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Die Körner des Anstoßes sind nur klein, aber viele

Das Granulat auf Kunstrasenplätzen wird heiß diskutiert und steht nicht nur bei der Europäischen Union zur Debatte

Kreis Lippe (k­m). Während die Pro­fis nach wie vor auf den gu­ten al­ten Na­tur­ra­sen schwören, ist im Ama­teur­fuß­ball Kunst­ra­sen der Spiel­feld­be­lag der Wahl. Die Vor­teile lie­gen klar auf der Hand. Die Ka­pa­zität der Hal­len­zei­ten sind vor al­lem im Win­ter be­grenzt, ein Kunst­ra­sen­platz ist – außer bei Eis und Glätte – ganz­jäh­rig be­spiel­bar. Die Plätze brau­chen nur we­nig Pfle­ge, sind sehr be­last­bar und ha­ben so gut wie keine Re­ge­ne­ra­ti­ons­zeit. Aus ge­nau die­sen Grün­den ha­ben viele Ver­eine ihre Na­tur­ra­sen­plätze durch Kunst­ra­sen­plätze aus­ge­tauscht.

Da­mit der Platz die not­wen­dige Sta­bi­lität be­kommt, zur Ver­bes­se­rung der Spielei­gen­schaf­ten und um die Ver­let­zungs­ge­fahr zu re­du­zie­ren, wird er zu­sätz­lich mit Gum­mi­gra­nu­lat ab­ge­streut. Und ge­nau das wird jetzt zum Stein, oder bes­ser ge­sagt, zum Körn­chen des An­stoßes. Die Eu­ropäi­sche Union plant ab 2022 das Gra­nu­lat auf Kunst­ra­sen­plät­zen zu ver­bie­ten. Rund 5.000 Kunst­ra­sen­plätze gibt es in Deutsch­land. Sollte die EU mit ei­nem Ver­bot Er­folg ha­ben, könnte dies ein zu­min­dest zeit­wei­ses Aus für den Ama­teur­fuß­ball be­deu­ten. Al­ler­dings soll es so weit erst gar nicht kom­men, zu­mal ein kom­plet­tes Ver­bot oh­ne­hin auf der Kippe steht. Im Kreis Lippe sind die Sport­plätze vor­wie­gend in der Hand der Städte und Ge­mein­den. In Det­mold bei­spiels­weise sind erst in die­sem Som­mer zur Fe­ri­en­zeit und da­mit in der spiel­freien Zeit ei­nige Kunst­ra­sen­plätze frisch mit Gra­nu­lat auf­ge­füllt wor­den. Plät­ze, bei de­nen der Be­lag auf­grund der Ab­nut­zung völ­lig aus­tauscht wer­den muss, sol­len in Zu­kunft mit ei­nem Kork-Sand­ge­misch ver­füllt wer­den, heißt es sei­tens der Stadt Det­mold. Die Al­ter­na­ti­ven kön­nen al­ler­dings auch Pro­bleme mit sich brin­gen. Eine reine Sand­fül­lung sei nach An­ga­ben des Städte- und Ge­mein­de­bun­des eine güns­tige Al­ter­na­ti­ve, aber eher als Ü­ber­gangs­lö­sung ge­dacht. We­gen der ge­rin­ge­ren Stadt­fes­tig­keit könn­ten sich die Sport­ler näm­lich schnel­ler ver­letz­ten als bei ei­ner Kunst­stoff­fül­lung. Kork wie­derum ma­che den Bo­den stumpf und gelte als schim­mel­ge­fähr­det, da er ein natür­li­cher Roh­stoff ist. Zu­dem sei völ­lig un­klar, ob die Kork-Bestände aus­rei­chen wür­den, um die wach­sende Nach­frage zu be­die­nen. "Wel­ches Füll­ma­te­rial sich am Ende durch­setzt, wird erst die Zu­kunft zei­gen", ver­mu­tet Phil­ipp Stem­pel vom Städte- und Ge­mein­de­bund NRW. Ne­ben Nord­rhein-West­fa­len ha­ben auch ver­schie­dene an­dere Bun­des­län­der, wie Ba­den-Würt­tem­berg, Bre­men, Ham­burg, Hes­sen, Nie­der­sach­sen, Rhein­land-Pfalz und Schles­wig-Hol­stein be­reits fest­ge­legt, zunächst erst mal keine För­der­mit­tel für Kunst­ra­sen­plätze mit Gra­nu­lat be­reit­zu­stel­len. Plät­ze, für die be­reits ein För­deran­trag ge­neh­migt wur­de, sind von die­ser Re­ge­lung aus­ge­nom­men. Al­ler­dings könnte hier in ab­seh­ba­rer Zeit eine Um­rüs­tung not­wen­dig wer­den.

vom 07.08.2019 | Ausgabe-Nr. 32A

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