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Neuzüchtungen bergen hohes Allergierisiko

Experte vom Allergiezentrum der Berliner Charité zum Thema Apfelallergie

 

Die Stu­die war in Zu­sam­men­ar­beit mit der Lem­goer BUND-Gruppe und der Hoch­schule OWL, Ab­tei­lung Le­bens­mit­tel­tech­no­lo­gie durch­ge­führt wor­den. Ü­ber 100 Ap­fel­all­er­gi­ker aus ganz Deutsch­land hat­ten an der Stu­die teil­ge­nom­men. Im Rah­men der Stu­die muss­ten die Teil­neh­mer zu Be­ginn und zum Ende einen Ap­fel der Sorte Gol­den De­li­cious pro­bie­ren (bei be­kann­ten star­ken all­er­gi­schen Re­ak­tio­nen nur mit dem Mund berühren). Diese be­kannte Ap­fel­sorte weist eine be­son­ders hohe All­er­ge­nität auf. Nach dem An­fangs­test gab es für 90 Tage je­weils täg­lich einen Ap­fel, der von Ap­fel­all­er­gi­kern als ver­träg­lich ein­ge­stuft wur­de. Im Rah­men der Stu­die er­hiel­ten die Pro­ban­den die al­ten Sor­ten Alk­me­ne, Ei­fe­ler Ram­bur, Gold­par­mäne und Ro­ter Bo­sko­op. Diese Sor­ten en­hal­ten jede Menge Po­ly­phe­no­le. Das sind aro­ma­ti­sche Ver­bin­dun­gen, die bei Äp­feln meist in der Schale oder un­mit­tel­bar dar­un­ter vor­kom­men. Sie gel­ten gleich in mehr­fa­cher Hin­sicht als be­son­ders ge­sund­heits­för­dernd. Viele Neuzüch­tun­gen wei­sen nicht nur einen sehr ge­rin­gen Po­ly­phe­nol­ge­halt auf, son­dern ent­hal­ten ver­mehrt All­er­ge­ne, die dem All­er­gen der Bir­ken­pol­len sehr ähn­lich ist. Zu­dem ist bei vie­len neuen Sor­ten der Säu­re­ge­halt re­du­ziert wor­den, wo­bei da­bei der Ge­halt an All­er­ge­nen an­ge­stie­gen ist. Diese All­er­gene wer­den bei der Rei­fung und der an­sch­ließen­den La­ge­rung der Äp­fel ge­bil­det. Alte Sor­ten ha­ben in der Re­gel we­ni­ger All­er­ge­ne. Die Un­ter­su­chun­gen zum Po­ly­phe­nol­ge­halt wur­den von der Hoch­schule OWL un­ter der Lei­tung von Pro­fes­sor Dr. Jür­gen Zapp durch­ge­führt. Die Aus­wer­tung der welt­weit ers­ten Stu­die die­ser Art hat wich­tige Er­kennt­nisse er­ge­ben: Zum einen wer­den die al­ten Ap­fel­sor­ten von den Ap­fel­all­er­gi­kern pro­blem­los ver­tra­gen und durch den Kon­sum der al­ten Sor­ten konnte bei fast al­len Teil­neh­mern der Stu­die eine De­sen­si­bi­li­sie­rung er­reicht wer­den, die zu ei­ner bes­se­ren Ver­träg­lich­keit des Gol­den De­li­cious führ­te. Ei­nige Teil­neh­mer hat­ten kei­ner­lei Pro­bleme mehr beim Ver­zehr die­ser Ap­fel­sor­te. Zum an­de­ren hat sich er­ge­ben, dass Ap­fel­all­er­gi­ker fast aus­nahms­los auch all­er­gisch auf Bir­ken- und Grä­ser­pol­len rea­gie­ren. Nach der De­sen­si­bi­li­sie­rung durch alte Ap­fel­sor­ten hat­ten etwa zwei Drit­tel der Be­frag­ten in der fol­gen­den Pol­len­sai­son we­ni­ger Be­schwer­den und konn­ten so­gar den Ein­satz von Me­di­ka­men­ten re­du­zie­ren. Da­mit wurde das Er­geb­nis ei­ner klei­nen ja­pa­ni­schen Stu­die bestätigt, bei der nach Aus­sage von Pro­fes­sor Dr. Berg­mann Heu­schnup­fen­pa­ti­en­ten Ap­fel­saft mit ho­hem An­teil an Po­ly­phe­no­len ü­ber einen län­ge­ren Zeit­raum kon­su­mier­ten. Diese hat­ten an­sch­ließend im Ver­gleich mit Pro­ban­den ohne Ap­fel­saft­kon­sum deut­lich we­ni­ger Be­schwer­den. Einen ho­hen Ge­halt an Po­ly­phe­no­len gibt es im Streu­obst­wie­sen­ap­fel­saft. In Streu­obst­wie­sen ste­hen fast aus­nahms­los alte Ap­fel­sor­ten. Auf­grund der Er­geb­nisse den bei­den Stu­dien lau­tet die Emp­feh­lung von Pro­fes­sor Dr. Berg­mann für Heu­schnup­fen­ge­plagte und Ap­fel­all­er­gi­ker, ein­fach al­te, als ver­träg­lich ein­ge­stufte Ap­fel­sor­ten zu kon­su­mie­ren und ein­mal selbst ver­su­chen, ob man nicht durch re­gel­mäßi­gen Kon­sum von Streu­obst­wie­sen­ap­fel­saft eine Lin­de­rung von Heu­schnup­fen­be­schwer­den auch ohne Ein­nahme von Me­di­ka­men­ten er­rei­chen kann. Ab­sch­ließend be­dankte sich Pro­fes­sor Dr. Berg­mann bei den Ak­ti­ven des Lem­goer BUND-Grup­pe, die die Stu­die ü­ber­haupt er­mög­licht ha­ben und zwar in eh­ren­amt­li­cher Ar­beit. "­Diese Ar­beit ist vor­bild­lich und hat mich ü­ber­zeugt. Da­her bin ich jetzt auch BUND-Mit­glied ge­wor­den." Wei­tere In­for­ma­tio­nen zum Thema Ap­fel­all­er­gie und zur Stu­die gibt es auf den In­ter­netsei­ten des BUND Lemgo un­ter "ww­w.­bund-lem­go.­de/­ap­fel­all­er­gie".

vom 14.04.2018 | Ausgabe-Nr. 15B

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