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Saisonabschluss-Gastspiel des Schlosstheaters Fürstenberg in der Marktscheune

»Zeitlos«-Revue – so publikumsnah wie nie

El­brin­xen (af­k). Zum 24. und letz­ten Mal hieß es für das Schloss­thea­ter Fürs­ten­berg in die­ser Win­ter-Sai­son am Sams­tag­abend »Vor­hang auf­!«. 22 Mal hatte das En­sem­ble in sei­nem Stamm­haus das Ju­biläums­pro­gramm »­Zeit­los – äl­ter wer­den wir später« ge­spielt. Seit fünf Jah­ren gehört es da­zu, dass die letz­ten bei­den Auf­führun­gen in der Markt­scheune in El­brin­xen ü­ber die Bühne ge­hen. Auch hier – wie die 22 Male vor­her – war das Haus aus­ver­kauft. Kein Wun­der, denn Qua­lität in Sa­che Re­vue hat in die­ser Re­gion einen Na­men, der (ob­wohl es sich Ama­teur­thea­ter nennt) durch­aus pro­fes­sio­nel­len An­sprüchen genügt: Schloss­thea­ter Fürs­ten­berg. In die­ser Pro­duk­tion ist eine Zu­sam­men­schnitt der Pro­gramme der letz­ten zehn Jahre zu er­le­ben – und zwar haut­nah, denn nie­mals zu­vor war der Kon­takt zwi­schen Bühne und Pu­bli­kum so nah wie bei die­ser Re­vue. »­Schuld« daran ist der »­spi­ri­tus rec­tor«, der Thea­ter­päd­agoge Wulf Do­mi­ni­cus (33), der un­ter der Re­gie der »­Prin­zi­pa­lin« des Schloss­thea­ters, Bär­bel Mihm, und Sa­rah Mül­ler, als »ro­ter Fa­den« durchs Pro­gramm führt. Der Schlacks schlüpft als ver­klemm­ter Frau­en­ver­ste­her Malte oder als re­so­lu­ter Haus­meis­ter Pas­lew­ski so­zu­sa­gen in die Pau­sen­clown-Rol­len, singt in sei­ner (A-cap­pella-) »Männer­grup­pe« oder tanzt im En­sem­ble mit. Mit »­Zeit­los – äl­ter wer­den wir später« lie­fert das Schloss­thea­ter wohl die bis­her bes­te, weil zwi­schen Mu­sik- und Co­me­dyan­teil aus­ge­wo­genste und da­her auch kurz­wei­ligste Pro­duk­tion ab.

Op­tisch wie im­mer ein Ge­nuss sind die zehn jun­gen Da­men des En­sem­bles, die stimm­lich wie auch tän­ze­risch ei­ni­ges zu bie­ten ha­ben, al­len voran Sa­rah Mül­ler. Die sie­ben Män­ner bil­den einen in­ter­essan­ten Kon­tra­punkt dazu von klein und knub­be­lig bis lang, ath­le­tisch und schlack­sig ist al­les da­bei. Kurz­um: Die­ses seit Jah­ren im Kern be­ste­hende Team ist mit Fin­ger­spit­zen­ge­fühl zu­sam­men­ge­setzt und hat sich zwei­felsohne von Pro­duk­tion zu Pro­duk­tion ver­bes­sert. Rund 70.000 Be­su­cher ha­ben die 200 Auf­führun­gen des Schloss­thea­ters Fürs­ten­berg in den letz­ten zehn Jah­ren ge­se­hen. Al­lein fast 9.000 wa­ren es, die seit Ende 2007 das »­Zeit­los«-Pro­gramm er­leb­ten und of­fen­sicht­lich da­von ebenso be­geis­tert wa­ren wie das Markt­scheune-Pu­bli­kum an den letz­ten bei­den Sams­ta­gen. Der fast schon fre­ne­ti­sche Ap­plaus nach ü­ber drei­ein­halb Stun­den (!) Pro­gramm war mehr als nur der Lohn für eine ge­lun­gene Auf­führung – es war eine tiefe Ver­beu­gung vor der meis­ter­haf­ten Leis­tung al­ler Be­tei­lig­ten.

Das Schloss­thea­ter hatte sich ent­schlos­sen zum Zehn­jäh­ri­gen diese Rück­blick- Re­vue auf die Bühne zu brin­gen; ein Rück­blick, der vor al­lem mu­si­ka­lisch voll­zo­gen wird mit Schla­gern, Film­me­lo­dien bis hin zu Mu­si­cal­hits und Rock und Pop. Durch­aus ü­ber­zeu­gend sind da­bei wie­der die Stim­men, al­len voran von Bir­git Au­el.

Mehr Ge­wicht be­kom­men hat dies­mal auch der Tanz. Bei na­hezu je­dem Song ist die Prise Hu­mor mit ein­ge­baut. Das hilft schnell die Brü­cke zum Pu­bli­kum zu schla­gen. Es be­darf dann kaum noch des neu auf­ge­nom­me­nen Hilfs­mit­tels Im­pro­vi­sa­ti­ons­thea­ter, um die Men­schen vor der Bühne mit zu ak­ti­vie­ren – sie wer­den auch so Be­stand­teil des Pro­gramms. Wulf Do­mi­ni­cus ge­lingt es in sei­nen ver­schie­de­nen Rol­len auch den kör­per­na­hen Kon­takt her­zu­stel­len, wenn er als schüch­tern trot­te­li­ger Malte z.B. Bär­bel (Ha­ge­meyer) dazu bringt, ihm ihre Liebe zu ge­ste­hen. Dafür springt er schon mal ü­ber die Sitz­rei­hen mit­ten durchs Pu­bli­kum. Dass El­vis während sei­ner Deutsch­land-Zeit bei der Army ei­gent­lich in El­brin­xen ge­lebt und hier den Hüft­schwung er­fun­den hat, wird als »­best­gehüte­tes Ge­heim­nis« an die­sem Abend ent­tarnt und des­halb muss ein Zeit­zeuge (Det­lef von der Hei­de) das Er­lernte von einst de­mons­trie­ren.

Be­ein­dru­ckend sind in die­ser er­fri­schen­den kurz­wei­li­gen Re­vue auch dies­mal wie­der die un­glaub­li­che Kostüm­viel­falt, die an­spre­chen­den Ku­lis­sen und die an­spre­chende Far­big­keit, die ge­schickt von ei­nem er­fah­re­nen Ton- und Licht­team im Hin­ter­grund un­ter­stützt wird. Ins­ge­samt ein Pro­gramm, das durch­aus höhe­ren An­sprüchen genügt. Die Ver­ant­wort­li­chen der Markt­scheune El­brin­xen dür­fen sich glück­lich schät­zen, die­sen Fisch an der An­gel zu ha­ben. Nicht nur in El­brin­xen dürfte man in freu­di­ger Er­war­tung der nächs­ten Pro­duk­tion sein!

vom 03.05.2008 | Ausgabe-Nr. 18B

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