­len­berg im Sü­dos­ten Lip­pes ist seit dem 19. Jahr­hun­dert ein An­zie­hungs­punkt für Künst­ler, die in der idyl­li­schen Um­ge­bung In­spi­ra­tio­nen für ihr künst­le­ri­sches Ar­bei­ten fan­den. Seit den 1970er Jah­ren führt der Lan­des­ver­band Lippe die Tra­di­tion der Ma­ler­stadt als Kunst­ort in Ko­ope­ra­tion mit der Stadt Schie­der-Schwa­len­berg fort durch re­gel­mäßige Kunst­aus­stel­lun­gen, die Schwa­len­ber­ger Som­mer­aka­de­mie und Events wie die Kunst­nacht oder Künstl­er­ge­spräche.

Ein wich­ti­ger Teil der Schwa­len­ber­ger Kunst­szene ist auch das vom Lan­des­ver­band Lippe be­trie­bene Künst­ler­haus, das ne­ben Ap­par­te­ments für Künst­ler auch ein Ge­mein­schaft­sate­lier mit ei­nem idyl­li­schen Blick ü­ber das Tal bie­tet. Dort ist auch die Wohn- und Ar­beitsstätte der Sti­pen­dia­ten.

Im Jahr 2003 wur­den die seit 1986 exis­tie­ren­den Sti­pen­dien in Schwa­len­berg aus fi­nan­zi­el­len Grün­den aus­ge­setzt. In die­sem Jahr führte der Lan­des­ver­band Lippe als al­lei­ni­ger Trä­ger die Sti­pen­dien wie­der ein. Es war eine kurz­fris­tige Ent­schei­dung, die im Sep­tem­ber die­ses Jah­res fiel. Da­her fand ein kurz­fris­ti­ges Be­wer­bungs­ver­fah­ren statt, denn zum 1. No­vem­ber be­gann be­reits das Sti­pen­di­um. 20.000 Euro hat der Lan­des­ver­band für die Sti­pen­dia­ten in den Haus­halt ein­ge­stellt. Aus 20 Be­wer­bern, fiel die Ent­schei­dung auf Da­niela Löb­bert aus Müns­ter und Jo­nas Kar­na­gel aus Braun­schweig. Aus­schlag­ge­bend für die Fach­jury war da­bei die Dar­stel­lung der Künst­ler, wie sie die Zeit in Schwa­len­berg für ihre Ar­beit nut­zen möch­ten. Die Jury hat sich mit die­sen Künst­lern für zwei sehr un­ter­schied­li­che künst­le­ri­sche An­sätze ent­schie­den, mit zwei span­nen­den Po­si­tio­nen der Ge­gen­warts­kunst­.

Da­niela Löb­bert stu­dierte an der Kunst­aka­de­mie in Müns­ter und Düs­sel­dorf und war Meis­ter­schü­le­rin bei Guil­laume Bijl in Müns­ter. Sie ge­wann in die­sem Jahr das Max-Ernst-Sti­pen­dium der Stadt Brühl, den För­der­preis der Kul­tur­stif­tung Spar­kasse Unna und den För­der­preis der Kunst­aka­de­mie Müns­ter.

Da­niela Löb­bert ü­ber­zeugte die Jury durch ihre kon­se­quent an­ge­leg­ten, ab­strak­ten und meist mo­no­chro­men Bild­flächen. Sie ar­bei­tet groß­for­ma­tig in Lack auf Lein­wand, lässt Farbe und Tex­tur wir­ken, greift auf die Tra­di­tion der ab­strak­ten Ma­le­rei zurück. Geo­me­tri­sche For­men las­sen zunächst auf eine Ge­genständ­lich­keit schließen, doch die Farbe rückt im­mer wie­der in den Mit­tel­punkt. Da­niela Löb­bert hat in ih­rem bis­he­ri­gen Werk Ab­strak­tion im Sinne der kon­kre­ten Kunst er­ar­bei­tet. Für ihre Zeit in Schwa­len­berg möchte sie sich in­ten­siv mit dem Thema der Land­schaft aus­ein­an­der­set­zen. »­Der Land­schaft kann man sich hier auch gar nicht ent­zie­hen«, meinte die Müns­te­ra­ne­rin.

­Jo­nas Kar­na­gel stu­dierte Kunst­ge­schichte in Braun­schweig und Gra­fik­de­sign in Hil­des­heim. Er legte da­bei sei­nen Schwer­punkt auf ex­pe­ri­men­telle Ge­stal­tung und Fo­to­gra­fie. 2003 wurde er in den Be­rufs­ver­band Bil­den­der Künst­ler Braun­schweig auf­ge­nom­men und in die­sem Jahr wurde er Mit­glied in der Künstl­er­gil­de. Kar­na­gel ar­bei­tet im Me­dium di­gi­tale Fo­to­gra­fie, die er zum Teil mit Ma­le­rei kom­bi­niert. Er be­schäf­tigt sich seit ei­ni­ger Zeit mit dem Pro­jekt »­Mas­ken«, in dem er – von ei­ner Mas­ken­bild­ne­rin ex­tra an­ge­fer­tigte – Mas­ken fo­to­gra­fiert, diese dann di­gi­tal so­wie ana­log (zum Bei­spiel durch Ma­le­rei) be­ar­bei­tet und die Er­geb­nisse zum Teil wie­der zer­stört oder plant, diese durch Aus­stel­lungs­be­su­cher zer­stören zu las­sen, in­dem sie bei­spiels­weise einen »­Mas­ken­tep­pich« be­tre­ten. Diese Be­schä­di­gung ver­steht er als Sicht­bar­ma­chung der Ver­gäng­lich­keit. Für seine Zeit in Schwa­len­berg plant er die An­fer­ti­gung neuer Mas­ken von sei­nem ei­ge­nen Ge­sicht durch eine Mas­ken­bild­ne­rin als Fort­führung des Pro­jekts mit ei­nem stär­ke­ren Be­zug auf den Künst­ler selbst. Die neuen Mas­ken will er be­ar­bei­ten und ar­ran­gie­ren und hier einen Be­zug auf das Selbst und die künst­li­che Al­te­rung her­stel­len. »Ich fange an mich zu ver­än­dern, zu zer­stören«, so Kar­na­gel. Den Ab­druck sei­nes Ge­sich­tes hat eine Mas­ken­bild­ne­rin be­reits ab­ge­nom­men.

vom 24.11.2007 | Ausgabe-Nr. 47B

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