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"Es war anstrengend, aber es hat auch viel Spaß gemacht"

Das Sozialhilfeprojekt "Laden" von Ehrenamtlichen der Kirchengemeinden in Lügde hat seit Montag seine Türen geschlossen

 

Die ka­tho­li­sche und die evan­ge­li­sche Kir­chen­ge­mein­den hat­ten sich im No­vem­ber 2015 zum Höhe­punkt des An­sturms von Flücht­lin­gen ent­schlos­sen, die­ses So­zi­al­pro­jekt in Lügde eh­ren­amt­lich auf­zu­bau­en. Durch­aus er­folg­reich, wie nicht nur die Mit­strei­ter auch heute in der Rück­schau emp­fin­den. Eine Klei­der­kam­mer hatte es schon zwei Jahre zu­vor im Lüg­der Wi­chern­haus, dem Ge­mein­de­haus der evan­ge­li­schen St. Jo­han­nis-Ge­mein­de, ge­ge­ben, da­mals ge­grün­det, um ge­zielt ein­rei­sende Russ­land­deut­schen aus­stat­ten zu kön­nen. Aber 2015 kam man dann im Ge­mein­de­haus nach der Zu­wei­sung von Flücht­lin­gen aus Sy­ri­en, Irak, Iran und Nord­afrika schnell an die räum­li­chen Ka­pa­zitäts­gren­zen, er­in­nert sich Irene Hö­ner­bach. Schnell war klar: es musste mehr Platz her! Das La­den­lo­kal und die Back­stube der ehe­ma­li­gen Bä­cke­rei Schnei­de­wind, zen­tral in der Mitt­lere Straße ge­le­gen, stan­den zur Ver­fü­gung und er­füll­ten die An­for­de­run­gen für den neuen Zweck, Be­dürf­tige mit Din­gen des All­tags zu ver­sor­gen. Die Auf­gabe der prak­ti­schen Um­set­zung ü­ber­nah­men so­fort zahl­rei­che Eh­ren­amt­li­che, die Fi­nan­zie­rung der Ein­rich­tung teil­ten sich bis Ok­to­ber 2017 das Ö­ku­me­ni­sche Netz­werk Flücht­lings­ar­beit, be­ste­hend aus Gre­mien der ka­tho­li­schen St. Ma­rien und die evan­ge­li­schen St. Jo­han­nis-Kir­chen­ge­mein­de. Zu­schüsse für die­ses Pro­jekt gab es auch aus dem Erz­bischöf­li­chen Flücht­lings­fond. "­Die Be­völ­ke­rung und Fa­mi­lie Schnei­de­wind ha­ben uns von Be­ginn an großar­tig un­ter­stütz­t", ist Irene Hö­ner­bach dank­bar. "Das hat uns die Ar­beit er­heb­lich er­leich­ter­t." Der Mon­tag, das hät­ten ihre Fa­mi­lien ak­zep­tiert, gehörte fortan in den letz­ten vier Jah­ren "ih­rem La­den", denn dann war dort "Haupt­kampf­tag" an dem die Be­dürf­ti­gen, aus­ge­stat­tet mit ei­nem ent­spre­chen­den Be­rech­ti­gungs­aus­weis vom So­zi­al­amt oder Job­cen­ter, hier "ein­kau­fen" konn­ten. Wo­bei der Ein­kauf in die­sem ganz spe­zi­el­len "­Ge­schäft" kei­ner im herkömm­li­chen Sinn war, denn hier wurde nichts ver­kauft. Viel­mehr konn­ten sich Be­dürf­tige in den Räum­lich­kei­ten der frühe­ren Bä­cke­rei Schnei­de­wind ge­gen einen klei­nen Obo­lus mit al­lem ein­de­cken, was für den All­tag er­for­der­lich war - außer Le­bens­mit­tel. "Wir ha­ben ganz vie­len Men­schen auf ih­rem Weg in ihr neues Le­ben hel­fen kön­nen", be­rich­tet Irene Hö­ner­bach. Ei­ner von ih­nen kommt an die­sem Schluss­tag: Te­dros Eyob, der vor vier Jah­ren aus Eri­trea ge­flüch­tet in Lügde stran­de­te, war bei der Eröff­nung des La­den­lo­kals ei­ner der ers­ten und ist am Mon­tag der letzte "­Kun­de", der sich noch et­was aus dem Fun­dus holt. Der junge Mann macht zur­zeit ein Prak­ti­kum und holt den Haupt­schul­ab­schluss nach. "Wie bei ihm ha­ben wir bei vie­len Fa­mi­lien de­ren In­te­gra­ti­ons­pro­zess ver­fol­gen kön­nen und auch ak­tiv mit un­ter­stützt, in­dem wir schu­lisch hal­fen oder auch Woh­nen oder Prak­ti­kums­plätze ver­mit­teln konn­ten", be­rich­tet Mo­nika Strahl. "Es war für uns zwar an­stren­gend, aber es hat uns al­len viel Spaß ge­macht. Und die Kon­takte ha­ben auch uns was ge­ge­ben, manch­mal auch Res­sen­ti­ments und ei­gene Scheu ab­ge­baut." Die meis­ten seien in­zwi­schen an­ge­kom­men und ha­ben ih­ren ei­ge­nen Weg ge­fun­den –"so wie man sich ge­lun­gene In­te­gra­tion vor­stell­t", freut sich die Lüg­de­rin. So sit­zen sie in gemüt­li­cher Runde zu­sam­men, stoßen auf diese er­folg­rei­chen vier Jahre mit ei­nem Glas Sekt an und sind ne­ben spür­ba­rem Be­dau­ern aber auch er­leich­tert, dass der Mon­tag ih­nen fortan nun auch wie­der für ei­gene Ak­ti­vitäten zur Ver­fü­gung ste­hen wird. Die Klei­dung von Klei­der­stän­dern wird ver­packt und nun auf die an­de­ren ge­meinnüt­zi­gen Aus­ga­be­stel­len beim DRK, bei der AIBP und der Sam­mel­stelle in der Dra­ke­straße Bad Pyr­mont ver­teilt, be­vor das La­de­lo­kal be­sen­rein wie­der an die Ver­mie­ter-Fa­mi­lie Schnei­de­wind zurück­ge­ge­ben wird. (LM­H/AFK)

vom 31.08.2019 | Ausgabe-Nr. 35B

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