LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Kreis Lippe

Klärschlamm könnte als Wärmespeicher genutzt werden

Stadtwerke Lemgo könnten mit überschüssiger Fernwärme eine innovative Klärschlammtrocknungsanlage betreiben

 

"Wir könn­ten den an­fal­len­den Klär­schlamm tatsäch­lich als Wär­me­spei­cher nut­zen", stellt Stadt­werke-Ge­schäfts­füh­rer Arnd Ober­sche­ven den Grund­ge­dan­ken für das Pro­jekt vor. "Weil hier Block­heiz­kraft­werk und Fern­wär­me­lei­tung di­rekt am Zen­tral­klär­werk lie­gen, wäre diese Lö­sung für Lemgo durch­aus denk­bar." "Klär­schlamm wird so zu ei­ner Art Lang­zeitspei­cher von er­neu­er­ba­ren Wär­me­ener­gien", er­klärt dann auch Mi­chael Brie­den-Seg­ler vom Bie­le­fel­der "E & U Ener­gie­büro", der das Kli­ma­kon­zept für die Stadt Lemgo er­ar­bei­tet hat, das nach den Som­mer­fe­rien vor­ge­stellt wird. Das sei eine in­no­va­tive Mög­lich­keit für er­neu­er­bare Wär­me­ener­gie, da So­lar­ther­mie kaum län­ger zu spei­chern sei. Eine sol­che An­lage gäbe es in die­ser Form noch nicht auf dem Markt und sie könne das in­no­va­tive Kon­zept der neuen Ab­was­ser-Wär­me­pumpe der Stadt­werke gut er­gän­zen. Bis­lang ist es im Prin­zip nicht wirk­lich viel mehr, als eine Fin­dungs­pha­se, in der die Alte Han­se­stadt Lemgo und die Lem­goer Stadt­werke ste­cken, wie Arnd Ober­sche­ven und der Be­triebs­lei­ter der Ei­gen­be­triebsähn­li­chen Ein­rich­tung Straßen und Ent­wäs­se­rung Jür­gen Hen­nigs, be­to­nen. Da wird erst ein­mal die Fra­ge, ob es tech­nisch mach­bar und wirt­schaft­lich ist, ü­ber­prüft. Noch lau­fen die Mo­dell­rech­nun­gen – so­wohl bei den Stadt­wer­ken als auch bei der Ko­ope­ra­tion der Kom­mu­nen, bei der Lemgo auch mit von der Par­tie ist. Si­tua­tion in Lemgo heu­te: "In Lemgo fal­len jähr­lich etwa 3.000 Ton­nen Klär­schlamm mit ei­nem Fest­stoff­ge­halt von etwa 25 Pro­zent in der Zen­tral­klär­an­lage am Lie­mer Weg an. Bis­her ge­hen 1.500 Ton­nen je­des Jahr in die Kom­pos­tie­rung. Das ent­spricht etwa 126 An- und Ab­fahr­ten im Jahr, wie Jür­gen Hen­nigs er­klärt. "1.500 Ton­nen ge­hen jähr­lich in die ther­mi­sche Ver­wer­tung. Das sind 62 An- und Ab­fahr­ten im Jahr. In der Summe sind das also 376 Klär­schlamm-Fahr­ten jähr­lich." Seit dem no­vel­lier­ten Dün­ge­ge­setz und der neuen Dün­ge­ver­ord­nung wer­den Dün­ge­maß­nah­men aber un­ter an­de­rem stark ein­ge­schränkt. "­Sollte die Lö­sung heißen, den Klär­schlamm mit dem ho­hen Was­seran­teil (etwa 75 Pro­zent) außer­halb Lem­gos ab­trans­por­tie­ren zu müs­sen, kä­men wir auf etwa 180 An- und Ab­fahr­ten je­des Jahr - und noch ist nicht ge­klärt, wo­hin die Fahr­ten ge­hen wer­den", er­klärt Jür­gen Hen­nigs. Ar­gu­mente für einen neuen Lö­sungs­an­satz In den Som­mer­mo­na­ten pro­du­zie­ren die Stadt­werke re­gel­mäßig einen Ü­ber­schuss an Fern­wär­me. Die­sen Wär­meü­ber­schuss kann man nut­zen, um den Klär­schlamm zu trock­nen. Jür­gen Hen­nigs er­klärt: "Wie der Name schon sagt, kom­men in der Zen­tral­klär­an­lage alle Ab­wäs­ser aus Lemgo zu­sam­men. Diese