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Zweiter Steinzeittag im Archäologischen Freilichtmuseum bot eine spannende Zeitreise

Besucher erlebten »Geschichte zum Anfassen«

Oer­ling­hau­sen (k­d). Nur we­nige Schritte von der mo­der­nen Zi­vi­li­sa­tion ent­fernt be­ginnt in Oer­ling­hau­sen die Stein­zeit. Im Ar­chäo­lo­gi­schen Frei­licht­mu­seum wur­den die Be­su­cher am vo­ri­gen Sonn­tag nicht nur meh­rere zehn­tau­send Jahre zurück­ver­setzt, son­dern konn­ten auch Men­schen tref­fen, die aus der Ver­gan­gen­heit zu kom­men schie­nen.

Gleich hin­ter dem Ein­gang bro­delt es in ei­nem großen, of­fe­nen Topf. Vor dem ein­fa­chen Le­der­zelt der alt­stein­zeit­li­chen Jä­ger hat Mu­se­umspäd­ago­gin An­drea Szel­in­ski eine Suppe mit Moos, Kräu­tern und Hirsch­fleisch vor­be­rei­tet. Die in­ter­es­sier­ten Be­su­cher wur­den nicht nur in die Ge­heim­nisse der frühen Küche ein­ge­weiht, son­dern durf­ten auch gleich pro­bie­ren und das Re­zept mit­neh­men.

­Ne­ben dem jung­stein­zeit­li­chen Lang­haus hat Hart­mut Al­brecht sein La­ger auf­ge­schla­gen und ü­ber­rascht seine Zuhö­rer ein ums an­dere Mal mit grund­le­gen­den Er­kennt­nis­sen, die un­se­ren frühen Vor­fah­ren das Ü­ber­le­ben si­cher­ten.

Das Fun­ken­schla­gen mit Feu­er­stein und Mar­ka­sit eröff­nete zum Bei­spiel ganz neue Mög­lich­kei­ten beim Zu­be­rei­ten von Fleisch und machte es ver­dau­li­cher. Schließ­lich wird Feuer auch benötigt, um Me­tall zu schmel­zen und zu ver­ar­bei­ten.

Als »­Blu­mam­mu« ver­mit­telt der Stol­ber­ger auf recht an­schau­li­che, bis­wei­len auch dras­ti­sche Weise die Le­bens­welt des Stein­zeit­menschen. Für wel­chen Zweck die ver­schie­de­nen Pfeile und Speere ein­ge­setzt wur­den, kann Al­brecht ebenso ein­drucks­voll ver­mit­teln wie die Tech­nik, eine mög­lichst scharfe Klinge von ei­nem Stein ab­zu­schla­gen. Sei­nen Ge­schichts­un­ter­richt ge­stal­tet Al­brecht mög­lichst prak­tisch: Er führt vor, dass Le­der­klei­dung nicht brennt, zer­kaut Holz­koh­le, um sie wie­der aus­zu­spu­cken und da­mit zu »­ma­len«, und er schreit und tanzt wie es die Scha­ma­nen der Früh­zeit prak­ti­ziert ha­ben könn­ten. Im an­gren­zen­den Wald kön­nen die ganz jun­gen Be­su­cher mit Pfeil und Bo­gen selbst auf die Jagd ge­hen und auf Hirsch- und Wild­schwein­at­trap­pen zie­len. Wer mag, kann sich selbst et­was gril­len, Stein­zeit­bröt­chen aus Ha­selnüs­sen und Wei­zen­mehl oder er­fri­schen­den Bir­ken­saft pro­bie­ren.

­Schon von wei­tem ist der Ge­ruch von frisch geräu­cher­tem Fisch zu iden­ti­fi­zie­ren. Jörg Nad­ler schließ­lich, ein Be­rufs­fi­scher aus Schles­wig, hat die selbst­ge­fan­ge­nen Fo­rel­len, Lachse und Butt ü­ber Bu­chen­holz gehängt - ganz wie vor tau­sen­den von Jah­ren.

vom 31.05.2008 | Ausgabe-Nr. 22B

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