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Ausstellung mit historischen Koranübersetzungen im Schloss Brake eröffnet

»Muslime müssen Lemgo dankbar sein«

Lemgo-Brake (m­k). »Das Bemühen um das Ken­nen­ler­nen der re­li­giö­sen Be­son­der­hei­ten des An­de­ren ist eine Ba­sis für To­le­ranz«, er­klärte Pe­ter M. Klei­ne, Ku­ra­tor der der­zei­ti­gen Son­deraus­stel­lung im We­ser­re­naissance-Mu­seum kürz­lich tref­fend bei der Aus­stel­lungs­eröff­nung im Schloss Bra­ke.

Die Aus­stel­lung »­Ko­ranü­ber­set­zun­gen – Brü­cken zwi­schen Kul­tu­ren« zeigt Ü­ber­set­zun­gen des Ko­rans ins Deut­sche vom 16. Jahr­hun­dert bis heu­te. Un­ter den aus­ge­stell­ten Ori­gi­nal­dru­cken ist auch eine 1746 in Lemgo ge­druckte Ko­ranü­ber­set­zung, die un­ter isl­amtheo­lo­gi­schen Ge­sichts­punk­ten einen ganz be­son­de­ren Stel­len­wert hat.

Während die erste Ü­ber­set­zung ins Deut­sche im Jahr 1616 durch Sa­lo­mon Schwei­ger laut Pe­ter M. Kleine noch als Bei­spiel für Ab­leh­nung des Is­lams und Neu­gier – zu­gleich aber auch als Ge­burts­stunde der Ori­en­ta­lis­tik – gel­te, sei die Lem­goer Ü­ber­set­zung durch Theo­dor Ar­nold die ers­te, die ganz im Geiste der Auf­klärung ste­he. »Im Ge­gen­satz zu vie­len Vor­gän­gern wollte der Englän­der Ge­orge Sa­le, des­sen di­rekte Ü­ber­set­zung Ar­nold ins Deut­sche ü­ber­trug den Ko­ran nicht wi­der­le­gen, son­dern fügt so­gar Ü­ber­set­zun­gen ara­bi­scher Ko­ran­kom­men­tare an, fragt also erst­mals nach der In­ter­pre­ta­tion der Mus­lime selbst«, so Klei­ne. »­Diese Ü­ber­set­zung be­ein­flusste al­ler Wahr­schein­lich­keit nach so­gar Les­sings »Na­than der Wei­se« und auch Goe­the zi­tierte in Kom­men­ta­ren of­fen­sicht­lich dar­aus. Auch er muss diese Ü­ber­set­zung also zu­min­dest ge­kannt ha­ben.«

­Doch was ist so schwer an der Ü­ber­set­zung des Ko­rans, so dass sich un­ter­schied­li­che Aus­ga­ben so sehr von­ein­an­der zu un­ter­schei­den schei­nen? Mu­hammad Sa­lim Ab­dul­lah, Lei­ter des »­Zen­tral­in­sti­tuts Is­lam-Ar­chiv Deutsch­lan­d«, er­klärte in sei­ner Ein­führung in die Aus­stel­lung, der Kern der is­la­mi­schen Theo­lo­gie sei der »Schlüs­sel zum Wor­t«, denn die­ses sei oft­mals mehr­fach aus­leg­bar. »­Die Ober­fläch­lich­keit der vie­len Is­lam-Ex­per­ten ist ver­blüf­fen­d«, sagte Ab­dul­lah. Wich­tig sei es, die Bil­der des Ko­rans zu ver­ste­hen. Dazu gehöre auch die Kennt­nis des Um­fel­des und der Si­tua­tion, in der die Texte ent­stan­den sei­en.

In dem Zu­sam­men­hang lobte er auch den »­großar­ti­gen Ehr­gei­z« den Theo­dor Ar­nold bei sei­ner Ü­ber­set­zung an den Tag ge­legt ha­be. »­Die­ser schrieb näm­lich zu sei­ner Ü­ber­set­zung noch ein 200-sei­ti­ges Vor­wort, das mit al­len Ü­ber­set­zun­gen ab­rech­net, die bis da­hin alle Feh­ler die­ser Welt ent­hiel­ten«, so Ab­dul­lah, der zum Ab­schluss an­füg­te: »­Die Mus­lime müs­sen der Stadt Lemgo dank­bar sein, denn hier ist zum ers­ten Mal ihr Pro­phet Mo­ham­med als ein gu­ter Mensch dar­ge­stellt wor­den.«

­Ab­ge­run­det wurde die Eröff­nung der Aus­stel­lung, die ü­b­ri­gens den Ab­schluss der Reihe »­Be­geg­nun­gen zwi­schen Ori­ent und Ok­zi­dent« im Schloss Brake dar­stellt, durch zwei wei­tere be­son­ders be­ein­dru­ckende Dar­bie­tun­gen. Zum Einen re­zi­tierte der Imam der Det­mol­der Di­tib-Mo­schee aus­ge­wählte Ko­ran­stel­len – in der ty­pi­schen Ge­sangs­form eine den christ­li­chen Zuhö­rer be­fremd­lich wir­kende re­li­giöse Tra­di­tion, die zu­gleich eine ganz be­son­dere Kunst­form dar­stellt, die es dem gläu­bi­gen Zuhö­rer er­mög­li­chen soll, sich in na­hezu me­di­ta­ti­ver Ruhe ganz dem zu Gehör ge­brach­ten Wort zu wid­men.

­Zum An­de­ren er­freute der Schau­spie­ler Pe­ter-Uwe Witt mit der Dar­bie­tung von Les­sings Ring­pa­ra­bel aus »Na­than der Wei­se«, die zum Ab­schluss der Aus­stel­lungs­eröff­nung bei den Zuhö­rern viel Ap­plaus ern­te­te.

Im An­schluss gab es aus­rei­chend Mög­lich­keit, die Aus­stel­lung zu be­su­chen und gar in ei­ner aus­ge­leg­ten ak­tu­el­len Ko­ranü­ber­set­zung zu blät­tern, wo­von von den in­ter­es­sier­ten Gäs­ten auch re­ger Ge­brauch ge­macht wur­de. Die in­ter­essante Aus­stel­lung »­Ko­ranü­ber­set­zun­gen – Brü­cken zwi­schen den Kul­tu­ren« ist noch bis Sonn­tag, 27. Ja­nu­ar, im­mer diens­tags bis sonn­tags von 10 bis 18 Uhr zu be­sich­ti­gen.

vom 19.12.2007 | Ausgabe-Nr. 51A

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