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Die Grünen/ Bündnis 90 - Dr. Inga Kretzschmar und Robin Wagener

Wo se­hen sie be­son­dere Her­aus­for­de­run­gen für Eu­ro­pa? Un­sere Welt än­dert sich ra­sant. Die Um­wäl­zun­gen der Kli­ma­kri­se, der Glo­ba­li­sie­rung, der Di­gi­ta­li­sie­rung und der de­mo­gra­phi­schen Ent­wick­lung ma­chen die Welt im­mer un­ü­ber­sicht­li­cher. Durch diese Ent­wick­lung ist die Eu­ropäi­sche Union Her­aus­for­de­run­gen von außen (durch Russ­land, die Tür­kei, ein er­star­ken­des China und die USA) und von in­nen aus­ge­setzt. Gleich­zei­tig ver­sucht erst­mals ein Land die Ge­mein­schaft zu ver­las­sen. Aber wir sind ü­ber­zeugt, den Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit kön­nen wir uns nur ge­mein­sam in der Eu­ropäi­schen Union stel­len. Nicht Ver­ein­fa­chung im Na­tio­na­len, son­dern Zu­sam­men­ar­beit bie­tet uns die Mög­lich­keit un­sere Zu­kunft zu ge­stal­ten. Was wol­len sie kon­kret für die EU er­rei­chen? Die Eu­ropäi­sche Union wurde als Ge­mein­schaft für Kohle und Stahl und für Atom­ener­gie ge­grün­det. Wir müs­sen sie an die Her­aus­for­de­run­gen un­se­rer Zeit an­pas­sen und aus ihr eine echte Kli­mau­nion ma­chen. Eu­ropa soll welt­wei­ter Vor­rei­ter beim Kli­ma­schutz, Er­neu­er­ba­ren Ener­gien und Ener­gie­ef­fi­zi­enz wer­den. Gleich­zei­tig muss eine ö­ko­lo­gi­sche und nach­hal­tige Agrar­po­li­tik be­trie­ben wer­den. Die not­wen­di­gen Ver­än­de­run­gen zum Kli­ma­schutz müs­sen durch so­ziale Maß­nah­men er­gänzt wer­den, denn nur ein so­zia­les Eu­ropa ist ein gu­tes Eu­ro­pa. Darum set­zen wir uns für einen Min­dest­lohn in al­len Mit­glieds­staa­ten ein, für die Bekämp­fung der Ju­gend­ar­beits­lo­sig­keit und die Ü­ber­win­dung des ein­sei­ti­gen Spar­dik­tats. Und wir wol­len, dass nicht nur die lo­ka­len Bä­cke­reien Steu­ern be­zah­len, son­dern auch die in­ter­na­tio­na­len Kon­zerne durch eine um­satz­ori­en­tierte Di­gi­tal­steuer und eine Fi­nanz­trans­ak­ti­ons­steu­er. Die Eu­ropäi­sche Union ist eine Ge­mein­schaft ba­sie­rend auf Frei­heit, De­mo­kra­tie, Gleich­heit, Rechts­staat­lich­keit und Men­schen­rech­ten. Diese Werte gilt es zu be­wah­ren, not­falls durch Ent­zug von EU-Gel­dern. Le­gale Flucht- und Mi­gra­ti­ons­wege und ein Ein­wan­de­rungs­ge­setz, da­mit das Ster­ben auf dem Mit­tel­meer be­en­det und Ein­wan­de­rung er­mög­licht wird muss for­ciert wer­den. Bis da­hin stär­ken wir die See­not­ret­tung auf dem Mit­tel­meer. Wir tre­ten für eine ge­mein­same eu­ropäi­sche Außen- und Si­cher­heits­po­li­tik ein, die sich für Men­schen­rechte stark macht und Frie­den si­chert. Da­bei ist die große Stärke der EU ihr zi­vi­ler Ein­satz in der Kon­flikt­prä­ven­tion und Kon­flikt­lö­sung. Dies müs­sen wir wei­ter aus­bau­en. In der Ver­tei­di­gungs­po­li­tik leh­nen wir das 2 Pro­zent-Ziel zur Er­höhung der Ver­tei­di­gungs­aus­ga­ben ab und wol­len statt­des­sen eine ver­stärkte Zu­sam­men­ar­beit der Streit­kräfte in­ner­halb der Eu­ropäi­schen Union und ef­fi­zi­en­tere ge­mein­same Be­schaf­fung. Rüs­tungs­ex­porte in Kriegs- und Kri­sen­re­gio­nen leh­nen wir ab und for­dern eine ge­mein­sa­me, strenge und ef­fek­tive Rüs­tungs­ex­port­kon­trol­le. Wie ste­hen sie zu po­ten­zi­el­len EU-Mit­glieds­an­wär­tern? Die Per­spek­tive ei­nes mög­li­chen Bei­tritts zur Union ist ein wich­ti­ger Mo­tor für den sen­si­blen Frie­dens- und Aus­söh­nungs­pro­zess im West­bal­kan, für Trans­for­ma­tion und Mo­der­ni­sie­rung. Bei den für einen Bei­tritt drin­gend not­wen­di­gen Re­for­men darf es aber kei­nen Ra­batt ge­ben: Ge­rade in den Be­rei­chen Rechts­staat­lich­keit, Grund­werte und Pres­se­frei­heit, Bekämp­fung von Kor­rup­tion und or­ga­ni­sier­ter Kri­mi­na­lität, Auf­ar­bei­tung von Kriegs­ver­bre­chen und Bei­le­gung von bi­la­te­ra­len Kon­flik­ten müs­sen noch viele Fort­schritte er­zielt wer­den. Ein EU-Bei­tritt der Tür­kei ist mit der der­zeit un­ter Prä­si­dent Er­do­gan ver­folg­ten Li­nie zur Aus­höh­lung des Rechts­staats, von de­mo­kra­ti­schen Rech­ten und von ge­sell­schaft­li­chen Frei­hei­ten nicht vor­stell­bar. Zu­gleich gilt: Für eine de­mo­kra­ti­sche und weltof­fene Tür­kei müs­sen die Türen zur EU of­fen blei­ben.

vom 22.05.2019 | Ausgabe-Nr. 21A

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