LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Lügde

Nach Begemanns Rücktritt vom Rücktritt: Druck auf Mitglieder wächst

Nagelprobe für den Schützenverein!

Ri­schenau (af­k). Es war ein Tanz auf der Ra­sier­klin­ge! Der Schüt­zen­ver­ein Ri­schenau ent­ging am Sams­tag­abend im Rah­men sei­ner Jah­res­haupt­ver­samm­lung knapp ei­ner Bla­ma­ge, denn der seit zwölf Jah­ren am­tie­rende Vor­sit­zende Her­bert Be­ge­mann machte seine vor zwei Jah­ren bei der letz­ten Wie­der­wahl 2006 geäußerte Ankün­di­gung wahr und er­klär­te, dass er für eine wei­tere Wahl nicht mehr zur Ver­fü­gung ste­he. Aber trotz in­ten­si­ver Su­che nach per­so­nel­len Al­ter­na­ti­ven durch den Vor­stand auch im Vor­feld gab es kei­nen Per­so­nal- Vor­schlag: Die von 122 Mit­glie­dern be­suchte Ver­samm­lung des 388 Mit­glie­der star­ken Ver­eins schwieg, als Wahl­lei­ter Die­ter Diek­meier um Vor­schläge für die Nach­folge Be­ge­manns bat. Be­tre­te­nes Schwei­gen in der Halle war die Ant­wort, fast schon still wurde es. Auch wenn es viele ge­ahnt hat­ten, aber ge­hofft hat­ten sie wohl alle nicht da­mit, dass es tatsäch­lich zu die­ser äußerst prekären Si­tua­tion kom­men wür­de. Und da­mit war sie nun ein­ge­tre­ten, die am schlimms­ten an­zu­neh­mende Si­tua­tion!

Die ver­einsin­ter­nen Kri­ti­ker, die dem Vor­sit­zen­den und dem Vor­stand im­mer wie­der mal alt­mo­di­sche Lei­tungs­stil und zu we­nig Öff­nung für neue Ideen vor­ge­wor­fen und eine Ver­jün­gung der Ver­eins­führung ge­for­dert hat­ten, wa­ren plötz­lich nicht mehr zu hören und zu se­hen. Ge­gen kon­struk­tive Kri­tik gebe es keine Ein­wän­de, hatte Her­bert Be­ge­mann im­mer wie­der be­tont, er ver­wahrte sich aber da­ge­gen, dass der Vor­stand nur zum Fei­ern da wäre: »­Die Auf­ga­ben sind weitaus viel­fäl­ti­ger! Ich fasse es als Eh­ren­pflicht auf, für den Ver­ein tätig zu sein. Kei­ner von uns nutzt seine Funk­tion zur Selbst­dar­stel­lung.« Der Vor­sit­zende drehte jetzt den Spieß um und bot sei­nen Kri­ti­kern die Chance zur Ver­än­de­rung – aber die Ant­wort blieb Schwei­gen.

Das Di­lemma des Ver­eins ist auch ein struk­tu­rel­les Pro­blem: Die Dör­fer ha­ben ih­ren Cha­rak­ter ver­än­dert. Im­mer mehr junge Leute ar­bei­ten aus­wärts und sind häu­fig erst abends oder an Wo­chen­en­den zu Hau­se. Po­ten­zi­elle Kan­di­da­ten ha­ben da­durch kaum noch Zeit, sich um ak­tive Ver­eins­ar­beit mit all den Be­las­tun­gen zu küm­mern – was ü­b­ri­gens auch für Her­bert Be­ge­mann zu­trifft, der während der Wo­che in Bre­men ar­bei­tet. Wenn das Wo­chen­ende dann noch zwi­schen Fa­mi­lie und Ver­ein ge­teilt wer­den muss, dann ist es nur zu ver­ständ­lich, dass sich nach den Jah­ren sei­nes Vor­sit­zes der Ge­danke an Auf­gabe auf­drängt. Das Eh­ren­amt dürfe nicht zur Be­las­tung wer­den, stellte Die­ter Diek­meier dann auch fest. Er selbst hatte vor ei­ni­gen Jah­ren aus die­sen Grün­den seine Funk­tion als Oberst auf­ge­ge­ben und ge­stand nun: »So ma­chen mir Schüt­zen­feste auch wie­der Spaß.« Er, wie auch Funk­ti­ons­trä­ger wie Fritz Köl­ler, Uwe Töl­ke, Karl-Heinz Pro­kop, An­dreas Meyer, Man­fred Recke­meier oder Pe­ter Ja­kob, die seit Jah­ren be­reits Funk­tio­nen für den Ver­ein wahr­neh­men, wur­den als Vor­sitz-Vor­schläge an­ge­bracht – wohl mehr, um von sich selbst ab­zu­len­ken.

Der Kar­ren war fest­ge­fah­ren. Aber Her­bert Be­ge­mann hatte das wohl ge­ahnt und einen »Not­stands­plan« ent­wi­ckelt, den er den Mit­glie­dern ohne Wenn und Aber aufs Auge drück­te: Sat­zungs­än­de­rung mit Fest­schrei­bung un­ter­schied­li­cher Amts­zei­ten für Vor­stands­mit­glie­der, um den Vor­stand stets hand­lungs­fähig zu er­hal­ten, Wahl des am­tie­ren­den Kö­nigs Kay Schild­mann (37) als 2. Vor­sit­zen­der zur Ver­jün­gung des Vor­stands und bis zur Jah­res­haupt­ver­samm­lung 2009 ist ein neuer Vor­sit­zen­der zu fin­den. Un­ter die­sen Um­stän­den sei er be­reit, das Amt noch ein­mal, dann aber nur für ein Jahr, zu ü­ber­neh­men – ein Rück­tritt vom Rück­tritt, der aber auch dem Letz­ten deut­lich ge­macht ha­ben soll­te, aus wel­chen Holz echte Ver­eins­mit­glie­der wirk­lich ge­schnitzt sein soll­ten und wie sehr Her­bert Be­ge­mann die­ser Ver­ein und des­sen Fort­be­stand ihm per­sön­lich am Herz­ten lie­gen.

Dass die Wahl Be­ge­manns dann letzt­lich ein­stim­mig aus­fiel war wohl in ers­ter Li­nie ein Aus­druck der Er­leich­te­rung, dass der Kelch zu­min­dest für diese Jah­res­haupt­ver­samm­lung an al­len noch ein­mal vor­bei­ge­zo­gen war. Das Pro­blem aber ist nur auf­ge­scho­ben – kei­nes­wegs auf­ge­ho­ben. Be­ge­mann rich­tete den Ap­pell für eine Nach­folge zu sor­gen auch an die größte Ab­tei­lung des Ver­eins, die Da­men. Er könne sich durch­aus auch eine Vor­sit­zende vor­stel­len, meinte er. Im­mer­hin hatte vor ei­ni­gen Jah­ren mit Ka­rin Mül­ler erst­mals in der Ge­schichte des Ver­eins eine Frau die Würde ei­nes Schüt­zenkö­nigs in Ri­schenau er­langt und da­mit eine neue Ära ein­geläu­tet. Der Grund da­mals: Aus dem Kreis der männ­li­chen Mit­glie­der hatte nie­mand den Mut ge­fun­den, Kö­nig zu wer­den ...

vom 23.01.2008 | Ausgabe-Nr. 4A

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten