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Nicht weggeschaut: Todesmutige Retter und ehrliche Finder

»Lipper lassen Keinen allein«

Det­mol­d/­Kreis Lippe (j­su/no­k). Ein Räu­ber will ei­ner Rent­ne­rin in der Det­mol­der In­nen­stadt die Hand­ta­sche ent­reißen. Als sie nicht los­lässt und sich zur Wehr setzt, stürzt er die Frau in die an­gren­zende Werre und spring selbst hin­ter­her. Plötz­lich zückt der Mann ein Mes­ser und sticht auf das Op­fer ein. Eine Zeu­gin, die den Vor­fall be­ob­ach­tet hat­te, schreit um Hil­fe. Der Mann lässt von der Frau ab und flüch­tet. Ein wei­te­rer Zeuge kann den Täter iden­ti­fi­zie­ren und führt die Po­li­zei zur Woh­nung. Diese Si­tua­tion ist ge­rade noch mal gut aus­ge­gan­gen. Hät­ten die Zeu­gen, Gu­drun Brink­mann und Alet Hü­sey­in, nicht so­viel Zi­vil­cou­rage ge­zeigt, hätte al­les ganz an­ders en­den kön­nen. Für die Po­li­zei in Lippe war dies Ge­sche­hen ein gu­tes Bei­spiel dafür, wie wich­tig es ist, hin­zu­se­hen, zu han­deln und sich da­bei nicht selbst in Ge­fahr zu brin­gen. Grund ge­nug für die Ord­nungs­hüter, nicht nur Gu­drun Brink­mann und Alet Hü­sey­in, son­dern auch noch wei­te­ren cou­ra­gier­ten Zeu­gen »Dan­ke« zu sa­gen.

Aus die­sem An­lass ha­ben Kreis­ver­wal­tung und die Po­li­zei be­reits vor sie­ben Jah­ren die Ak­tion »Lip­per las­sen Kei­nen al­lein« ins Le­ben ge­ru­fen, in de­ren Rah­men ein­mal jähr­lich be­son­dere Hil­fe­leis­tun­gen ihre öf­fent­li­che An­er­ken­nung fin­den sol­len. So wur­den auch in der ver­gan­ge­nen Wo­che Men­schen ge­ehrt, die nicht weg­ge­se­hen ha­ben, son­dern ehr­lich und mu­tig wa­ren. »Ich möchte den Hel­fern ganz be­son­ders dan­ken, da sie das Si­cher­heits­ge­fühl in Lippe ge­stärkt ha­ben. In ei­ner Zeit wo kri­mi­nelle Ma­chen­schaf­ten All­tag sind, ver­trauen wir auf eine gute Zu­sam­men­ar­beit, der Bür­ger mit der Po­li­zei«, dankte Frie­del Heu­win­kel.

Un­ter den Ge­ehr­ten wa­ren auch Jür­gen Wind­mann und Chris­tian Schus­ter, die einen Ver­unglück­ten aus sei­nem bren­nen­den Auto ge­ret­tet ha­ben. Dass sie sich selbst in eine hohe Ge­fahr ge­bracht ha­ben, ist ih­nen und auch ei­nem wei­te­ren cou­ra­gier­ten Hel­fer erst später be­wusst ge­wor­den. »Wir möch­ten nicht, dass die Men­schen das Wort Zi­vil­cou­rage falsch ver­ste­hen. Sie sol­len sich nicht selbst in Ge­fahr brin­gen«, so Hein­rich Spruth (Lei­ter der Ab­tei­lung »­Ge­fah­ren­ab­wehr und Straf­ver­fol­gung« bei der Po­li­zei Lip­pe). Dies be­zog er auch auf den Fall ei­nes auf­merk­sa­men La­gen­ser Bür­gers , wel­cher einen Ver­bre­cher ver­folgte und stell­te. We­ni­ger ge­fähr­lich machte es sich statt­des­sen Tom Phi­lip Krau­se. Er be­ob­ach­tete einen Ein­bruch in eine Det­mol­der Apo­theke und rief so­fort die Po­li­zei.

Auch nicht ganz ohne Ge­fahr war die Ret­tungs­ak­tion von Mi­chaela Horst-Ünal und ih­rem Sohn Ce­d­ric. Bei ei­nem Brand in der Bahn­hof­straße in Horn, ret­te­ten Mut­ter und Kind meh­rere Men­schen aus dem flam­men­um­schlun­ge­nen Haus.

»Erste Hil­fe« leis­tete An­dreas Lan­ge. Er ret­tete bei ei­nem Au­to­un­fall eine ein­ge­klemmte und schwer ver­letzte Per­son. Fried­helm Meier half eben­falls ei­nem schwer ver­unglück­ten Ver­kehrs­teil­neh­mer. Er war ge­rade auf dem Weg nach Hau­se, als er einen ge­stürz­ten Rad­fah­rer auf­fand. So­fort brachte er den Ver­letz­ten in die nächste DRK (Deut­sches Ro­tes Kreuz) Sta­tion.

Dass Ehr­lich­keit auch eine Hel­den­tat ist, be­wie­sen der 14 jäh­rige Pas­cal Ber­ger und sein 13 jäh­ri­ger Freund Ste­ven Schom­biers­ki. Als die bei­den in der Det­mol­der Fußgän­ger­zone eine Brief­ta­sche auf­fan­den, dach­ten sie nicht einen Mo­ment dar­an, das Geld zu be­hal­ten. Die ehr­li­chen Jun­gen such­ten und fan­den den Be­sit­zer des Port­mo­nees. Glei­ches tat Anita Bo­nin, als sie in der Det­mol­der Grab­be­straße einen Geld­fund von 3000 Euro mach­te. Auch wenn sich die Freude und An­er­ken­nung des Be­sit­zers nach der Rück­gabe der kom­plet­ten Geld­börse (inklu­sive meh­re­rer Do­ku­men­te) zur Ent­täu­schung der ehr­li­chen Fin­de­rin in Gren­zen hielt, würde sie im­mer wie­der so han­deln.

Ob­wohl der Fin­der­lohn für sie sehr ge­ring aus­fiel zieht die Frau ein er­freu­li­ches Fa­zit: »­Mit die­sem Geld wäre ich nie glück­lich ge­wor­den.« Die Po­li­zei hofft dar­auf bald wei­tere »Hel­den­ta­ten« eh­ren zu kön­nen. Ob­wohl es doch ei­gent­lich trau­rig ist, dass eine Hil­fe­leis­tung, heute et­was be­son­de­res ist. Sollte es nicht selbst­ver­ständ­lich sein?

vom 08.12.2007 | Ausgabe-Nr. 49B

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