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Gedenken an die Opfer des Nazi-Terrors

Erster »Stolperstein« in Detmold

Det­mold (ab). Am Don­ners­tag hat Gun­ter Dem­nig den ers­ten »­Stol­per­stein« in Det­mold. Natür­lich möchte der Köl­ner Künst­ler vor dem Haus in der Hu­ber­tuss­traße 10 da­mit nie­man­den wirk­lich zum Strau­cheln brin­gen. Pas­sen­ten sol­len viel­mehr, wenn sie den Stein mit sei­nem Mes­sing­schild ent­de­cken, in­ne­hal­ten und der Op­fer des NS-Re­gi­mes ge­den­ken.

Der Det­mol­der Ge­denk­stein wurde in Er­in­ne­rung an Irm­gard Heiss ge­setzt, die 1944 Op­fer der so­ge­nann­ten »Eutha­na­sie­po­li­ti­k« der Na­zis wur­de. Sie wurde 1897 ge­bo­ren und wuchs in der Hu­ber­tuss­traße auf. Auf­grund ei­ner psy­chi­schen Er­kran­kung wurde sie im Lin­den­haus in Brake auf­ge­nom­men, es folg­ten Auf­ent­halte in Güters­loh und Len­ge­rich. Zeit­le­bens blieb sie in ver­schie­de­nen psych­ia­tri­schen Ein­rich­tun­gen un­ter­ge­bracht, wo­bei sie die Hoff­nung, ge­sund zu wer­den, nie auf­gab. 1941 wurde sie in die Heil­an­stalt Weil­müns­ter (Hes­sen) ge­bracht, wo die Pa­ti­en­ten ge­zielt ei­nem lang­sa­men Ver­hun­gern durch Nah­rungs­ent­zug aus­ge­lie­fert wa­ren. Ihre Schwes­tern hol­ten die völ­lig aus­ge­zehrte Frau 1944 ins El­tern­haus nach Det­mold zurück, am 3. Ok­to­ber des­sel­ben Jah­res starb je­doch an Lun­gen­tu­ber­ku­lo­se.

Im An­schluss an die Ver­le­gung des »­Stol­per­steins« nah­men die rund 40 Gäste an ei­ner Ge­denk­feier im Haus ein, wo noch heute Heiss‘ Groß­nichte Bar­bara Stell­brink-Kesy wohnt. Seit 1992 be­treibt der Künst­ler Gun­ter Dem­nig sein »­Stol­per­stein«-Pro­jekt, in­zwi­schen lie­gen ü­ber 23.000 sol­cher Ge­denk­steine in ü­ber 500 Or­ten Deutsch­lands und in meh­re­ren Län­dern Eu­ro­pas. Die Steine 10 mal 10 Zen­ti­me­ter großen Steine wer­den in der Re­gel vor den letz­ten frei ge­wähl­ten Wohn­or­ten der NS-Op­fer in das Pflas­ter des Geh­we­ges ein­ge­las­sen. Er­in­nert wird an Jü­din­nen und Ju­den, an po­li­ti­sche Geg­ner, Sinti und Ro­ma, Eutha­na­sie­ges­chä­digte und an­dere Op­fer, um keine Op­fer­gruppe und keine Ein­zel­per­son aus­zu­sch­ließen. In­zwi­schen seien in Bie­le­feld, Lem­go, Her­ford, Be­ver­un­gen und an­de­ren Städ­ten in Ost­west­fa­len-Lippe sol­che Stol­per­steine ein fes­ter Be­stand­teil der Er­in­ne­rungs­kul­tur und des Stadt­bil­des. Im Herbst solle in Det­mold der nächste Stein hin­zu­kom­men, sagte Vol­ker Wie­mann vom An­ti­fa­schis­ti­schen Ar­beits­kreis. Das nächste Tref­fen ei­nes »­Ar­beits­krei­ses Stol­per­stei­ne«, der sich um die Ver­le­gung zahl­rei­cher Steine in Det­mold küm­mert, fin­det am Mon­tag, 23. Mai, um 19.30 im Fahr­rad­büro an der Richt­ho­fen­straße statt.

vom 14.05.2011 | Ausgabe-Nr. 19B

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