LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Augustdorf

Ehrenhain in der Kaserne musste um zwei Steine vergrößert werden:

In stillem Gedenken an einen jungen Soldaten

 

Au­gust­dorf (bo). Die Sonne war längst ver­schwun­den, Stille war ein­ge­kehrt, nur ein paar Fa­ckeln sorg­ten für ein we­nig Licht als am ver­gan­ge­nen Sonn­tag­abend die Töne vom to­ten Ka­me­ra­den leise ü­ber die Au­gust­dor­fer Ka­serne zo­gen. Ein Mo­ment des Er­in­nerns, des Ge­den­kens, ein Mo­ment des Trau­erns. Au­gen­blick zu­vor hatte der Kom­man­deur der Pan­zer­bri­gade 21, Ge­ne­ral Jür­gen Weigt, einen Ge­denk­stein ein­ge­weiht, den ach­ten auf dem Gelände der Ka­ser­ne. Die­ser achte Stein ist ei­nem jun­gen Mann ge­wid­met, ei­nem Sol­da­ten der Bri­ga­de, der vor we­ni­gen Wo­chen im Dienst sein Le­ben ver­lo­ren hat. Die­ser Volks­trau­er­tag war kein nor­ma­ler Ge­denk­tag. Vor ge­nau ei­nem Jahr hatte Ge­ne­ral Weigt be­tont, es sei ein gu­tes Jahr für die Bri­gade ge­we­sen, denn kein Sol­dat habe in den zurück­lie­gen­den zwölf Mo­na­ten sein Le­ben ver­lo­ren. Das war 2006. Seit dem Tag schlug das Schick­sal gleich drei Mal zu. Die äl­te­ren wüss­ten ge­nau, warum sie trau­er­ten, warum sie der To­ten der Welt­kriege und der Op­fer von Ge­walt und Ter­ror ge­den­ken, »a­ber bei den Jün­ge­ren fällt doch der zeit­li­che Ab­stand ins Ge­wicht, der ihre Le­bens­er­fah­rung von den his­to­risch ab­ge­rück­ten Schreck­nis­sen der bei­den Welt­kriege trennt«, so Weigt. Mit sechs Stei­nen wurde die Ge­denkstätte in der Ka­serne vor ei­nem Jahr ein­ge­weiht. Jetzt ste­hen an glei­cher Stelle acht Stei­ne, stumme Zeu­gen und Mahn­male zu­gleich. Sie ste­hen für Er­eig­nisse , die den Sol­da­ten »ein Stück weit Un­schuld ge­raub­t« ha­ben. Am 9. De­zem­ber 2006 wa­ren zwei Sol­da­ten bei ei­nem Ar­til­le­rie­schießen in der Ober­lau­sitz durch einen Feh­ler im Ge­schütz getötet. Dann kam der 8. Ok­to­ber die­sen Jah­res und eine Ü­bung an der El­be, »un­fass­bar, wie­der ei­ner von un­s«. Der 23-jäh­rige Grund­wehr­dienst­leis­tende Mar­cel D. war mit sei­nem Kampf­pan­zer Leo­pard II in die Elbe ge­stürzt und während sich drei Ka­me­ra­den ret­ten konn­ten, kam für den Ober­ge­frei­ten jede Hilfe zu spät. »Weih­nach­ten wäre seine Dienst­zeit ab­ge­lau­fen. Dann hätte er sein ge­wohn­tes Le­ben wie­der auf­neh­men kön­nen. Ein er­füll­tes Le­ben hätte vor ihm ge­le­gen«, so Weigt, »wenn nicht die­ser 8. Ok­to­ber ge­we­sen wäre.« Der Ge­denk­stein für Mar­cel D. ist der achte Ge­denk­stein in der Au­gust­dor­fer Ka­ser­ne. Weigt: »In ihm drü­cken wir, die­je­ni­gen, die zurück blei­ben muss­ten, un­sere Dank­bar­keit aus, wir an­er­ken­nen Leis­tung, zei­gen Ver­bun­den­heit und Ka­me­rad­schaft, ü­ber den Tod hin­aus. Auch als Er­in­ne­rung dar­an, dass es für die Sol­da­ten der Pan­zer­bri­gade 21 selbst­ver­ständ­lich ist, kei­nen Ka­me­ra­den zurück zu las­sen.« Die Ge­denk­steine seien je­doch nicht nur ein Ort des Trau­ern und des Mah­nens: »­Die hier plat­zier­ten Ge­denk­steine stel­len je­den Mor­gen, wenn wir in die Ka­serne ein­fah­ren, stumm die Fra­ge, ob wir al­les in un­se­rer Macht ste­hende ge­tan ha­ben, um zu ver­hin­dern, dass wei­tere Sol­da­ten der Bri­gade ihr Le­ben oder ihre Ge­sund­heit in Ein­satz, aber auch bei der all­täg­li­chen Aus­bil­dung ver­lie­ren oder ge­fähr­den«, so Ge­ne­ral Jür­gen Weigt. Mehr als 20 An­gehö­rige des kürz­lich ver­stor­be­nen Sol­da­ten wa­ren nach Au­gust­dorf ge­kom­men, um die­ser Ge­denk­stunde bei­zu­woh­nen. Und so wa­ren die Töne vom Lied des gu­ten Ka­me­ra­den das Ein­zi­ge, was die Stille der Er­in­ne­rung, des Ge­den­kens an die­sem Abend durch­brach.

vom 24.11.2007 | Ausgabe-Nr. 47B

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten