LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Lemgo

Eine Marktszene für das
Weserrenaissance-Museum

 

Lem­go. Auch der nie­der­län­di­sche Ma­ler hat sich, wie es da­mals üb­lich war, christ­li­chen Mo­ti­ven ge­wid­met. Al­ler­dings hatte er auch einen un­be­irr­ba­ren Blick für die Fein­hei­ten und De­tails des All­tags, wie das Gemälde "­Markt­s­ze­ne" zeigt, dass dank der großzü­gi­gen Un­ter­stüt­zung des Freun­des­krei­ses nun für die Gemäl­des­amm­lung des We­ser­re­naissance-Mu­se­ums Schloss Brake er­stei­gert wer­den konn­te. "Das Gemälde ist rund 460 Jahre alt und eine kleine Sen­sa­tion", erzählt Mu­se­ums­di­rek­to­rin Dr. Vera Lüp­kes mit leuch­ten­den Au­gen. "­Man muss heute lange su­chen, um ein ver­gleich­ba­res Gemälde zu fin­den. Ein wei­te­res hängt im Kunst­his­to­ri­schen Mu­seum in Wien." Ob­wohl die Bild­szene et­was All­täg­li­ches dar­stellt, ist sie den­noch be­son­ders. Denn der Bauer steht nicht auf ei­nem Wo­chen­markt, son­dern vor den To­ren ei­ner Stadt. Sein Markt­stand ist, der Leine rechts ne­ben dem Ge­flü­gel­korb nach zu ur­tei­len, wahr­schein­lich ein Kahn. "­Die Markt­szene ist ei­gent­lich eine Schwarz­markt­s­ze­ne, da es seit dem Mit­tel­al­ter zwar ver­bo­ten, aber den­noch üb­lich, war, dass in den Som­mer­mo­na­ten Bau­ern aus Fries­land an die Flus­sufer von na­he­ge­le­ge­nen Städ­ten fuh­ren, um vor der Stadt ihre Wa­ren an­zu­bie­ten. Die städ­ti­schen Märkte wa­ren ih­nen ver­schlos­sen und die Stadt­räte ver­such­ten ver­geb­lich, ge­gen das Ge­schäfts­ge­ba­ren der Bau­ern an­zu­ge­hen", er­läu­tert die Mu­se­ums­di­rek­to­rin die Hin­ter­grün­de. Die Per­so­nen im Hin­ter­grund ge­ben Hin­weise auf den Ort des Ge­sche­hens. "­Die schwar­zen Ca­pes mit den schna­bel­ar­ti­gen Ka­pu­zen, die die bei­den Frauen tra­gen, be­zeich­net man als Heu­ken. Bis ins frühe 17. Jahr­hun­dert hin­ein wa­ren diese Ca­pes cha­rak­te­ris­tisch für Bre­mer Bür­ge­rin­nen, wes­halb wir uns sehr si­cher sein kön­nen, dass diese Szene vor den Stadt­mau­ern von Bre­men spiel­t", ana­ly­siert Dr. Vera Lüp­kes das Gemäl­de. Einen wei­te­ren Hin­weis auf Bre­men lie­fert die Szene im Hin­ter­grund. Denn die bei­den Bür­ge­rin­nen er­we­cken den Ein­druck, dass sie der blas­sen und ärm­lich ge­klei­de­ten jun­gen Frau Le­bens­mit­tel kau­fen. Ein zwi­schen den Frauen kni­en­der Bauer schöpft Rahm aus ei­nem der ne­ben­ste­hen­den Ge­fäße, um ihn in ei­nes der mit­ge­brach­ten Ge­fäße ab­zu­fül­len. Ob eine der bei­den Da­men dem ar­men Mäd­chen das ge­füllte Ge­fäß rei­chen wird oder be­zahlt und nach Hause trägt, bleibt der Fan­ta­sie des Be­trach­ters ü­ber­las­sen. "­Die mildtätige Geste passte sehr zum So­zi­al­ge­füge der Stadt: Rei­che Bre­mer ha­ben Mitte des 16. Jahr­hun­derts Stif­tun­gen zum Wohl der Ar­men ins Le­ben ge­ru­fen", weiß Mu­se­ums­di­rek­to­rin Dr. Vera Lüp­kes. Wer das Bild ein­mal selbst auf sich wir­ken las­sen möch­te, um viel­leicht noch wei­tere De­tails zu ent­de­cken, der hat dazu diens­tags bis sonn­tags von 10 bis 18 Uhr Ge­le­gen­heit da­zu. (km)

vom 11.12.2019 | Ausgabe-Nr. 50A

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten