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Tokyo String Quartett konzertierte im Rahmen der Meisterkonzerte

Kammermusikalische Sternstunde

Det­mold (jus). Ge­wöhn­lich wird man weit fah­ren müs­sen, um so ein Aus­nah­me­quar­tett wie das To­kyo String Quar­tett hören zu kön­nen.

In Det­mold konnte man im Rah­men der Meis­ter­kon­zerte der Hoch­schule für Mu­sik, die zur­zeit im Lan­des­thea­ter statt­fin­den, die­ses Glücks teil­haf­tig wer­den. Und wel­chen Glücks! Diese vier ex­zel­len­ten Mu­si­ker – Mar­tin Be­a­ver, erste Vio­li­ne, Ki­kuei Ike­da, zweite Vio­li­ne, Ka­zu­hide Iso­mu­ra, Vio­la, und Clive Greens­mith,

Vio­lon­cello-, die in die­ser Kon­stel­la­tion seit 2002 mit­ein­an­der mu­si­zie­ren, pro­du­zie­ren einen un­ver­gleich­lich wei­chen, war­men, ho­mo­gen Ton. Das mag nicht zu­letzt auch da­mit be­grün­det sein, dass die vier wun­der­bar auf­ein­an­der ein­ge­stimm­ten Strei­cher In­stru­mente des berühm­ten Gei­gen­bau­ers An­to­nio Stra­di­vari spie­len, das so­ge­nannte »Pa­ga­nini Quar­tet­t«, be­nannt nach dem le­gen­dären Gei­gen­vir­tuo­sen des 19. Jahr­hun­derts. Das To­kyo String Quar­tett spielt seit 1995 auf die­sen In­stru­men­ten – eine Dau­er­leih­gabe der Nip­pon Mu­sic Foun­da­tion.

Völ­lig un­präten­tiös tre­ten diese Mu­si­ker auf, spie­len mit ei­ner selbst­ver­ständ­li­chen Natür­lich­keit, ge­speist aus tie­fem Werk­ver­ständ­nis, das keine Fra­gen nach an­de­ren In­ter­pre­ta­tio­nen auf­kom­men lässt. Vi­brie­rende Mu­si­ka­lität, die aus dem ge­konn­ten Wech­sel von Span­nung und Ent­span­nung wie von selbst ent­steht, ent­zückte vom ers­ten Ton – Streich­quar­tett in C-Dur op. 50 Nr. 2 von Jo­seph Haydn – und öff­nete au­gen­blick­lich die un­ge­teilte Auf­merk­sam­keit der Hö­rer. Eine atem­be­rau­bende Stille stellte sich ein. Natür­lich fas­zi­nierte Haydns viel­schich­tige Klang­s­pra­che rest­los, wie sich Er­re­gen­des zu Be­ginn in Hei­ter-Wit­zi­ges am Schluss ver­wan­del­te.

Wie viel­sei­tig das To­kyo String Quar­tett zu mu­si­zie­ren ver­steht, zeigte sich be­son­ders in dem 1981 ei­gens für das Quar­tett kom­po­nier­ten Werk »A Way A Lo­ne« des ge­bür­ti­gen Ja­pa­ners Toru Ta­ke­mitsu –fa­cet­ten­rei­cher Aus­druck gemäßig­ter Mo­der­ne.

­Doch die Krö­nung die­ses großen Kon­zer­ter­eig­nis­ses war das Streich­quar­tett Nr. 7 in F-Dur op. 59 Nr. 1 von Lud­wig van Beetho­ven, dem Gra­fen Ra­su­mow­sky ge­wid­met, der Beetho­ven den Kom­po­si­ti­ons­auf­trag er­teil­te. Un­ver­ge­ss­lich der dy­na­mi­sche Be­ginn des Kopf­sat­zes, in dem das Cello eine schlich­te, aber hin­reißende Phrase in­to­niert, be­glei­tet vom rhyth­misch be­stimm­ten Po­chen der an­de­ren In­stru­men­te, bis diese dann nach­ein­an­der die Phrase ü­ber­neh­men. Diese am An­fang auf­ge­bau­te, nie­mals an­ge­strengte oder for­cierte Span­nung er­hielt sich durch das ganze Werk und fügte sich zu ei­nem gran­dio­sen Gan­zen zu­sam­men. Sel­ten hat Mu­sik so gänz­lich be­glückt und be­geis­tert. Eine Stern­stunde kam­mer­mu­si­ka­li­scher Kunst­.

­Mit drei Zu­ga­ben – Sätze aus Streich­quar­tet­ten von Haydn, Mo­zart und De­bussy -be­dankte sich das To­kyo String Quar­tet für den en­thu­sias­ti­schen Ap­plaus des Pu­bli­kums. – Man hätte noch stun­den­lang zuhören mö­gen.

vom 12.12.2007 | Ausgabe-Nr. 50A

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