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Feuerwehrleute aus fünf Gemeinden bestanden Atemschutz-Lehrgang

Topfit geht’s bis zur Leistungsgrenze

Lügde (af­k). La­chen konn­ten sie zum Schluss doch wie­der al­le, aber die Aus­bil­dung zum Atem­schutz­trä­ger bei der Feu­er­wehr ist schon eine nicht zu un­ter­schät­zende An­stren­gung. 20 Ak­tive (dar­un­ter mit Mi­chelle Tal­au, Ma­rina Ta­sche und Ja­nina Bra­ke­meier aus Blom­berg so­wie Ka­tha­rina Heit­kamp aus Ex­ter­tal auch vier Frau­en) der Frei­wil­li­gen Feu­er­weh­ren Blom­berg (3), Dören­trup (2), Ex­ter­tal (2), Lügde (10) und Schie­der-Schwa­len­berg (3) ha­ben sich die­ser stra­pa­ziö­sen Aus­bil­dung frei­wil­lig un­ter­wor­fen und in 25 prak­ti­schen und theo­re­ti­schen Stun­den an meh­re­ren Wo­chen­en­den im Ver­lauf von zwei Jah­ren die we­sent­li­chen Kennt­nisse in der Brand­bekämp­fung un­ter Ein­satz von Press­luft­geräten er­lernt. »Das ist eine der här­tes­ten Aus­bil­dun­gen, die es im Feu­er­wehr­we­sen gibt, denn hier muss je­der kör­per­lich und psy­chisch an seine Leis­tungs­grenze ge­hen«, er­klärt Jörg Ja­kob, stell­ver­tre­ten­der Stadt­brand­meis­ter von Lügde als Spre­cher der Aus­bil­der­ge­mein­schaft, die die sechs Ge­mein­den aus dem Lip­pi­schen Sü­dos­ten ein­ge­gan­gen sind. Es ist schon psy­chisch eine enorme Ü­ber­win­dung in ver­qualm­te, un­durch­schau­bare und un­be­kannte Räume hin­ein­zu­ge­hen, wohl wis­send, dass die ei­gene Ge­sund­heit an ei­ner Press­luft­fla­sche hängt. Che­mi­sche Sub­stan­zen im Rauch ver­brann­ter Bau­ma­te­ria­lien und Ein­rich­tungs­ge­genstände ge­fähr­den da­bei die Ge­sund­heit von Feu­er­wehr­leu­ten im Ein­satz. Zur Si­cher­heit und um ei­nem er­höh­ten Er­kran­kungs­ri­siko ent­ge­gen zu wir­ken, wird dem Atem­schutz bei der Feu­er­wehr ver­ständ­li­cher­weise große Be­deu­tung bei­ge­mes­sen. Aber selbst die vor der Aus­bil­dung be­kann­ten An­stren­gun­gen hal­ten die Feu­er­wehr­leute nicht da­von ab, die Her­aus­for­de­run­gen an­zu­neh­men. Wie Jörg Ja­kob bestätigt, muss man sich zur­zeit beim Nach­wuchs für Atem­schutz­trä­ger keine Sor­gen ma­chen, denn die Nach­frage nach die­ser Aus­bil­dung wächst stän­dig. Im Grund­lehr­gang sind der­zeit be­reits 40 junge Män­ner und Frauen da­bei.

