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Daten rasen mit "Lichtgeschwindigkeit"

Viel zu se­hen gibt es ei­gent­lich nicht: Zwi­schen dem Lem­goer Orts­teil Wahm­becker­heide und Det­mold ist eine Bau­stelle auf "­punk­tu­el­ler Wan­der­schaft". Hier ha­ben die Stadt­werke Det­mold und Lemgo als In­fra­struk­tur-Dienst­leis­ter Tief­bau­ar­bei­ten in Auf­trag ge­ge­ben, um auf ei­ner Länge von rund zehn Ki­lo­me­tern ein Glas­fa­ser­ka­bel ver­le­gen zu kön­nen, das beide Städte im Be­zug auf Da­ten­trans­fer si­cher und in Echt­zeit mit­ein­an­der ver­bin­den wird. "Wir bauen zunächst eine High­s­peed-Ver­bin­dung mit 10G­B/s auf, die sich zukünf­tig auf Ü­ber­tra­gungs­ra­ten im Ter­ra­by­te­be­reich auf­sto­cken lässt", er­klärt Arnd Ober­sche­ven, Ge­schäfts­füh­rer der Stadt­werke Lem­go. "­Die Kos­ten für diese ska­lier­bare Hoch­ge­schwin­dig­keits­lei­tung tra­gen wir Stadt­werke ge­mein­schaft­lich", so Jörg Kar­li­kow­ski, Ge­schäfts­füh­rer der Det­mol­der Stadt­wer­ke. "­Denn der si­chere Kom­mu­ni­ka­ti­ons­weg kommt uns bei un­se­rer Zu­sam­men­ar­beit eben­falls sehr ent­ge­gen." An­dreas Schlichting, Tech­ni­scher Lei­ter der Stadt­werke Det­mold er­klärt, was der­zeit auf der Wan­der­bau­stelle pas­siert: "Es wer­den gleich drei Leer­rohre ver­legt. Erst ein­mal wird nur durch ei­nes die­ser Rohre eine so­ge­nannte "S­peed­pi­pe" ge­zo­gen, also eine ge­bün­delte Glas­fa­ser­lei­tung, die aus 96 ein­zel­nen Glas­fa­sern be­steht. Die neue Lei­tung ist das Si­chers­te, was der­zeit zu ha­ben ist und sie ist so aus­ge­legt, dass wei­tere Glas­fa­ser­ka­bel ohne Pro­bleme ein­ge­schos­sen wer­den kön­nen. Die Lei­tun­gen, die hier ver­legt wer­den, ga­ran­tie­ren im Prin­zip für alle Zei­ten eine leis­tungs­fähige Da­ten­ver­bin­dung. Und – je mehr In­sti­tu­tio­nen und Un­ter­neh­men sich be­tei­li­gen, um so güns­ti­ger wird." Große Bau­maß­nah­men sind ü­b­ri­gens nicht er­for­der­lich. Eine Spe­zi­al­bohr­ma­schine treibt etwa alle 300 Me­ter eine Bohr­stange par­al­lel zur Straße durch das Erd­reich. -----> wei­ter auf Seite 2 Der Bohr­kopf ist da­bei so steu­er­bar, dass die Bohr­stan­gen auch Kur­ven durch­lau­fen kön­nen. Eine Be­to­nit-Was­ser-Mi­schung sorgt für die nötige Küh­lung des Boh­rers und eine Sta­bi­li­sie­rung des Bohr­lochs, wenn die Bohr­stan­gen zurück­ge­zo­gen wer­den und die drei Leer­rohre für die Glas­fa­ser ein­ge­zo­gen wer­den. Liegt diese "­Licht­wel­len­lei­ter­ver­bin­dung", kön­nen die Nut­zer von der leis­tungs­star­ken und vor al­lem si­che­ren Da­ten­au­to­bahn pro­fi­tie­ren. Und der Be­darf, bei der Da­tenü­ber­tra­gung auf eine höhere Band­breite zurück­grei­fen zu kön­nen, ist enorm hoch. So wi­ckeln bei­spiels­weise der Kreis Lippe und die Stadt Det­mold ihre ge­samte IT-Ad­mi­nis­tra­tion ü­ber das Kom­mu­nale Re­chen­zen­trum Min­den-Ra­vens­berg/ Lippe in Lemgo ab. Eine High­s­peed-Da­ten­ver­bin­dung, die Da­ten­trans­fer mit bis zu zehn Gi­ga­bit pro Se­kunde er­mög­licht, würde er­heb­li­che Vor­teile für die ver­netz­ten Fach­be­rei­che be­deu­ten, was bei­spiels­weise einen Da­ten­aus­tausch in Se­kun­den­schnel­le, also quasi in Echt­zeit, bei On­line-Pla­naus­künf­ten, dem Aus­tausch di­gi­ta­ler Bau­ak­ten oder der Ver­net­zung von Ret­tungs­lei­t­stel­len oder Schu­len mög­lich ma­chen wür­de. Auch im der Be­reich der Te­le­me­di­zin wer­den in Zu­kunft im­mer größere Da­ten­men­gen