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"Storys, die selbst für
Instagram zu fame sind"

RBG-Literaturkurs führt "Hamlet" in Jugendsprache auf

Nächtliche Überraschung: Hamlet (Jessica Schorrmann, links) begegnet dem Geist seines verstorbenen Vaters (Paulina Heine). Foto: Jan Christian Pinsch

Nächt­li­che Ü­ber­ra­schung: Ham­let (Jes­sica Schorr­mann, links) be­geg­net dem Geist sei­nes ver­stor­be­nen Va­ters (Pau­lina Hei­ne). Fo­to: Jan Chris­tian Pinsch

Bad Sal­zu­flen-Schöt­mar (jcp). Der Li­te­ra­tur­kurs der Jahr­gangs­stufe Q1 des Ru­dolph-Bran­des-Gym­na­si­ums hat sein Stück "Ham­let Re­loa­de­d" im Päd­ago­gi­schen Zen­trum am Loh­feld auf­ge­führt. Die mo­derne Ad­ap­tion un­ter der Lei­tung von Do­ro­thea Wald­herr ver­wan­delte Wil­liam Sha­ke­s­pea­res Tragö­die in eine äußerst un­ter­halt­same Komö­die vol­ler ab­sur­der Ide­en. "­Die Dar­bie­tung ist das Er­geb­nis ei­nes lan­gen Pro­zes­ses der kri­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung mit die­sem Werk", hatte die Leh­re­rin und Re­gis­seu­rin vorab er­läu­tert. "Am meis­ten reizte die Schü­ler, das Stück ei­nem ju­gend­li­chen Pu­bli­kum zugäng­lich zu ma­chen." Wo­bei sich der Auf­takt mit Glo­cken­läu­ten, ei­nem auf­ge­bahr­ter Kö­nig und ei­ner ver­sam­mel­ten Trau­er­ge­meinde noch sehr klas­sisch ge­stal­tet. Ei­ner in der Runde nimmt es der­weil mit der Trauer nicht so ge­nau: Ham­lets On­kel Clau­di­us, der un­mit­tel­bar nach dem Tod sei­nes Bru­ders des­sen Frau Ger­trud hei­ra­tet und selbst den Thron von Dä­ne­mark be­steigt. "Auf eure neue und alte Kö­ni­gin, die ich schnel­ler er­obert habe als Pu­tin die Krim", ruft Clau­dius (Lu­kas Küte­mei­er) dem Volk ent­ge­gen. "­Make Den­mark great again!" Nun ist auch beim Volk Schluss mit der Trau­er, statt­des­sen tanzt und fei­ert es zum Party-Schla­ger "Sau­fen, mor­gens, mit­tags, abends" von "Ingo ohne Fla­min­go". Eben­falls un­ge­wohnt ist Ham­lets Be­geg­nung mit dem Geist sei­nes ver­stor­be­nen Va­ters. "What the Fuck, Da­d?", schreit der Prot­ago­nist ent­setzt, hier ver­kör­pert von Jes­sica Schorr­mann mit Nike-Cap und HSV-Shorts. Der ver­sof­fene Geist sei­nes Va­ters fa­selt zunächst von Fe­ge­feuer und Hölle so­wie "­Sto­rys, die selbst für Ins­ta­gram zu fame sin­d", aber eröff­net ihm schließ­lich auch, dass er von Clau­dius "­ge­kill­t" wor­den sei. "­Mein On­kel, der Spast?", fragt Ham­let ver­wun­dert, ehe er sei­nem Va­ter ver­spricht, sei­nen Mord zu rächen. In der Folge wird Ham­let auch von Nele Keun­e­cke und Er­dem Tac ver­kör­pert, um die Viel­fäl­tig­keit und Wi­der­sprüch­lich­keit der Fi­gur zu ver­deut­li­chen. Ham­lets zwi­schen­zeit­li­che Ver­ban­nung nach Eng­land wird durch einen selbst­pro­du­zier­ten Ani­ma­ti­ons­film mit Play­mo­bil-Fi­gu­ren erzählt, be­vor auch diese mo­derne Ad­ap­tion schließ­lich in das Du­ell von Ham­let und Laer­tes (Lea Ko­ring), Sohn des Hof­die­ners Po­lo­ni­us, mün­det, den Ham­let mit dem Aus­spruch "Los, du Lap­pen, lass uns kämp­fen!" be­ginnt. Zum "Fluch der Ka­ri­bi­k"-So­undtrack ent­wi­ckelt sich ein Kampf mit bril­li­ant ko­mi­schen Dia­lo­gen und ei­ner be­mer­kens­wer­ten Cho­reo­gra­fie, die während ei­nes Work­shops mit ei­nem Tän­zer des Thea­ters Bie­le­feld ein­stu­diert wur­de. Es ist das Fi­nale ei­ner Dar­bie­tung, bei der Dar­stel­ler und Pu­bli­kum glei­cher­maßen Spaß ha­ben – le­dig­lich Tra­di­tio­na­lis­ten dürf­ten ob der star­ken Ver­frem­dung der ein­zel­nen Cha­rak­tere ihre Pro­bleme ge­habt ha­ben.

vom 04.07.2018 | Ausgabe-Nr. 27A

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