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Mozarts »Entführung aus dem Serail« im Landestheater

Im Hier und Heute des Kulturkonflikts zwischen Abendland und Morgenland

Det­mold (jus). Im­mer wie­der stellt Mo­zarts Sing­spiel »­Die Ent­führung aus dem Se­rail« eine Her­aus­for­de­rung an des­sen In­ter­pre­ta­tion dar. Denn je öf­ter man sich mit die­ser Mo­zart-Oper aus­ein­an­der­setzt, um so fa­cet­ten­rei­cher wird sie, be­merkte Eli­sa­beth Wirtz, Dra­ma­tur­gin des Lan­des­thea­ter­s.

»­Die Ent­führung aus dem Se­rail«, die am 15. De­zem­ber Pre­miere fei­ert, liegt in Re­gie und Aus­stat­tung aus­sch­ließ­lich in den Hän­den von Hin­rich Horst­kot­te, kein Un­be­kann­ter mehr in Sa­chen Ge­samtaus­stat­tung am Lan­des­thea­ter, ge­lang ihm doch Brit­tens »Ein Som­mer­nachts­traum« mit er­staun­li­chen Bil­dern.

War die »Ent­führung aus dem Se­rail« schon zu Mo­zarts Zei­ten al­les an­dere als apo­li­tisch – man hatte noch gut die Be­dro­hung der Tür­ken vor Wien vor Au­gen –, so lässt sie sich heute – nach dem ge­walt­tätig auf­bre­chen­den Kul­tur­kon­flikt zwi­schen Abend­land und Mor­gen­land, zwi­schen Chris­ten­tum und Is­lam – kaum an­ders in­sze­nie­ren, als ak­tu­elle Be­züge auf­zu­de­cken, so er­läu­ter­ten Eli­sa­beth Wirtz und Hin­rich Horst­kotte ihr Re­gie­kon­zept.

Ganz ab­ge­se­hen von der Ak­tua­lität mensch­li­cher Kon­flikte in die­ser Oper, hat Mo­zart – und das fas­zi­niert im­mer wie­der neu – ü­ber die Ty­pen hin­aus Cha­rak­tere ge­schaf­fen, von der seine Mu­sik so dif­fe­ren­ziert zu erzählen weiß, be­merkte Jörg Pit­sch­mann, der das Werk mu­si­ka­lisch lei­tet.

In die­ser kon­trast­rei­chen Oper, sze­nisch und mu­si­ka­lisch, in der Hei­ter­keit und Trau­rig­keit ein­an­der ab­lö­sen, spie­gelt sich eine exis­ten­ti­elle Be­dro­hung der Fi­gu­ren wie­der, un­ab­hän­gig von den Drei­ecks­kon­stel­la­tio­nen, der bei­den Paa­re. Auf der Fo­lie des Kul­tur­kon­flikts spielt sich eine emo­tio­nale Ver­suchs­an­ord­nung der Per­so­nen ab, so Hin­rich Horst­kot­te, nicht ohne die eman­zi­pa­to­ri­schen Fra­gen der Frauen zu berühren.

­Zur Um­set­zung die­ser Oper, so be­tonte Hin­rich Horst­kot­te, stand ihm ein wun­der­ba­res Team zur Ver­fü­gung, so dass sich auch während der Ar­beit noch er­hel­lende Mo­mente ein­stell­ten. Es er­wies sich ein­mal mehr, so Hin­rich Horst­kot­te, der zum 3. Mal die »Ent­führung«insze­niert, das Mo­zarts Opern psy­cho­lo­gisch er­staun­lich per­fekt ge­baut sind.

Um ein Schluss­wort zur In­sze­nie­rung an­zu­fü­gen: Es geht Hin­rich Horst­kotte nicht dar­um, so be­tonte er, ein aus­ge­zeich­net pro­por­tio­nier­tes Werk um­zu­krem­peln, son­dern es liegt ihm dar­an, be­stimm­te, im Werk vor­han­dene Dinge frei­zu­le­gen.

­Mo­zart ist im­mer wie­der ü­ber­ra­schend, und es las­sen sich bei der Ar­beit mit die­ser Mu­sik stets neue Di­men­sio­nen ent­de­cken.

vom 12.12.2007 | Ausgabe-Nr. 50A

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