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20 Jahre Lagenser Kunst-Stiftung Sibylle Dotti — Ausstellung im Technikum

Nachlassverwaltung wichtige Aufgabe

Lage (lam). Eine Aus­stel­lung mit Zeich­nun­gen von Si­bylle Dotti und Hella Nacke-Korsch eröff­net die La­gen­ser Kunst-Stif­tung Si­bylle Dotti am mor­gi­gen Sonn­tag, 06. April, um 11.30 Uhr im Tech­ni­kum. Sie er­in­nert mit die­ser Prä­sen­ta­tion bis­her nicht öf­fent­lich ge­zeig­ter Werke auch an das für die La­gen­ser Kunst-Stif­tung Si­bylle Dotti bis­lang be­deut­samste Da­tum, an den 30. März 1988, den Tag, an dem das nord­rhein-west­fä­li­sche In­nen­mi­nis­te­rium die Stif­tung ge­neh­migte und da­mit ei­ne, so 2. Vor­sit­zen­der Wil­helm Büker, »Er­folgs­ge­schich­te« er­mög­lich­te.

»­Die Kunst-Stif­tung Si­bylle Dotti hat mehr oder we­ni­ger un­be­merkt eine wich­tige Funk­tion in Lippe ü­ber­nom­men«, er­läu­terte 1. Vor­sit­zen­der Gün­ter Schulz im Pres­se­ge­spräch. »­Die in der Sat­zung fest­ge­legte ,Pflege der re­gio­na­len Kunst­’ hat sich zu ei­ner Art Nach­lass­ver­wal­tung aus­ge­wei­tet. Das hängt zu­sam­men mit den ka­ta­stro­pha­len Zu­stän­den bei den of­fi­zi­el­len Stel­len. So küm­mert sich das Lip­pi­sche Lan­des­mu­seum in Det­mold nicht um re­gio­nale Kunst­.«

Viele Er­ben stün­den vor großen Pro­ble­men, seien sie mit den auf Dach­bö­den und Kel­lern ver­wahr­ten Wer­ken ih­rer ver­stor­be­nen An­gehö­ri­gen kon­fron­tiert. »­Sie schät­zen zwar die Kunst­wer­ke, kön­nen sie aber nicht un­ter­brin­gen«, so Schulz. Die Kunst-Stif­tung Si­bylle Dotti be­treue die Nach­läs­se, ka­ta­lo­gi­siere sie und er­halte das Recht, die Bil­der aus­zu­stel­len, denn ein Ver­kauf sei in der Pra­xis kaum mög­lich.

­Was wird ein­mal aus den Wer­ken der Si­bylle Dot­ti? Diese Frage sei der Grün­dung der Kunst-Stif­tung vor­aus ge­gan­gen, er­in­nerte sich Wil­helm Büker. Als Grund­stock stellte Si­bylle Dotti 39 ei­gene Ar­bei­ten zur Ver­fü­gung, an­ge­fan­gen von Tier­zeich­nun­gen aus dem Jahre 1934 bis hin zu Col­la­gen aus dem Jahre 1986, ent­stan­den nach ei­ner Reise durch New Me­xi­co, im Ge­samt­wert von da­mals etwa 50.000 DM zur Ver­fü­gung. Außer­dem steu­erte sie noch 10.000 DM Bar­geld bei. Die Ent­täu­schung folgte auf dem Fuße: Das NRW-In­nen­mi­nis­te­rium lehnte den An­trag auf Ge­neh­mi­gung der Stif­tung ab mit der Be­grün­dung, dass sie nicht le­bens­fähig sei. So ver­füge sie ü­ber keine ei­ge­nen Räum­lich­kei­ten und zu we­nig Ka­pi­tal. Die Spar­kasse er­klärte sich dar­auf­hin be­reit, die Bil­der im Fall der Fälle un­ent­gelt­lich zu ver­wah­ren, das Ka­pi­tal wurde auf­ge­stockt. Zu die­sem Zweck ver­kaufte Si­bylle Dotti ei­nige Bil­der. Dann end­lich, am 30. März 1988, er­reichte die In­itia­to­ren die Nach­richt, dass Düs­sel­dorf das Vor­ha­ben ab­ge­seg­net ha­be.

­Mit der Eröff­nung des Kul­tur­zen­trums Tech­ni­kums im Jahre 1995 löste die Stadt ihr Ver­spre­chen ein und stat­tete die Kunst-Stif­tung Si­bylle Dotti mit ei­ge­nen Räum­lich­kei­ten aus, schuf neue Mög­lich­kei­ten der Prä­sen­ta­tion und Ver­wah­rung der Wer­ke.

»­Sind wir 1988 mit 39 Ar­bei­ten ge­st­ar­tet, so be­lief sich de­ren Zahl 1996 be­reits auf 80, mitt­ler­weile sind 186 Werke von 71 Künst­lern im Ei­gen­be­sitz der Stif­tung, viele Leih­ga­ben er­gän­zen den Be­stan­d«, er­läu­terte Wil­helm Büker, der dem Vor­stand nun seit 20 Jah­ren an­gehört, ebenso wie Schrift­füh­re­rin Ka­rin Schmidt. »Wir konn­ten 16 Ankäufe rea­li­sie­ren und stell­ten ins­ge­samt 31 Aus­stel­lun­gen auf die Bei­ne, und da­mit kann sich un­sere Ar­beit wohl durch­aus se­hen las­sen.«

In der von Ken Mordau mu­si­ka­lisch am Kla­vier be­glei­te­ten Aus­stel­lungs­eröff­nung am mor­gi­gen Sonn­tag, 06. April, wird Wil­helm Büker im An­schluss an die Be­grüßung durch Bür­ger­meis­ter Chris­tian Lieb­recht »20 Jahre Kunst-Stif­tung Si­bylle Dot­ti« Re­vue pas­sie­ren las­sen.

Dann führt Gün­ter Schulz in die Aus­stel­lung ein mit sei­nem Bei­trag »­Zeich­nen — eine Art zu den­ken«.

­Si­bylle Dotti verstarb am 17. De­zem­ber 2003 im Al­ter von 90 Jah­ren. Sie war Trä­ge­rin des Bun­des­ver­dienst­kreu­zes, Kul­tur­preisträ­ge­rin des Lan­des­ver­ban­des Lippe und In­ha­be­rin des Eh­ren­ta­lers der Stadt La­ge. »­Die Na­mens­ge­be­rin der Si­bylle-Dotti-Stif­tung hin­ter­lässt ih­rer Hei­mat­stadt ein wert­vol­les künst­le­ri­sches Er­be, wel­ches wir in ih­rem Sinne pfle­gen und aus­bauen wer­den, um es an nach­fol­gende Ge­ne­ra­tio­nen wei­ter­ge­ben zu kön­nen«, be­tont der da­ma­lige Bür­ger­meis­ter Wil­fried Siek­möl­ler in sei­nem Nach­ruf. »­Mit Si­bylle Dotti ver­liert die Stadt Lage eine her­aus­ra­gende Per­sön­lich­keit, de­ren künst­le­ri­sches Wir­ken in die Ge­schichte der Stadt ein­ge­hen wird.«

­Si­bylle Dotti wurde in Ber­lin ge­bo­ren. Sie lebte und ar­bei­tete seit dem Ende des Krie­ges in La­ge. Ra­die­rung, Hand­zeich­nung, Fo­to­mon­ta­ge, Fe­der- und Krei­de­zeich­nung wa­ren die von ihr be­vor­zug­ten Ge­stal­tungs­mit­tel.

Nach dem Ab­itur stu­dierte sie in Ber­lin Neu­eng­li­sche Phi­lo­lo­gie und an der Staat­li­chen Hoch­schule für Kunst und Kuns­t­er­zie­hung. 1937 legte sie das Staats­ex­amen für Kuns­t­er­zie­hung ab, 1939 die As­ses­so­ren­prü­fung. Lehr­auf­träge in Ös­ter­reich und Ber­lin schlos­sen sich in den Jah­ren bis 1943 an, bis der zweite Welt­krieg auch das Le­ben der Ber­li­ne­rin er­fasste und grund­le­gend ver­än­der­te. Im Jahre 1943 wurde Si­bylle Dotti mit ei­ner Ber­li­ner Schule nach Böh­men eva­ku­iert, im Jahre 1945 kam sie nach La­ge.

Von 1945 bis 1948 war Si­bylle Dotti zunächst frei­schaf­fend tätig, wurde Mit­glied des Lip­pi­schen Künst­ler­bun­des und Mit­be­grün­de­rin der Gruppe »Jun­ger Wes­ten«. Kuns­t­er­zie­he­rin am Stadt­gym­na­sium in Det­mold war sie von 1948 bis 1978, wurde dort Fach­lei­te­rin und Stu­di­en­di­rek­to­rin (1970). In der Zeit von 1962 bis 1972 ar­bei­tete sie im Richt­li­ni­en­aus­schuss für die Kuns­t­er­zie­hung in Nord­rhein-West­fa­len, wo ihr be­son­de­res An­lie­gen stets die Ver­dich­tung von Kunst­be­trach­tung zur Kunst­ge­schichte war.

­Mit dem Ein­tritt in den Ru­he­stand sah sie sich von der »Last der Ver­ant­wor­tung dem Schü­ler und dem Stoff ge­genü­ber« be­freit und konnte zahl­rei­che Rei­sen ins Aus­land un­ter­neh­men. Sie ent­deckte Spa­nien und Schott­land, In­dien und Cey­lon, vor al­lem aber die Ver­ei­nig­ten Staa­ten und Wüs­ten­re­gio­nen von Ari­zo­na, Utah und New Me­xi­co.

­Sie hatte das Glück, seit 1967 fast in je­dem Jahr durch Rei­sen im Auto und auf ein­sa­men Wan­de­run­gen den »­gol­de­nen Wes­ten« der USA zu er­le­ben. Die durch An­schau­ung ge­spei­cher­ten Bil­der setzte sie später im Ate­lier um. Zunächst ge­schah dies durch das Me­dium der Zeich­nung, später be­an­spruchte das Me­dium der Farbe einen im­mer ge­wich­ti­ge­ren Platz in ih­rer Ar­beit.

vom 09.04.2008 | Ausgabe-Nr. 15A

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