Ab­wäs­ser wer­den me­cha­nisch bio­lo­gisch ge­rei­nigt. Der da­bei an­fal­lende Klär­schlamm wird im Faul­turm aus­gefault und an­sch­ließend ent­wäs­sert. Der Fest­stoff­ge­halt liegt erst ein­mal bei nur etwa 25 Pro­zent. Nach der Trock­nung des Klär­schlam­mes be­trägt er etwa 85 bis 90 Pro­zent, der dann ähn­lich der Form von Holz­pel­lets, zwi­schen­ge­la­gert wer­den kann, um dann in den Win­ter­mo­na­ten durch Ver­bren­nung wie­der Ener­gie ins Fern­wär­me­netz ein­zu­spei­sen. Die Asche kann in ei­ner De­poie ab­ge­la­gert oder ge­ge­be­nen­falls zwi­schen­ge­la­gert wer­den, um später – wenn die Phos­phor- Rück­ge­win­nung tech­nisch aus­ge­reift ist – die­sen zurück­zu­ge­win­nen. Un­ter Um­stän­den kann die Asche auch als Dün­ger ver­wen­det wer­den, wenn keine Schwer­me­talle ent­hal­ten sind und eine Zu­las­sung dafür vor­lieg­t." Der­zei­ti­ger Pla­nungs­stand "Wir sind erst in ei­ner Fin­dungs­pha­se", be­tont Arnd Ober­sche­ven. Es geht dar­um. die Mach­bar­keit zu ü­ber­prü­fen: Es geht um die Fra­ge, ob es tech­nisch um­setz­bar ist und was sich an spe­zi­fi­schen Kos­ten um­ge­setzt auf den Ku­bik­me­ter Klär­schlamm im Ver­hält­nis zu an­de­ren Lö­sun­gen er­ge­ben wür­den. Und auch die Ein­wände der An­woh­ner müs­sen wir be­ach­ten. Hier kön­nen wir al­ler­dings sa­gen, dass mo­derne An­la­gen so aus­ge­stat­tet sein müs­sen, dass gif­tige Ab­gase oder auch Gerüche nicht ent­ste­hen kön­nen. Es ist ein in sich ab­ge­schlos­se­nen Sys­tem, das mit Ab­sau­gein­rich­tun­gen und Fil­tern aus­ge­stat­tet wer­den muss", er­klärt er wei­ter. Nach der Trock­nung müsse die Bio­masse bei ü­ber 850 Grad ver­brannt wer­den, denn dann wür­den Schad­stoffe oder Gerüche gar nicht erst ent­ste­hen kön­nen, gibt Jür­gen Hen­nigs zu Be­den­ken. Gut­ach­ten sol­len das al­les im Vor­feld ü­ber­prü­fen. Sor­gen der An­woh­ner, eine mög­li­che An­lage rü­cke zu dicht an die Be­bau­ung, kön­nen Stadt und Stadt­werke nicht nach­voll­zie­hen. Was hin­ge­gen of­fen­sicht­lich sei, ist das Ent­fal­len un­nöti­ger Trans­port­wege auf Fel­der oder zu ei­ner zen­tra­len Klär­schlamm­ver­bren­nung. "­Der­zeit fah­ren etwa 188 Lkw das Klär­werk jähr­lich an und rol­len wie­der ab. Mit der Ver­bren­nung vor Ort wür­den es letzt­lich nur noch ins­ge­samt 40 Tou­ren wer­den und da­mit die Ver­kehrs­be­las­tung vor Ort deut­lich re­du­zier­t", rech­net der Stadt­werke-Chef vor. Zu­dem müsse der Klär­schlamm auch nicht mehr zur neuen Ver­bren­nungs­an­lage trans­por­tiert wer­den. Die CO2-Ein­spa­rung sei schon enorm. Erst nach den Som­mer­fe­rien liegt die Wirt­schaft­lich­keitsprü­fung vor. Eine Ent­schei­dung muß nach dem Zeit­plan der OWL – Ko­ope­ra­tion bis Ende Ok­to­ber 2019 er­fol­gen, weil in der Fol­ge­zeit die Ver­träge ab­ge­schlos­sen und auch das Aus­schrei­bungs­ver­fah­ren vor­be­rei­tet und ein­ge­lei­tet wer­den sol­len und in­so­fern die Klär­schlamm­men­gen ab­sch­ließend fest­lie­gen müs­sen.

vom 27.07.2019 | Ausgabe-Nr. 30B

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten