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Europakandidat diskutiert in Lippe

von Reden: »Gen-Technik macht mir Angst«

 

Dören­trup-Wend­ling­hau­sen/Lip­pe. »In die­sen Mo­na­ten wer­den Fak­ten ge­schaf­fen, die nie mehr rück­gän­gig ge­macht wer­den kön­nen. Ich habe Angst da­vor, dass die Gen­tech­nik in der Land­wirt­schaft zu un­um­kehr­ba­ren Ver­un­rei­ni­gun­gen un­se­rer ö­ko­lo­gi­schen Pro­dukte führen kann.« Diese deut­li­chen, mah­nen­den Worte fand Joa­chim von Re­den Be­sit­zer des Schlos­ses und Guts Wend­ling­hau­sen bei ei­nem Ter­min mit sei­nem Be­rufs­kol­le­gen Mar­tin Häus­ling, Bio-Land­wirt aus Hes­sen und Kan­di­dat der Grü­nen zur Eu­ro­pa­wahl.

Ein­ge­la­den zu die­sem lip­pisch-hes­si­schen Ge­dan­ken­aus­tausch hatte der Kreis­ver­band Lippe der Par­tei Bünd­nis 90/­Die Grü­nen. Von Re­den, der be­reits 1983 be­gann sei­nen land­wirt­schaft­li­chen Be­trieb auf kon­trol­liert ö­ko­lo­gi­schen Land­bau um­zu­stel­len, be­wirt­schaf­tet heute 300 Hektar Fläche aus­sch­ließ­lich nach Bio-Stan­dard. »Als ich den Hof ü­ber­nahm hatte ich bald ein Schlüs­seler­leb­nis«, er­klärt er den Grund für den Um­stieg: »Ei­nes Ta­ges brachte ich ein zu­ge­las­se­nes Spitz­mit­tel auf ein Feld aus. Am nächs­ten Tag ent­deckte ich dort zehn­tau­sende tote Re­gen­wür­mer – da wurde mir klar: so kann es nicht wei­ter­ge­hen.« Heute pro­du­ziert sein Be­trieb haupt­säch­lich Bio-Gemüse (Möhren, Kar­tof­feln, Sel­le­rie), und -Ge­treide nach den stren­gen Auf­la­gen des De­me­ter-Ver­ban­des­.

­Mar­tin Häus­ling, ge­lern­ter Agrar­tech­ni­ker, be­wirt­schaf­tet im nord­hes­si­schen Bad Zwes­ten seit 1988 sei­nen Kel­ler­wald­hof nach Bio­land-Richt­li­ni­en. Seit der Grün­dung 1979 ist er Mit­glied der hes­si­schen Grü­nen und der­zeit im Kreis­tag und im Land­tag in Hes­sen ver­tre­ten. Be­son­ders in­ter­es­siert zeigte er sich am Pro­jekt der Bio­gas­an­la­ge, die der­zeit in Wend­ling­hau­sen ent­steht: »Wir ha­ben schon 1995 eine kleine Bio­gas­an­lage in Be­trieb ge­nom­men, aber diese An­lage mit 700 kW Leis­tung und Ver­sor­gung von Wohn­häu­sern und Ge­wer­be­be­trie­ben ist ein ein­deu­tig rich­ti­ger Schritt in die de­zen­trale Ener­gie­ver­sor­gung«, er­klärte Häus­ling. Die An­la­ge, de­ren Grund­stein in Kürze ge­legt und noch in die­sem Jahr in Be­trieb ge­hen soll, pro­du­ziert aus nach­wach­sen­den Roh­stof­fen Strom und Wär­me. »­Bei uns kommt keine Gülle in die An­la­ge, son­dern nur feste Stoffe wie Mist, Klee und Ganz­pflan­zen-Si­la­ge« er­klärt Joa­chim von Re­den.

Ü­ber­ein­stim­mend zeig­ten sich beide Bio-Land­wirte bei der Ab­leh­nung von gen­tech­nisch ver­än­der­tem Saat­gut in der Land­wirt­schaft. »Wir Bio-Bau­ern ha­ben das glei­che Recht wie an­dere Land­wirte un­sere Pro­dukte zu pro­du­zie­ren. Wenn aber durch ver­un­rei­nigte Fut­ter­mit­tel, schlecht ge­säu­berte Ver­ar­bei­tungs­ma­schi­nen oder durch Sa­men­ein­trag un­sere Ernte bei den Un­ter­su­chun­gen durch­fal­len, tra­gen al­lein wir das Ri­siko ei­nes To­tal­aus­falls.« Der Bio-Bauer ga­ran­tiere ge­genü­ber den Ab­neh­mern, dass seine Le­bens­mit­tel hun­dert­pro­zen­tig frei von Gen­tech­nik sei­en, so Häus­ling.

»85 Pro­zent der Ver­brau­cher in Deutsch­land möch­ten Le­bens­mit­tel ohne Gen­tech­ni­k«, be­kräf­tigte von Re­den, dass die Land­wirt­schaft frei von Gen­ma­ni­pu­la­tion blei­ben müs­se. Er habe vor ei­ni­ger Zeit hoch­karätige Ver­tre­ter der Land­wirt­schaft, Le­bens­mit­tel­her­stel­lern, Bau­ern­ver­band und Saat­gut­her­stel­lern auf sein Schloss ein­ge­la­den. »Wir ha­ben ein­ein­halb Tage lang dis­ku­tiert, ob eine Ko­exis­tenz von Gen- und gen­freier Land­wirt­schaft mög­lich ist.« Da­bei sei klar ge­wor­den, dass es kei­nen um­fas­sen­den Schutz vor der un­be­ab­sich­tig­ten Ver­un­rei­ni­gung ge­ben kön­ne.

»Es darf nicht wie bei der Ka­ta­stro­phe von Tscher­no­byl so sein, dass erst et­was pas­sie­ren muss, wenn es zu spät ist«, ver­deut­licht auch Mar­tin Häus­ling sei­nen Stand­punkt. »­Die un­kon­trol­lier­ba­ren Fol­gen sind da­bei kein Pro­blem nur von uns Bio-Bau­ern, son­dern der ge­sam­ten Land­wirt­schaft!«

vom 16.05.2009 | Ausgabe-Nr. 20B

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