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Die Folgen des Tsunami sind immer noch spürbar Leopoldshöher Verein unterstützt Waisenkinder

Mit Papierengeln und Pickert auf Spendenjagd

Leo­polds­höhe (k­d). Ge­nau drei Jahre ist es her, als am zwei­ten Weih­nachts­fei­er­tag eine ge­wal­tige Flut­welle die Küs­ten Sü­do­stasi­ens mit Tod und Zer­störung ü­ber­zog. Auch wenn sich die öf­fent­li­che Auf­merk­sam­keit längst an­de­ren Kri­sen­re­gio­nen und Ka­ta­stro­phen zu­ge­wandt hat, hält der Part­ner­schafts­ver­ein Leo­polds­höhe an sei­ner Un­ter­stüt­zung für Wai­sen­kin­der auf Sri Lanka fest. Für die zweite Vor­sit­zende des Ver­eins, Ul­rike tom Su­den, ist es zu ei­nem per­sön­li­chen An­lie­gen ge­wor­den, fi­nan­zi­elle Hilfe zu or­ga­ni­sie­ren.

Am 26. De­zem­ber 2004 schlug der Ts­un­ami zu, in man­chen der christ­li­chen Kir­chen wurde ge­rade ein Weih­nachts­got­tes­dienst ge­fei­ert. Der In­sel­staat Sri Lanka wurde sehr stark be­trof­fen und hatte nach In­do­ne­sien die zweit­höchste Op­fer­zahl zu be­kla­gen. Un­ge­zählte Men­schen ver­lo­ren ihre An­gehö­ri­gen, Kin­der ihre El­tern.

Ü­ber eine ta­mi­li­sche Fa­mi­lie aus Sri Lan­ka, die seit rund 20 Jah­ren in Leo­polds­höhe lebt, wurde der Part­ner­schafts­ver­ein auf die Halb­in­sel Jaffna im Nor­den Sri Lan­kas auf­merk­sam. Denn hier le­ben wei­tere Fa­mi­li­en­mit­glie­der. Al­lein auf Jaffna wa­ren 2.900 Men­schen ums Le­ben ge­kom­men. Durch den per­sön­li­chen Kon­takt, so die Ü­ber­le­gung des Ver­eins, bestün­den gute Aus­sich­ten auf aus­rei­chende In­for­ma­tio­nen und wir­kungs­volle Hil­fe. »­Denn es ist sonst frag­lich, ob die Spen­den auch wirk­lich an­kom­men«, er­klärt Ul­rike tom Su­den, »o­der ob sie im Sys­tem ver­si­ckern. Des­halb such­ten wir ein kon­kre­tes, nicht allzu großes Pro­jek­t.«

Eine sol­che Mög­lich­keit bot sich bei der Kir­che »Y­outh for Christ« (»Ju­gend für Chris­tus«), die auch ein Wai­sen­haus un­ter­hält. Der Lei­ter der Ein­rich­tung, ein Missio­nar, ver­teilt mo­nat­lich das in Leo­polds­höhe ge­spen­dete Geld an die Kin­der, um ih­nen den Schul­be­such, Klei­dung und manch­mal auch Es­sen zu er­mög­li­chen, er­läu­tert Ul­rike tom Su­den.

Jaffna ist nicht nur das Kern­land der Ta­mi­len auf Sri Lan­ka, son­dern war auch eine Hoch­burg der Re­bel­len­gruppe Ta­mi­li­sche Be­frei­ungs­ti­ger (LT­TE). Sie tritt für einen ei­ge­nen Staat ein. Wie­der­holt gab es Ge­fechte zwi­schen LTTE und den Re­gie­rungs­trup­pen, bei schwe­ren Selbst­mord­an­schläge ka­men Hun­derte von Men­schen ums Le­ben. Die re­guläre Ar­mee wie­derum bom­bar­dierte 2006 ein Wai­sen­haus, weil darin ein Aus­bil­dungs­la­ger für Kin­der­sol­da­ten ver­mu­tet wur­de. Mehr als 200 Kin­der ka­men bei dem An­griff um. »Das macht sehr be­trof­fen«, so Ul­rike tom Su­den. Ge­gen­wär­tig sei die Si­tua­tion wie­der ganz schwie­rig, nach­dem die Ta­mil Ti­gers die Halb­in­sel nach außen ab­ge­rie­gelt ha­ben. »Von der Haupt­stadt Co­lombo aus kommt man gar nicht hin­«, weiß die Ex­per­tin. »Es geht höchs­tens mit ei­nem Last­wa­gen, aber es be­steht die große Ge­fahr, während der Fahrt be­schos­sen zu wer­den. Die ent­spre­chend schlechte Nach­rich­ten­lage macht auch den di­rek­ten Kon­takt mit dem Missio­nar und so­mit auch den Zu­gang zu den ak­tu­ell 23 Wai­sen­kin­dern schwie­rig. Man muss mit al­lem rech­nen,« so Ul­rike tom Su­den.