Am An­fang der Aus­bil­dung steht für alle eine in­ten­sive me­di­zi­ni­sche Un­ter­su­chung durch Ärz­te, die selbst durch Zu­satz­qua­li­fi­ka­tio­nen für diese Auf­gabe zu­ge­las­sen sein müs­sen. Je­doch mit die­ser ärzt­lich nach­ge­wie­se­nen und bestätig­ten kör­per­li­chen Fit­ness ist es längst nicht ge­tan, denn im späte­ren Ver­lauf der Aus­bil­dung müs­sen alle durch eine ei­gens in Lemgo ein­ge­rich­tete Atem­schutz­strecke, in der höchste kör­per­li­che Be­las­tun­gen un­ter schwers­ten äußer­li­chen Be­din­gun­gen ab­ver­langt wer­den. Die Atem­luft kommt da­bei aus­sch­ließ­lich aus der Press­luft­fla­sche auf dem Rü­cken. Während die­ses Tests ste­hen alle Teil­neh­mer ab er stän­dig un­ter me­di­zi­ni­scher Kon­trol­le, so dass im Not­fall kom­pe­tent ein­ge­grif­fen und ver­sorgt wer­den kann – eine Ge­fähr­dung für die Teil­neh­mer be­steht zu kei­ner Zeit.

Ne­ben viel Theo­rie kommt es aber auch zu Einsät­zen un­ter rea­lis­ti­schen Be­din­gun­gen. Na­hezu ideale Vor­aus­set­zun­gen gab’s jetzt in Lüg­de. Im ehe­ma­li­gen Ge­bäude des Haus­meis­ters des Lüg­der Schul­zen­trums am Ram­berg hat­ten die Aus­bil­der schon für ein rea­lis­ti­sches Sze­na­rio ge­sorgt: In stark ver­qualm­ten Räu­men muss­ten die Teil­neh­mer einen im­mer­hin 75 Ki­lo­gramm schwe­ren Dummi or­ten und ber­gen – und das in vol­ler Mon­tur und Aus­rüs­tung und un­ter Ein­hal­tung der Si­cher­heits­vor­ga­ben. »Das ist an­fangs schon sehr ge­wöh­nungs­be­dürf­tig«, be­rich­tet Ja­kob aus Er­fah­rung. »­Durch die Maske ist das Sicht­feld ein­ge­schränkt. Dazu kom­men die phy­si­sche und auch die psy­chi­sche Be­las­tung. Da steigt der Puls schon mal ge­wal­tig an.«

Dass der »Frei­zeit-Job« ei­nes Ak­ti­ven in der Feu­er­wehr ne­ben stän­dig wach­sen­dem Fach­wis­sen auch im­mer mehr phy­si­sche Leis­tungs­fähig­keit vor­aus­setzt, das spüren die Teil­neh­mer bei den Be­las­tun­gen deut­lich. »Kör­per­lich ka­men ei­nige schon an ihre Gren­zen. Wir in Lügde bie­ten des­halb un­se­ren Ak­ti­ven ein Trai­ning in ei­nem Fit­ness-Stu­dio an. Ne­ben ei­nem Ei­gen­an­teil fi­nan­ziert auch die Feu­er­wehr die Teil­nahme mit­«, sagt Lehr­gangs­lei­ter Ja­kob. Die Aus­bil­dungs­mo­dule wer­den auf die sechs lip­pi­schen Mit­glieds­ge­mein­den der Aus­bil­der­ge­mein­schaft ver­teilt und je­des Mit­glied stellt auch einen Aus­bil­der. »­Der ab­sch­ließende Teil mit prak­ti­schen Ü­bun­gen und der schrift­li­chen Ab­schluss­prü­fung wird dann hier in Lügde durch­ge­führt, weil wir hier die Mög­lich­keit vor Ort ha­ben, die Atem­fla­schen am Kom­pres­sor wie­der zu fül­len. Das ver­ein­facht das Ver­fah­ren doch er­heb­lich, weil uns lange Trans­port­wege nach Lemgo er­spart blei­ben«, er­klärt Jörg Ja­kob, der ab­sch­ließend die großar­tige Stim­mung und die Leis­tungs­be­reit­schaft die­ses jetzt zu Ende ge­gan­ge­nen Lehr­gangs lob­te. Am Ende des letz­ten Lehr­gangs­mo­duls durf­ten sich alle 20 ihre er­folg­rei­che Teil­nahme bestäti­gen las­sen.

vom 29.10.2008 | Ausgabe-Nr. 44A

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