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"Klärschlamm ist nicht anderes, als Sondermüll"

Bürgerinitiative wehrt sich gegen eine mögliche Klärschlammverbrennung in der Alten Hansestadt

 

Der­zeit in­ves­tiert die In­itia­tive viel Ar­beit dar­in, Mit­bür­ger zu in­for­mie­ren und Un­ter­schrif­ten ge­gen einen ge­plan­ten Bau zu sam­meln. Ü­ber 600 Un­ter­schrif­ten ha­ben sie be­reits zu­sam­men­ge­tra­gen. Warum sie sich ge­gen eine Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­lage weh­ren, er­klären sie im In­ter­view­."­Bei un­se­ren Ak­tio­nen geht es nicht um reine Ver­hin­de­rungs­po­li­tik, son­dern darum auf­zu­zei­gen, dass es sehr viel bes­sere Al­ter­na­ti­ven gib­t", er­klärt die Bür­ger­in­itia­tive ge­mein­schaft­lich. "Und der Weg kann nur ü­ber die be­reits aus­ge­schrie­bene OWL-Ge­mein­schafts­lö­sung ge­hen. So­wohl die Müll­ver­bren­nungs­an­lage Bie­le­feld, als auch die West­fa­len We­ser Ener­gie be­wer­ben sich um die Ent­sor­gung des ge­sam­ten OWL-Klär­schlamms. Beide Un­ter­neh­men se­hen sich in der La­ge, ö­ko­lo­gi­sche, ö­ko­no­mi­sche und recht­li­che Vor­aus­set­zun­gen zu er­fül­len.

Ö­ko­no­mi­sche Gründe "­Sol­che An­la­gen kön­nen nur wirt­schaft­lich be­trie­ben wer­den, wenn sie im Dau­er­be­trieb lau­fen, was erst ab ei­nem Jah­res­auf­kom­men von 30.000 Ton­nen der Fall ist. In Lemgo re­det man der­zeit von 3.000 Ton­nen pro Jahr. Mit nur 10 Pro­zent Aus­las­tung glau­ben wir, dass nicht mit of­fe­nen Kar­ten ar­gu­men­tiert und eine nach­ge­la­gerte Ver­größe­rung der Ka­pa­zität be­reits jetzt kal­ku­liert wird. Zu­sätz­lich un­ter­strei­chen eine Viel­zahl an Kos­ten­rech­nun­gen ähn­li­cher An­la­gen, dass ein wirt­schaft­li­cher Be­trieb ei­ner Mo­no­klär­schlamm-Ver­bren­nungs­an­lage we­gen der Grun­din­ves­ti­tio­nen (un­ter an­de­rem zweier Fil­ter­sys­te­me) erst ab Vol­laus­las­tung trag­bar ist." Ö­ko­lo­gi­sche Gründe "Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­gen sind im Prin­zip we­gen der wech­seln­den und nicht kal­ku­lier­ba­ren Zu­sam­men­set­zung des Grund­stof­fes im Grunde Son­der­müll­ver­bren­nungs­an­la­gen, wes­halb erst ein Ein­satz best­mög­li­cher und zer­ti­fi­zier­ter Fil­ter­sys­teme und aus­rei­chend ho­her Schorn­steine ge­ge­ben sein muss. Nur im Dau­er­be­trieb, also ohne An­fah­ren oder Her­un­ter­fah­ren der An­la­ge, kön­nen Emis­sio­nen und Ge­stank ver­mie­den wer­den – also ab 30.000 Ton­nen pro Jahr. Ein wei­te­rer Aspekt be­trifft die Fahrt­we­ge: Auch wenn An­fahrts­wege bei zen­tra­len An­la­gen kür­zer und güns­ti­ger sein mö­gen, wird der Aspekt durch die Her­stel­lung und den Bau ei­ner sol­chen An­lage in der Ge­samt­bi­lanz ö­ko­lo­gisch weit ü­ber­kom­pen­siert. Das Hand­ling vor Ort beim Ent­la­den, Um­fül­len, La­gern und Trans­port er­for­dert auf­wän­dige tech­ni­sche Lö­sun­gen und hier­für sind klei­nere An­la­gen in der Re­gel nicht aus­ge­legt. Auch der Ab­stand zur Wohn­be­bau­ung und zu sen­si­blen Land­schaftss­truk­tu­ren, eine mög­lichst ge­ringe Ge­ruchs­be­las­tung und Be­las­tun­gen durch den Schwer­last­ver­kehr ist in Lemgo nicht ge­ge­ben. Blickt man in die Zu­kunft, so wird die die Phos­phorrück­ge­win­nung in den nächs­ten 10 bis 20 Jah­ren tech­ni­sche nur nach ei­ner Mo­no­klär­schlamm-Ver­bren­nung aus der Asche mög­lich sein." Ju­ris­ti­sche Gründe "­Der­ar­tige Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­la­gen un­ter­lie­gen stren­gen, ju­ris­tisch ge­re­gel­ten Rah­men­be­din­gun­gen. Der Bau am Lie­mer Weg würde ge­gen eine Reihe von Vor­schrif­ten ver­stoßen. Die In­itia­tive hat Kon­takte zu ei­ner, auf der­ar­tige Fra­ge­stel­lun­gen spe­zia­li­sier­ten, re­nom­mier­ten An­walts­kanz­lei auf­ge­nom­men, die wir mit dem Thema be­auf­tra­gen wür­den, wenn Stadt­werke und der Rat der Stadt den Plan nicht kip­pen wer­den. In der Zwi­schen­zeit ha­ben wir hun­derte Un­ter­schrif­ten ge­gen den ge­plan­ten Bau ei­ner sol­chen An­lage ge­sam­melt und es wer­den täg­lich mehr." "Vor kur­zem muss­ten die Stadt­werke eine Er­höhung der Fern­wär­me­preise ankün­di­gen. Wei­tere Preis­er­höhun­gen für Lem­goer Bür­ger ste­hen an, soll­ten die Stadt­werke den Plan ei­ner ei­ge­nen Klär­schlamm­ver­bren­nungs­an­lage nicht auf­ge­ben. Ü­ber­dies wer­den mit ei­ner sol­chen An­lage na­hezu alle Bür­ger be­trof­fen sein – durch Ge­ruchs­beläs­ti­gun­gen und Ge­sund­heits­ri­si­ken."

vom 27.07.2019 | Ausgabe-Nr. 30B

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