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Lippe ist sicherer, als viele denken

Laut Kriminalitätsstatistik sinkt die Zahl der Delikte im Kreisgebiet

Polizeidirektor Bernd Stienkemeier (rechts) und Kriminaloberrat Wolfgang Pader stellen den Kriminalitätsbericht 2018 vor.

Po­li­zei­di­rek­tor Bernd Sti­en­ke­meier (rechts) und Kri­mi­nal­o­ber­rat Wolf­gang Pa­der stel­len den Kri­mi­na­litäts­be­richt 2018 vor.

Kreis Lippe (LM­H). Die Bür­ger im Kreis Lippe kön­nen sich si­cher fühlen, ganz be­son­ders in Leo­polds­höhe, Dören­trup und Schlan­gen. Das be­legt die Kri­mi­na­litäts­sta­tis­tik für 2018: Die Zahl der Straf­ta­ten im Kreis ist von 14.511 (2017) auf 13.361 ge­sun­ken – der nied­rigste Wert seit 20 Jah­ren. Auch we­ni­ger Ein­brüche hat die Po­li­zei ver­zeich­net. Außer­dem kann sie ins­ge­samt mehr Ta­ten auf­klären. "Bür­ger spre­chen uns an und kla­gen darü­ber, dass die Kri­mi­na­lität steigt. Das Ge­gen­teil ist der Fall", sagt Po­li­zei­di­rek­tor Bernd Sti­en­ke­mei­er. Dies be­trifft vor al­lem das Thema Ein­brüche. "2018 gab es 341 An­zei­gen we­gen Ein­bruchs, in knapp der Hälfte der Fälle blieb es beim Ver­such", sagt Sti­en­ke­mei­er. Im Jahr zu­vor seien 467 An­zei­gen ein­ge­gan­gen. Um für mehr Si­cher­heit zu sor­gen, habe die Po­li­zei habe vor al­lem in Bad Sal­zu­flen eine be­son­dere Tak­tik ver­folgt, mehr Kon­trol­len durch uni­for­mierte Be­amte und Zi­vil­fahn­der durch­ge­führt. "Das schreckt ab, es spricht sich in den Krei­sen schnell her­um", meint Sti­en­ke­mei­er. Nicht zu­frie­den ist die Po­li­zei mit der Auf­klärungs­quote von 12,9 Pro­zent. "Hier müs­sen wir uns deut­lich stei­gern. Wir sind auf Hin­weise an­ge­wie­sen und möch­ten darum bit­ten, wenn et­was ver­däch­tig ist, so­fort 110 an­zu­ru­fen."

