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Marketing und Design der 20erJahre

Historische Unterlagen zur Möbelindustrie gefunden

 

Blom­berg (g­w). Die Schrift­stü­cke sind aus den 20er­Jah­ren aber sie be­wei­sen, dass eine kleine Blom­ber­ger Firma mit fünf An­ge­stell­ten be­reits vor rund 100 Jah­ren mar­ke­tin­g­ori­en­tiert war und "­mit den Großen", so Blom­bergs Stadt­ar­chi­var Die­ter Zo­remba mit­hal­ten konn­te. Zo­remba ist be­geis­tert von den his­to­ri­schen Pa­pie­ren der Blom­ber­ger Stuhl- und Mö­bel­in­dus­trie, die er vom En­kel des Fir­men-Mit­be­grün­ders Ul­rich Wäch­ter, In­ha­ber der Tisch­le­rei an der Neuen Tor­straße 102 er­hielt. 
"­Was wir hier se­hen, ist eine tolle Er­gän­zung zu den be­reits vor­han­de­nen Un­ter­la­gen im Stadt­ar­chi­v", er­klärt Zo­rem­ba. In der Neuen Tor­straße grün­de­ten die Brü­der Karl und Lud­wig Schrö­der im Jahr 1906 ihre Stuhl­fa­brik. Bei den ge­fun­de­nen und dem Stadt­ar­chiv ü­ber­las­se­nen Do­ku­men­ten, han­delt es sich ne­ben Pro­dukt­ka­ta­lo­gen auch Kor­re­spon­denz und auch um Preis­lis­ten der Stuhl­fa­brik der Ge­brü­der Schrö­der aus den 20er-Jah­ren des vo­ri­gen Jahr­hun­derts. 
"Ich selbst kann mit den Un­ter­la­gen nichts an­fan­gen aber hätte sie nicht ein­fach in den Ofen schmeißen kön­nen", schil­dert Wäch­ter, En­kelsohn von Lud­wig Schrö­der seine Mo­ti­va­tion, die Un­ter­la­gen dem Stadt­ar­chiv zu ge­ben. 
­Zo­remba freut sich, dass die Un­ter­la­gen ih­ren Weg ins Ar­chiv ge­fun­den ha­be: "­Diese Do­ku­mente sind eine wirk­li­che Be­rei­che­rung zu den Din­gen, die wir aus der da­ma­li­gen Zeit von an­de­ren Mö­bel­her­stel­lern ha­ben", er­klärt der Ar­chi­var. Und es seien eben nicht nur ir­gend­wel­che Do­ku­men­te. Die Un­ter­la­gen ge­ben darü­ber Auf­schluss, dass die Grün­der Lud­wig und Karl Schrö­der schon zur da­ma­li­gen Zeit so­wohl was das Mar­ke­ting als auch die Tech­nik be­trifft, auf dem neues­ten Stand wa­ren. So be­saß die Stuhl­firma nicht nur Pro­dukt­ka­ta­loge son­dern so­gar eine ei­gene Tur­bine - ganz wie die großen Fir­men auch. "­Die Ge­brü­der Schrö­der agier­ten wie eine Firma mit 200 Be­schäf­tig­ten, mit ei­ge­nem Mar­ke­ting ei­nem ei­ge­nem De­si­gner und ei­nem Ka­ta­lo­g", zeigt sich Zo­remba be­ein­druckt. 
Aus den Un­ter­la­gen geht aber auch her­vor, auf wel­chen Sitz­mö­beln die da­ma­lige Ge­sell­schaft be­vor­zugt Platz ge­nom­men hat. So kos­tete der po­pulärste und gleich­zei­tig ein­fachste Stuhl 3,40 Mark; ein Ar­bei­ter er­hielt in den Zwan­zi­ger Jah­ren einen durch­schnitt­li­chen Ta­ges­lohn von knapp vier Reichs­mark. 
Das Kriegs­ende be­deu­tete das Aus für die Stuhl­fa­brik. "­So­weit ich weiß, hat sich die Fa­brik ein­fach nicht mehr ren­tier­t", er­in­nert sich Ul­rich Wäch­ter. Denn zu der Zeit gab es al­leine in Blom­berg bis zu sechs große Holz­fa­bri­ken. Schon seit 1972 ist Ul­rich Wäch­ter nun im Be­trieb und lei­tet die Ge­schi­cke des tra­di­ti­ons­rei­chen Un­ter­neh­mens.

vom 30.12.2017 | Ausgabe-Nr. 52B

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