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Von fliegenden Gleisen und hängenden Loren Ausstellung im Ziegeleimuseum Lage zeigt Feldbahngeschichten aus Westfalen und Lippe

ine Feldbahn des Kalkwerks Müller kreuzt die B 68 in Künsebeck (1966). Die Lokomotive wurde 1935 von Orenstein & Koppel gebaut. Foto: Helmut Beyer

ine Feld­bahn des Kalk­werks Mül­ler kreuzt die B 68 in Kün­se­beck (1966). Die Lo­ko­mo­tive wurde 1935 von Oren­stein & Kop­pel ge­baut. Fo­to: Hel­mut Beyer

Alle Bei­spiele stam­men aus West­fa­len und Lip­pe. Auf Glei­sen im Frei­gelände des Mu­se­ums sind ein Dut­zend Ori­gi­nal­fahr­zeuge zu be­sich­ti­gen, dar­un­ter eine Hy­drau­li­k­lok der Zie­ge­lei Ke­ra­wil aus Löh­ne, eine E-Lok der Dören­tru­per Sand- und Thon­wer­ke, Kipp­lo­ren so­wie spe­zi­elle Erz- und Land­wirt­schafts­wa­gen. Die­sel­loks der Zie­ge­lei Beer­mann aus Syl­bach dre­hen an Be­triebs­ta­gen (4. Au­gust, 1. Sep­tem­ber, 6. und 13. Ok­to­ber) ihre Run­den. Das LWL-In­dus­trie­mu­seum hat die Aus­stel­lung in Zu­sam­men­ar­beit mit den Feld­bahn­for­schern Dr. Burk­hard Beyer und Rü­di­ger Uff­mann so­wie den Feld­bahn­freun­den Lippe e.V. rea­li­siert. Der Name "­Feld­bahn" geht auf eine Er­fin­dung des franzö­si­schen Guts­be­sit­zers Paul-Ar­mand De­cau­ville zurück, der 1875 für die Ernte ein ein­fa­ches, wet­te­ru­n­ab­hän­gi­ges Trans­port­sys­tem such­te. Er ent­wi­ckelte ein trans­por­ta­bles, leicht ver­leg­ba­res Schie­nen- und Fahr­zeug­sys­tem, das zu­erst auf sei­nen Fel­dern zum Ein­satz kam. "Ihre Fle­xi­bi­lität und An­pas­sungs­fähig­keit machte die Feld­bahn schon bald welt­weit zu ei­nem wich­ti­gen Trans­port­mit­tel", er­klärte Mu­se­ums­lei­ter Willi Kulke bei der Vor­stel­lung der Aus­stel­lung in La­ge. Schnell ver­leg­bare Gleise und Kipp­lo­ren wur­den auf Bau­stel­len, in Wäl­dern, beim Tor­fab­bau und in Zie­ge­leien ein­ge­setzt. Die meis­ten Wa­gen wur­den ge­scho­ben, manch­mal be­weg­ten Pferde und Och­sen die Wa­gen. Größere Be­triebe be­schaff­ten auch Dampf­loks, später Die­sel­loks. Im Berg­bau an der Ruhr gab es im 18. Jahr­hun­dert Wa­gen mit Holz­schie­nen für den Koh­len­trans­port, un­ter Tage und ü­ber Ta­ge. Schon 1790 be­gann man, Ei­senstü­cke auf die Holz­schie­nen zu na­geln, aus der Schie­be­bahn wurde eine Ei­sen­bahn. Zunächst be­weg­ten Pferde und Och­sen die Wa­gen. Die ers­ten Feld­bahn­lo­ko­mo­ti­ven wur­den wie ihre großen Schwes­tern mit Dampf be­trie­ben, we­nig später be­reits mit Elek­tri­zi­tät. Doch der Die­sel­mo­tor setzte sich durch. Die Her­stel­ler von Feld­bahn­loks – Hen­schel, Jung, Deutz, Schö­ma, Diema und viele an­dere - bau­ten Glei­se, Loks und Lo­ren für Feld­bah­nen und Gru­ben­bah­nen. Die Feld­bah­nen fuh­ren auf al­len großen Bau­stel­len, hal­fen beim Bau von Schiff­fahrts­kanälen und den ers­ten Au­to­bah­nen. Trüm­mer­bah­nen trans­por­tier­ten die Schutt­berge nach 1945 aus den Städ­ten. Torf­bah­nen er­mög­lich­ten den in­dus­tri­el­len Ab­bau der tro­cken­ge­leg­ten Moo­re. Seit den 1960er-Jah­ren er­setz­ten Ga­bel­stap­ler, För­der­bän­der und Last­wa­gen das tra­di­tio­nelle Trans­port­mit­tel.

vom 13.07.2019 | Ausgabe-Nr. 28B

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