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3. Abonnement-Konzert des Detmolder Kammerorchesters mit Michala Petri

Große Meister des Barock

 

Det­mold. Am Diens­tag, 18. De­zem­ber, fin­det um 19.30 Uhr in der Chris­tus­kir­che, Kai­ser-Wil­helm-Platz, das 3. Abon­ne­ment­kon­zert des Det­mol­der Kam­mer­or­che­s­ters statt. An die­sem Abend ste­hen ne­ben gern gehör­ten auch sel­ten auf­ge­führte Werke ver­schie­de­ner ba­ro­cker Meis­ter auf dem Pro­gramm. So er­klingt ne­ben Ge­org Phil­ipp Te­le­manns »Wies­ba­de­ner Ou­ver­türe« B-Dur ebenso des­sen Suite a-Moll für Alt­block­flöte, Strei­cher und Basso Con­ti­nuo TWV 55:a 2. Des Wei­te­ren wer­den An­to­nio Vi­val­dis Sin­fo­nia D-Dur RV 125 so­wie das Kon­zert für Flau­tino C-Dur RV 443, Jean-Ma­rie Le­clairs 3. So­nate für Strei­chor­che­s­ter mit Cem­balo d-Moll und Gio­vanni Bat­tista Per­go­le­sis Sin­fo­nia a quat­tro D-Dur zu hören sein.

Te­le­mann, all­sei­tig und mehr­spra­chig ge­bil­det, war in sei­nem künst­le­ri­schen Selbst­ver­ständ­nis der Zeit vor­aus. So scheute er es nicht, sich ge­gen das Mu­sik­mo­no­pol von Kle­rus und Adel zu stel­len. Er grün­dete Mu­sik­kol­le­gien, gab öf­fent­li­che Kon­zerte und för­derte das Lai­en­mu­si­zie­ren mit Druck­aus­ga­ben sei­ner Wer­ke. Zur kaum ü­ber­schau­ba­ren Zahl sei­ner In­stru­men­tal­kom­po­si­tio­nen gehören auch die 135 er­hal­te­nen Or­che­s­ter­sui­ten. Als Vir­tuose und ei­ner der Be­grün­der der franzö­si­schen Vio­lin­schule be­ein­flusste er diese maß­geb­lich. Er ver­einte franzö­si­sche und ita­lie­ni­sche Stil­rich­tun­gen und stellte mit sei­nem ele­gan­ten, bril­lan­ten Stil die ei­ge­nen Con­certi und So­na­ten in die Nähe der Werke ei­nes An­to­nio Vi­val­di.

In Vi­val­dis Schaf­fen neh­men die »­Con­certi per ar­chi« einen wich­ti­gen Teil ein: etwa fünf Dut­zend Or­che­s­ter­stü­cke ließen we­ni­ger die Vir­tuo­sität ei­nes ein­zel­nen, als die kol­lek­tive Aus­drucks­kraft ei­nes gut ein­ge­spiel­ten En­sem­bles glän­zen. Die vor­lie­gende Erst­aus­gabe der Sin­fo­nia D-Dur RV 125, die im Kon­zert des Det­mol­der Kam­mer­or­che­s­ters er­klingt, schließt eine der noch we­ni­gen Lü­cken in dem noch nicht vollstän­dig er­schlos­se­nen Œu­vre Vi­val­dis. Die­ses Werk ist in der Ber­li­ner Staats­bi­blio­thek in drei Stim­men­ma­nu­skrip­ten noch er­hal­ten (Vio­li­nen, Vio­la), je­doch fehlt die Bass­s­timme vollstän­dig und musste für diese Edi­tion re­kon­stru­iert wer­den. Bei den drei Con­certi für »Flau­ti­no« sind so­wohl Ent­ste­hungs­zeit als auch Iden­ti­tät des So­lo­in­stru­men­tes un­ge­wiss. Vi­val­dis Gleich­stel­lung von »Flau­ti­no« und »Fl­au­to« ist ir­re­führend, je­doch han­delt es sich hier wahr­schein­lich um die So­pra­nino-Block­flöte.

Nur 26 Le­bens­jahre wa­ren Gio­vanni Bat­tista Per­go­lesi ver­gönnt, den­noch schaffte er in die­ser Zeit eine kaum fass­bare Fülle von Wer­ken, die ihm einen ko­me­ten­haf­ten Auf­stieg be­scher­te. Kaum ein an­de­rer ita­lie­ni­scher Kom­po­nist des 18. Jahr­hun­derts – aus­ge­nom­men An­to­nio Vi­valdi – konnte einen sol­chen Um­fang vor­wei­sen. Wie später bei Mo­zart gab auch der frühe Tod des »an­ge­lico mae­stro«, wie ihn Vin­cenzo Bel­lini nann­te, An­lass zu schwär­me­ri­scher Ver­eh­rung. Das be­wegte man­chen Ver­le­ger da­zu, die Zug­kraft des nun­mehr berühm­ten Na­mens zur Ver­mark­tung von Wer­ken we­ni­ger be­kann­ter Kom­po­nis­ten zu nut­zen. Da­her ist die Liste der Per­go­lesi irr­tüm­lich zu­ge­schrie­be­nen oder vor­sätz­lich un­ter­ge­scho­be­nen Werke min­des­tens so lang wie die sei­ner au­then­ti­schen Kom­po­si­tio­nen. Den­noch blei­ben genü­gend Opern so­wie geist­li­che und in­stru­men­tale Werke ü­b­rig, die das Oeu­vre des ita­lie­ni­schen Aus­nah­me­ta­len­tes be­le­gen.

­Mit ei­ner in­ter­na­tio­na­len Kar­riere ü­ber vier Kon­ti­nen­te, die Tau­sende von Kon­zer­ten so­wie zahl­rei­che Preise ein­sch­ließt, hat sich Michala Pe­tri als her­aus­ra­gende Mu­si­ke­rin un­se­rer Zeit eta­bliert. Ihre mu­si­ka­li­schen Part­ner, zu de­nen un­ter an­de­rem Clau­dio Ab­ba­do, Heinz Hol­li­ger, Pin­chas Zu­ker­man, Ja­mes Gal­way, Gi­don Kre­mer, Yuri Bas­h­met, Keith Jar­rett und Chri­sto­pher Hog­wood zählen, rühm­ten ihre er­staun­li­che Vir­tuo­sität in­ner­halb ei­nes Re­per­toires, das vom Früh­ba­rock bis zu zeit­genös­si­schen Wer­ken reicht, von de­nen viele ei­gens für sie ge­schrie­ben wur­den.

Kar­ten gibt es im Vor­ver­kauf in der Tou­rist-In­for­ma­tion, Rat­haus am Markt, Tel. 05231/977327 (Mon­tag bis Don­ners­tag 10 bis 16 Uhr) so­wie im Büro des Det­mol­der Kam­mer­or­che­s­ters, Bruch­straße 25, Tel. 05231/31603.

vom 15.12.2007 | Ausgabe-Nr. 50B

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