An­ders ist die Ent­wick­lung bei se­xu­el­lem Miss­brauch: Die Fall­zah­len sind ge­stie­gen – die Ta­ten in Lügde noch gar nicht mit­ge­rech­net. "Es ist noch nicht klar, wie und in wel­che Sta­tis­ti­ken das ein­fließen wird, denn die Kin­der ka­men nicht nur aus Lip­pe. Und es sind Straf­ta­ten, die Jahre zurück­lie­gen", sagt Kri­mi­nal­o­ber­rat Wolf­gang Pa­der. Ab­ge­se­hen von die­sem Auf­se­hen er­re­gen­den Ver­bre­chen sei 2018 in 63 Fäl­len er­mit­telt wor­den. Miss­brauch fin­det da­bei auch im Fa­mi­li­en­kreis statt. "Ein Großva­ter und ein Va­ter hat­ten sich an Kin­dern ver­grif­fen", stellt Pa­der fest. Dass die Fall­zahl ins­ge­samt stei­ge, liege an den tech­ni­schen Mög­lich­kei­ten und der bes­se­ren in­ter­na­tio­na­len Ver­net­zung. Das Lan­des­kri­mi­nal­amt werte Hin­weise aus den USA in Be­zug auf Kin­derpor­no­gra­fie aus. "Wir ü­ber­neh­men die Er­mitt­lun­gen, wenn es den Ver­dacht gibt, dass Täter aus Lippe kom­men", er­klärt Sti­en­ke­mei­er. Bei Mord und Mord­ver­su­chen sind die Zah­len sta­bil (16). Im Ge­dächt­nis ge­blie­ben ist ein Fall in Au­gust­dorf: Ein 32-Jäh­ri­ger Rumäne hatte seine Ex-Freun­din un­ter an­de­rem mit 20 Mes­ser­sti­chen getötet. Er wurde zu elf Jah­ren Haft ver­ur­teilt. In Be­zug auf Tötungs­de­likte sagt Pa­der: "Wir krie­gen sie al­le." Ob­wohl in viel­fach be­rich­tet und ge­warnt wird, ha­ben "En­kel­trick-Be­trü­ger" im­mer noch Er­folg. "Das sind Call­cen­ter, die sich dar­auf spe­zia­li­siert ha­ben, das Ver­trauen äl­te­rer Men­schen zu ge­win­nen. Die Draht­zie­her zu er­wi­schen, ist außer­or­dent­lich schwie­rig", so Sti­en­ke­mei­er. Hier sei der Er­mitt­lungs­auf­wand sehr hoch, die Auf­klärungs­quote al­ler­dings ge­ring. In Schlan­gen konnte kürz­lich eine Geldü­ber­gabe ver­hin­dert wer­den, die Täter ent­ka­men al­ler­dings. Um Se­nio­ren noch bes­ser vor Be­trü­gern zu schüt­zen, will die Po­li­zei Lippe ver­stärkt ü­ber de­ren Tricks auf­klären. Fast ein Vier­tel al­ler Tat­ver­däch­ti­gen sind im Al­ter zwi­schen 14 und 21 Jah­ren. Vor al­lem Diebstähle und Kör­per­ver­let­zun­gen ge­hen auf ihr Kon­to. Im Ver­gleich zu 2017 sank die Zahl um 6,2 Pro­zent. Nicht nur, weil der An­teil der Jun­gen an der Be­völ­ke­rung schrumpft. Die Po­li­zei führe den Ju­gend­li­chen vor Au­gen, dass ihr Ver­hal­ten Kon­se­quen­zen hat. "Wenn ei­ner fünf­mal auf­fällt, dann fah­ren wir zu­hause vor­bei. In­ten­siv­täter brin­gen wir vor Ge­richt. Wir wol­len kri­mi­nelle Kar­rie­ren früh ab­bre­chen", er­klärt Bernd Sti­en­ke­mei­er. Einen deut­li­chen Rück­gang ver­zeich­net die Po­li­zei auch bei den Tat­ver­däch­ti­gen ohne deut­schen Pass. 2017 wa­ren es 1754, in 2018 noch 1658. Ge­gen die Aus­län­der wurde un­ter an­de­rem we­gen Ein­brüchen (47 Pro­zent), Raub­de­lik­ten (42,5) Ge­walt­kri­mi­na­lität (39) und Fahr­r­ad­diebstählen (37,4) er­mit­telt. "Da­bei muss man berück­sich­ti­gen, dass auch Ban­den er­fasst wer­den, die vom Aus­land aus ope­rie­ren", sagt Sti­en­ke­mei­er. Fa­zit: "­Ver­gleicht man Lippe mit an­de­ren Krei­sen und Städ­ten, dann sind un­sere Zah­len ins­ge­samt weit bes­ser", er­klärt Pa­der. Das wirke sich auf die Per­so­nal­zu­wei­sung aus: Mehr Kri­mi­na­lität, mehr Per­so­nal. Die Fläche und der Per­so­nal­ein­satz für Prä­ven­tion fie­len da­ge­gen nicht ins Ge­wicht. In Lippe gebe es 1,1 Stel­len auf 1000 Ein­woh­ner, in an­de­ren Land­krei­sen seien es 1,3. "Das wären für Lippe 70 Be­amte mehr", sagt Pa­der

vom 23.02.2019 | Ausgabe-Nr. 8B

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