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Workshop zur Music Encoding Initiative

 

Det­mold. Zwei­ein­halb Au­to­stun­den süd­lich von Wa­shing­ton liegt eine der schöns­ten Uni­ver­sitäten der USA: die von Tho­mas Jef­fer­son ge­grün­de­te, heute als Teil des Welt­kul­tur­er­bes ge­schützte Uni­ver­sity of Vir­gi­nia in Char­lot­tes­vil­le. In der Al­der­man Li­brary die­ses in ei­ner herr­li­chen Par­k­land­schaft er­bau­ten Cam­pus wa­ren jetzt drei Mit­ar­bei­ter des Mu­sik­wis­sen­schaft­li­chen Se­mi­nars Det­mol­d/­Pa­der­born Gäste und zu­gleich Mit­ver­an­stal­ter ei­nes dreitä­gi­gen in­ter­na­tio­na­len Work­shops, bei dem es um die com­pu­ter­ge­rechte Co­die­rung von schrift­lich no­tier­ter Mu­sik ging.

Prof. Dr. Joa­chim Veit, Edi­ti­ons­lei­ter der in Det­mold an­ge­sie­del­ten Carl-Ma­ria-von-We­ber-Ge­samt­aus­ga­be, so­wie der Di­plom-Wirt­schafts­in­for­ma­ti­ker Da­niel Röwen­strunk und der Mu­sik­wis­sen­schaft­ler Dr. des. Jo­han­nes Kep­per (beide Mit­ar­bei­ter in dem re­nom­mier­ten Det­mol­der Edi­rom-Pro­jekt) hat­ten im ver­gan­ge­nen Jahr ge­mein­sam mit zwei ame­ri­ka­ni­schen Wis­sen­schaft­lern einen An­trag auf För­de­rung bei der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft und de­ren ame­ri­ka­ni­scher Part­ner­or­ga­ni­sa­tion, dem Na­tio­nal En­dow­ment for the Hu­ma­ni­ties ge­stellt. Ziel war die Ver­an­stal­tung zweier in­ter­na­tio­na­ler Ar­beits­tref­fen, um das bis­her ver­nach­läs­sigte Thema der Co­die­rung von Mu­sik für wis­sen­schaft­li­che Zwe­cke vor­an­zu­brin­gen.

In Char­lot­tes­ville hatte sich seit ei­ni­gen Jah­ren Perry Ro­land mit die­sem Ge­gen­stand be­schäf­tigt – zu ihm hat­ten die Det­mol­der bei ei­nem Tref­fen in Mainz vor drei Jah­ren Kon­takt auf­ge­nom­men. Lange Zeit wurde sein Sys­tem als Kon­kur­renz zu ei­nem be­reits be­nutz­ten For­mat, das dem Aus­tausch von Da­ten zwi­schen ver­schie­de­nen No­ten­schreib­pro­gram­men dient, an­ge­se­hen.

Den Det­mol­dern war es ge­lun­gen, zu ei­ner Pa­der­bor­ner Ta­gung im De­zem­ber 2007 die bei­den Kon­tra­hen­ten zu­sam­men ein­zu­la­den, was da­mals in der Fach­welt mit großem In­ter­esse wahr­ge­nom­men wur­de. In­zwi­schen hat sich mit Ro­land und der Lei­te­rin der Mu­si­k­ab­tei­lung der Uni­ver­sitäts­bi­blio­thek Char­lot­tes­vil­le, Erin May­hood, eine enge Zu­sam­men­ar­beit er­ge­ben und das Sys­tem wird nun nach dem Tref­fen in USA von ei­nem klei­nen Kern­team, dem ne­ben den Det­mol­der Edi­rom-Mit­ar­bei­tern auch zwei junge Wis­sen­schaft­ler aus der Schweiz und aus Groß­bri­tan­nien an­gehören, wei­ter­ent­wi­ckel­t.

­Bei ei­nem zwei­ten Tref­fen im März des kom­men­den Jah­res in Det­mold wer­den dann die zahl­rei­chen jetzt be­spro­che­nen Bei­spie­le, die ne­ben ein­fa­chen Grund­la­gen auch höchst kom­pli­zierte An­for­de­run­gen ent­hal­ten, in die­ser neuen Co­die­rung vor­lie­gen und noch ein­mal auf Herz und Nie­ren ge­prüft, be­vor das Sys­tem der wis­sen­schaft­li­chen Öf­fent­lich­keit zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den soll. Diese Ar­beit ist auch eine der Vor­aus­set­zun­gen dafür, dass das am Mu­sik­wis­sen­schaft­li­chen Se­mi­nar be­hei­ma­tete Edi­rom-Pro­jekt, das Werk­zeuge für di­gi­tale For­men wis­sen­schaft­li­cher Aus­ga­ben von Mu­sik ent­wi­ckelt, seine lang­fris­ti­gen Ziele er­folg­reich um­set­zen kann.

­Schon jetzt ko­ope­rie­ren die Det­mol­der mit so wich­ti­gen Edi­ti­ons­vor­ha­ben wie dem Bay­reuther Opera-Pro­jekt, der Karls­ru­her Max-Re­ger-Aus­gabe oder der Det­mol­d/­Ber­li­ner We­ber-Edi­tion. Ohne den in­ter­na­tio­na­len Aus­tausch, wie er jetzt durch die In­ten­si­vie­rung der Be­zie­hung zur Uni­ver­sity of Vir­gi­nia ver­ein­bart wur­de, ist im Be­reich di­gi­ta­ler Edi­tio­nen kein dau­er­haft er­folg­rei­ches Ar­bei­ten mehr mög­lich.

Das Be­such­s­pro­gramm der Det­mol­der in Vir­gi­nia blieb an­ge­sichts des voll­ge­pack­ten Ter­min­ka­len­ders lei­der sehr knapp – nur Jef­fer­sons Wohn­ort Mon­ti­cello am Fuße der Blue Ridge Moun­tains bot bei schwü­ler Hitze am Nach­mit­tag des Sams­tag vor der Ab­reise noch Ge­le­gen­heit zum Blick ü­ber die herr­lich be­wal­dete Land­schaft West-Vir­gi­nias. Aber ein reich­hal­ti­ger wis­sen­schaft­li­cher Er­trag und die vor­bild­li­che Gast­freund­schaft ent­schä­dig­ten für den zu knap­pen »­ku­li­na­ri­schen« An­teil der Rei­se. Die Pla­nun­gen für das Tref­fen in Det­mold sind der­weil be­reits im Gang, auch ein wei­te­rer ge­mein­sa­mer An­trag der bei­den In­sti­tu­tio­nen soll auf den Weg ge­bracht wer­den.

vom 22.08.2009 | Ausgabe-Nr. 34B

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