ü­ber die Da­ten­au­to­bah­nen ja­gen. Für Schu­len und Hoch­schule er­ge­ben sich neue Lö­sun­gen. "Es könn­ten sich ganz neue Mög­lich­kei­ten wie die rech­ner­ge­stützte Li­ve­schal­tung zu Vor­le­sun­gen und La­bor­ver­su­chen, den schnel­len Zu­griff auf di­gi­tale Bi­blio­the­ken oder die Ein­rich­tung ei­ner Cam­pus-Cloud eröff­nen", sagt auch Lem­gos Bür­ger­meis­ter Dr. Rei­ner Aus­ter­mann. Die Kla­gen der In­dus­trie ü­ber zu schwa­che Da­ten­lei­tun­gen kennt er auch. "Es gibt durch­aus An­ge­bote für höhere Ü­ber­tra­gungs­ra­ten, aber die kos­ten ein­fach auch mehr." Pro­jekt­part­ner bei­der Stadt­werke sind be­reits beide Städ­te, der Kreis Lip­pe, das Kom­mu­nale Re­chen­zen­trum, die Hoch­schule mit ih­ren Stand­orten in Lemgo und Det­mold so­wie die Leit­stel­le. Die Zahl der Ko­ope­ra­ti­ons­part­ner ist nach oben of­fen, wie Land­rat Dr. Axel Leh­mann be­tont. Auch an­dere Städte und Ge­mein­den in Lippe könn­ten an­ge­bun­den wer­den, wenn dort eben­falls ein Glas­fa­ser­netz auf­ge­baut wür­de. Det­molds Bür­ger­meis­ter Rai­ner Hel­ler spricht von großen Stand­ort­vor­tei­len. So könne sich auch die Wirt­schaft ein­klin­ken und Ka­pa­zitäten an­mie­ten. Sein Lob gilt der In­itia­tive bei­der Stadt­wer­ke. "Ü­ber den nor­ma­len Markt hät­ten wir das nicht stem­men kön­nen. Da­her sind wir glück­lich darü­ber, dass die Stadt­werke Det­mold und Lemgo das auf ihre Schul­tern neh­men." "­Durch das Be­reit­stel­len der Lei­tung für kom­mu­nale Ein­rich­tun­gen so­wie für In­dus­trie- und Ge­wer­be­be­triebe wird sich die In­fra­struk­tur in bei­den Städ­ten er­heb­lich ver­bes­sern", meint Land­rat Dr. Axel Leh­mann. "Das Ge­mein­schaftspro­jekt wird zur Ver­bes­se­rung des Wirt­schafts­stand­ortes führen, denn da­mit wird eine vir­tu­elle Schnell­straße zwi­schen Lemgo und Det­mold mög­lich ge­macht." Die Miet­ver­träge für die Glas­fa­ser­ver­bin­dun­gen be­gin­nen im Ja­nuar 2020. Un­ter­neh­men und In­sti­tu­tio­nen in Det­mold und Lemgo kön­nen sich dem Ge­mein­schaftspro­jekt der Stadt­werke an­sch­ließen und ei­gene Glas­fa­ser­lei­tun­gen von den Stadt­wer­ken mie­ten. BU Auf der Da­ten-Ü­ber­hol­spur: Die Ge­schäfts­füh­rer der Stadt­werke Lemgo und Det­mold, Arnd Ober­sche­ven (rechts im Bild) und Jörg Kar­li­kow­ski (links), hal­ten zwei Mus­ter­stü­cke der Glas­fa­ser­lei­tung in der Hand, die der­zeit zwi­schen der Al­ten Han­se­stadt Lemgo und Det­mold ver­legt wer­den. Ein Spe­zi­al­boh­rer treibt die Bohr­stan­gen par­al­lel zur Straße in etwa ei­nem, bis ein­ein­halb Me­ter Tiefe durch den Bo­den. Fo­tos: Retzlaff In­fo­kas­ten Wie funk­tio­niert der Da­ten­trans­fer mit Glas­fa­ser und was sind die Vor­tei­le? Kup­fer­ka­bel ü­ber­tra­gen Da­ten mit­tels elek­tri­scher Im­pul­se. Glas­fa­ser­lei­tun­gen nut­zen Licht­si­gna­le, die durch ein Bün­del dün­ner Glas­fa­sern lau­fen. Glas­fa­ser­ka­bel er­mög­li­chen eine we­sent­lich höhere Band­breite als Kup­fer­fä­den: Bei gleich großem Quer­schnitt fließen im glei­chen Zeit­raum deut­lich mehr Da­ten durch die Lei­tun­gen. So ist der Trans­fer selbst großer Da­ten­men­gen im Gi­ga­bit-Be­reich in Se­kun­den­schnel­le, also quasi in Echt­zeit, mög­lich. Und im Ge­gen­satz zur Kup­fer­lei­tung er­mög­licht Glas­fa­ser eine ver­lust­freie Da­tenü­ber­tra­gung auch ü­ber län­gere Stre­cken.

vom 08.06.2019 | Ausgabe-Nr. 23B

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