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Viele Fragen blieben offen

Durch vermehrte Einbrüche fühlen sich Südstadt-Bewohner massiv beeinträchtigt

 

Oer­ling­hau­sen (k­d). In der Oer­ling­hau­ser Süd­stadt und in Bo­kel­fenn geht Angst um. Seit ei­ni­gen Mo­na­ten häu­fen sich die Woh­nungs­ein­brüche. Erst­mals hatte jetzt die Stadt­ver­wal­tung ge­mein­sam mit der Po­li­zei zu ei­ner In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tung ein­ge­la­den. Je­doch blie­ben viele Fra­gen der 160 In­ter­es­sen­ten im ü­ber­füll­ten Diet­rich-Bon­ho­ef­fer-Haus un­be­ant­wor­tet. Nach ei­ner teil­weise er­reg­ten Dis­kus­sion hieß es: "Ich fühle mich noch un­si­che­rer als vor­her."

Zahl­rei­che Hände schnell­ten in die Höhe, als ei­ner der An­we­sen­den frag­te, wer denn schon von ei­nem Ein­bruch be­trof­fen war. Man­che be­rich­te­ten gar von mehr­fa­chen Ta­ten und Ver­su­chen. An­dere mein­ten, dass ihre Nach­barn nicht mit­ge­kom­men sei­en, weil sie ihr Haus nicht un­be­wacht las­sen woll­ten. Bür­ger­meis­ter Dirk Be­cker räumte ein: "Das macht nicht nur Angst, das raubt auch Le­bens­qua­lität." Er warnte aber zu­gleich vor ei­nem Ge­ne­ral­ver­dacht ge­genü­ber den 400 Be­woh­nern der Zen­tra­len Un­ter­brin­gungs­ein­heit (ZUE). In ei­ner Re­so­lu­tion hatte sich der Rat be­reits an die Lan­des­re­gie­rung ge­wandt, um Ab­hilfe zu schaf­fen und die hohe Zahl der ge­flüch­te­ten Men­schen in Oer­ling­hau­sen zu ver­rin­gern. "Wir müs­sen mit­ein­an­der re­den", meinte Chris­tian Weicht, zu­stän­dig für Op­fer­schutz und Prä­ven­tion bei der Po­li­zei in Lip­pe. Seine In­for­ma­tio­nen emp­fan­den die Zuhö­rer je­doch als un­zu­rei­chend, be­zeich­ne­ten sie als zu vage oder als un­zu­tref­fend. Die Kon­troll­maß­nah­men mit zi­vi­len Fahr­zeu­gen und Strei­fen­wa­gen wür­den er­höht, er­klärte Weicht. Die Er­mitt­lungs­kom­mis­sion werde per­so­nell auf­ge­stockt, es gebe Ab­spra­chen mit dem Lan­des­kri­mi­nal­amt. Auf Nach­frage gab Weicht be­kannt, dass es seit Ok­to­ber 2017 rund um die ZUE 38 Ein­brüche ge­ge­ben ha­be. Der Vor­sit­zende des Cam­ping­plat­zes zwei­felte diese Zah­len an, denn al­lein auf dem Gelände der Fa­mi­li­en­sport­ge­mein­schaft seien mehr als 40 Ta­ten be­kannt. Den Hin­weis von Weicht, die Be­trof­fe­nen soll­ten ihre Häu­ser tech­nisch bes­ser si­chern, wie­sen diese als zy­nisch zurück. "­Was tun Sie denn kon­kret?", fragte ein An­lie­ger. "Wir wol­len hier wie­der so si­cher le­ben wie vor der ZUE." Auch der Hin­weis, dass vor we­ni­gen Ta­gen drei Täter ü­ber­führt wur­den und zwei von ih­nen in­haf­tiert sind, konnte die Bür­ger nicht be­ru­hi­gen. Den teils dras­ti­schen Maß­nah­men, die dar­auf­hin ge­for­dert wur­den, er­teilte der Lei­ter der Po­li­zei­wa­che Lage eine Ab­fuhr. Man müsse die Rechts­staat­lich­keit wah­ren, be­tonte Jür­gen Schnel­le. Den Tätern müss­ten erst kon­krete De­likte nach­ge­wie­sen wer­den. Auch liege die Ent­schei­dung ü­ber den Ver­bleibt der ge­flüch­te­ten Men­schen nicht bei der Po­li­zei. "Wir kön­nen auch keine Nacht­wa­chen auf­stel­len. Wir ha­ben nicht Dut­zende von Kräf­ten zur Ver­fü­gung." Auch der Hin­weis auf die ins­ge­samt ge­ringe Kri­mi­na­lität in Lip­pe, mochte die Bür­ger nicht zu ü­ber­zeu­gen. Schnelle bat um Ver­ständ­nis: "Ihre Sor­gen und Ängste wer­den kei­nes­wegs miss­ach­tet, wir ge­ben uns ja schon wahn­sin­nig viel Mühe."Drin­gend rie­ten die Ver­tre­ter der Po­li­zei da­von ab, zur Selbst­hilfe zu grei­fen. "Wenn Sie et­was Ver­däch­ti­ges be­ob­ach­ten, ru­fen Sie die 110 an, das ist der Po­li­zei­ruf", sagte Weicht. "Wir sind für je­den Hin­weis dank­bar, vor al­lem wenn das Stich­wort Oer­ling­hau­sen fäll­t." Bür­ger­meis­ter Be­cker ver­sach­lichte den Wort­wech­sel, in­dem er darum bat, die Po­li­zei nicht an den Pran­ger zu stel­len. Er kün­digte an, dass am Mon­tag, 5. März 2018, eine wei­tere Ver­an­stal­tung statt­fin­den wer­de. Dazu wer­den auch der Land­rat und Staats­se­kretär An­dreas Bo­the er­war­tet. "Er will sich der Kri­tik stel­len", sagte Becker. Am Ende wur­den vier Ar­beits­grup­pen ge­bil­det, um wei­ter auf Ein­zelthe­men ein­ge­hen zu kön­nen.

vom 17.02.2018 | Ausgabe-Nr. 7B

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