Auch wenn es keine In­for­ma­tio­nen ge­be, wich­tig sei al­lein die Hil­fe, ist Ul­rike tom Su­den ü­ber­zeugt. Im Mo­ment mehr denn je. »Im An­fang war die Hilfs­be­reit­schaft we­gen der Me­dien­be­richte noch groß. Aber sie brö­ckelt all­mäh­lich ab«, hat sie fest­stel­len müs­sen. »A­ber man kann nicht nur für ein paar Mo­nate hel­fen. Des­we­gen ge­ben wir nicht auf­.« Je­des Jahr wer­den 3.500 Euro nach Jaffna ge­schickt. Auch für den Part­ner­schafts­ver­ein ist das eine große Sum­me. Ul­rike tom Su­den hat ihre per­sön­li­che Me­thode ge­fun­den, um Geld zu be­schaf­fen.

Für ih­ren Be­such vor ei­ni­gen Jah­ren in ei­nem Al­ten­heim in der franzö­si­schen Part­ner­ge­meinde St. Gaul­tier woll­ten die Mit­glie­der des Ver­eins et­was Selbst­ge­bas­tel­tes mit­brin­gen. »A­ber es sollte ja nichts kos­ten.« In ei­ner Kir­chen­ge­meinde stieß Ul­rike tom Su­den auf kleine En­gel, die aus den Sei­ten al­ter Ge­sang­bücher ge­fal­tet wer­den. Die ers­ten Ex­em­plare fer­tigte sie für die Taufe ih­res En­kelsoh­nes an. »­Die wa­ren noch krumm und schie­f«, er­in­nert sie sich. Doch dann, nach ei­ner ge­wis­sen Ein­ar­bei­tung, ging es berg­auf: Ins­ge­samt wur­den schon fast 2.500 ver­kauf­t.

All­mäh­lich wird schon der »Roh­stoff« knapp. »Ich habe gute Kon­takte zu Kir­chen­ge­mein­den in der Nach­bar­schaft«, sagt Ul­rike tom Su­den. »­Die neuen Ge­sang­bücher sind alle ge­leimt. Die Sei­ten bre­chen leicht her­aus, und eine Re­pa­ra­tur lohnt dann nicht mehr«. Beim Plis­sie­ren des Pa­piers sitzt in­zwi­schen je­der Hand­griff. »Ich bas­tele so­gar im Som­mer­ur­laub und ver­kaufe die En­gel auch an die an­de­ren Cam­ping­gäs­te.« Und da in der nähe­ren Um­ge­bung eine ge­wisse Sät­ti­gung ein­ge­tre­ten ist, wer­den auch wei­ter ent­fernt woh­nende In­ter­es­sen­ten auf­merk­sam. Kürz­lich mel­dete sich so­gar ein Ver­ein aus Güters­loh, der gleich 100 En­gel auf ein­mal or­der­te.

­Die zweite Me­thode an Geld zu kom­men, ist der Ver­kauf von Pi­ckert. Ba­cken ist schließ­lich eine Lei­den­schaft von Ul­rike tom Su­den. »­Diens­tags stehe ich viel­fach in der Küche, bei Son­der­auf­trä­gen auch an an­de­ren Ta­gen. Dann hilft mir Anita Kuhl­mann, die er­for­der­li­che An­zahl Pi­ckerts zu ba­cken«, be­rich­tet sie. Für ihre köst­li­chen Pi­ckerts wird sie re­gel­mäßig in den höchs­ten Tö­nen ge­lobt. Eine Kun­din aus Oer­ling­hau­sen nimmt ihr re­gel­mäßig alle vier Wo­chen 40 Stück ab. »Pi­ckert ist natür­lich das lip­pi­sche Ge­richt schlecht­hin«, meint Ul­rike tom Su­den. »A­ber er steht auch nicht lange herum und wird schnell ge­ges­sen. Das ist mir mit Blick auf die Spen­den­kasse am liebs­ten«. Al­les im al­lem hat die Leo­polds­höhe­rin mit ih­rer Hel­fe­rin be­reits 5.300 der Mehl-Kar­tof­fel-Lap­pen ge­ba­cken.

Erst jüngst beim Lich­ter­abend auf dem Hei­mat­hof war Ul­rike tom Su­den wie­der am Stand des Part­ner­schafts­ver­eins zu fin­den und bot Pa­pie­ren­gel und Pi­ckert an. »Wir sam­meln Geld, wo im­mer uns das mög­lich ist«, meint sie. »Wenn man dann noch einen Er­folg sieht, ist es dop­pelt schön.« Am liebs­ten würde sie je­den Tag ba­cken, »a­ber bei dem Ge­ruch in der Küche, wird mein Mann be­stimmt nicht mehr mit­ma­chen.«

vom 26.12.2007 | Ausgabe-Nr. 52A

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