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Die Kriminalkomödie »Fisch zu viert« auf der Bühne des Sommertheaters

Zwischen glutroter Sonne und tödlichem Ende

Det­mold (jus). Ein nüch­ter­nes Ge­viert - bran­den­bur­gi­scher Back­stein - mar­kiert das Som­mer­haus der Schwes­tern He­cken­dorf. Dort ist man ge­rade ein­ge­trof­fen, den Die­ner Ru­dolf so­zu­sa­gen im un­ver­zicht­ba­ren Gepäck. Ru­dolf hier, Ru­dolf da – Ru­dolf ist tags und nachts im Ein­satz in­di­vi­du­el­ler Be­dürf­nis­se. Was Wun­der, dass er nach dreißig Jah­ren im Hause Hecke­dorf see­lisch er­schöpft und phy­sisch ver­braucht ist, er hus­tet ver­däch­tig und das schon im zwei­ten Som­mer.

Mar­cus Ever­ding hat die amüsante Kri­mi­nal­komö­die »­Fisch zu vier­t« von Wolf­gang Kohl­haase und Rita Zim­mer auf die Bühne des Som­mer­thea­ters ge­bracht und bei spar­sa­mer Re­qui­site (Büh­ne: Mi­chael En­gel) ganz auf die ef­fek­ti­ven Ak­tio­nen der drei Schwes­tern und ih­res Die­ners ge­setzt – ge­lun­gen, wie man kon­sta­tie­ren muss.

Jede der drei Schwes­tern hat ein un­ver­wech­sel­ba­res Pro­fil. Char­lotte (Gaby Blum) ist nüch­tern, den Ge­schäf­ten, Bier-Ge­schäf­ten, zu­ge­wandt, was sie al­ler­dings nicht ge­hin­dert hat, in Lei­den­schaft für den Die­ner Ru­dolf zu ent­bren­nen. »­Doch die Ge­fühle ver­ge­hen, das Bestän­dige ist die Ar­beit«, so lau­tet Char­lot­tes sach­li­che De­vi­se.

Cä­ci­lie (Kers­tin Klin­der) ist un­ter der äußer­lich ge­schlif­fe­nen Form derb, liebt Pra­li­nen und schwärmt für Ka­val­le­rie-Of­fi­zie­re, was sie den­noch nicht da­von ab­hielt, mit Ru­dolf, in Er­man­ge­lung ei­nes bes­se­ren, eine in­time Be­zie­hung ein­zu­ge­hen.

Cle­men­tine (Kers­tin Hä­nel) ist zart be­sai­tet, kind­lich-naiv in ih­rer Liebe zu Ru­dolf und al­lem mög­li­chen Plun­der und den­noch ge­rade des­halb ge­fähr­lich, wie sich am Schluss be­wahr­hei­tet.

­Mord­ab­sich­ten, ver­schwie­gen wie ihre Lie­bes­aben­teu­er, he­gen sie alle drei. Man be­wahrt die Con­te­nance, denn schließ­lich be­fin­det man sich im bie­der­mei­er­li­chen 19. Jahr­hun­dert. Aus Ver­schwei­gen und Höf­lich­keit spei­sen sich reich­lich Si­tua­ti­ons­ko­mik und Dop­pel­deu­tig­kei­ten. Die­ner Ru­dolf (Joa­chim Ruc­zyns­ki), ser­vil und er­pres­se­risch zu­gleich, hat als Sub­al­ter­ner seine Funk­tion. Er­staun­lich wie leicht­füßig ele­gant er die Hürde der bran­den­bur­gi­schen Mauer meis­tert. Seine Be­dürf­nisse aber wer­den von dem Schwes­tern­trio nicht im ent­fern­tes­ten wahr­ge­nom­men. Und so las­sen ihn alle drei Schwes­tern ab­blit­zen – jede auf ihre Weise-, als er sein ihm zu­ge­dach­tes Erbe für treue Dienste vor­zei­tig ver­langt, um eine Welt­reise an­zu­tre­ten. Eine Flucht vor den Schwes­tern, die ihm auch noch die Küchen­dienste an­ge­tra­gen ha­ben – zu ih­rem Scha­den, wie man sieht. Der Fisch ist das pro­bate Mit­tel, sich un­wi­der­ruf­lich von den Schwes­tern zu be­frei­en. Doch das töd­li­che En­de, es ist ein ge­mein­sa­mes, denn Cle­men­ti­ne, der Jüngs­ten, ist es ge­lun­gen, doch noch ein we­nig Ar­sen ins Spiel zu brin­gen. Ru­dolf pros­tet ein letz­tes Mal auf das all­ge­meine Wohl mit ei­nem Glä­schen Li­kör, der selbst­ver­ständ­lich nur ihm zu­ge­dacht war. – Ein sub­til ver­pack­tes, ein töd­li­ches Spiel mit viel schwar­zem Hu­mor.

vom 23.02.2008 | Ausgabe-Nr. 8B

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