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Hausgötter und Artists in Residence

Die Jubiläumsspielzeit 2019/20 am Landestheater wird besonders

Es war der 5. Fe­bruar 1912. Im Lan­des­thea­ter, das da­mals noch Hof­thea­ter hieß, wurde ge­rade das Stück "­Der Bett­ler von Sy­ra­kus" von Her­mann Su­der­mann ge­zeigt, als plötz­lich Pa­nik aus­brach. Feu­er. Aus­gelöst durch einen de­fek­ten Schorn­stein, brannte das Hoch­fürst­li­che Lip­pi­sche Hof­thea­ter nie­der. "Als wir vor zwei Wo­chen Re­dak­ti­ons­schluss für das Spiel­zeit­pro­gramm hat­ten, er­reichte uns die Nach­richt vom Brand der Notre Dame in Pa­ris und plötz­lich konn­ten wir uns re­la­tiv gut vor­stel­len, wie es für die Men­schen da­mals ge­we­sen sein muss­te, als das Hof­thea­ter hier in Det­mold brann­te", erzählt In­ten­dant Ge­org He­ckel. Am 30. April 1914, noch vor dem Ers­ten Welt­krieg und zwei Jahre nach dem Brand, be­gann man mit der Grund­stein­le­gung für den Wie­der­auf­bau. In den Kriegs­jah­ren ruh­ten die Bau­ar­bei­ten, im No­vem­ber 1918 folgte die Re­vo­lu­tion. Am 28. Sep­tem­ber 1919 war es dann so­weit: Das ehe­ma­lige Hof­thea­ter wurde als "­Thea­ter des Vol­kes" wie­der­eröff­net. Al­bert Lort­zings Stück "Un­di­ne" wurde die Ehre zu­teil, die erste Pre­miere im neuen Haus zu sein. Der hun­dertste Ge­burts­tag des Thea­ter­ge­bäu­des ver­langt nach ei­ner be­son­de­ren Spiel­zeit. Um die Zah­len schon ein­mal vor­weg zu neh­men: 25 Pre­mie­ren in den Be­rei­chen Mu­sik­thea­ter, Bal­lett, Schau­spiel und Jun­ges Thea­ter, elf Wie­der­auf­nah­men und 13 Kon­zerte in fünf Spielstät­ten, ein Ar­tist in Re­si­dence, hinzu kom­men ver­schie­dene Be­gleit­ver­an­stal­tun­gen und ein um­fang­rei­ches thea­ter­päd­ago­gi­sches An­ge­bot. Für die Ju­biläumss­piel­zeit ste­hen außer­dem noch drei ganz be­son­dere Fei­ern an. Die "rich­ti­ge" Feier am 29. Sep­tem­ber wird mit ei­nem Ju­biläums­kon­zert be­gan­gen, bei dem Werke der drei "H­aus­göt­ter" Al­bert Lort­zing, Jo­han­nes Brah­mes und Gi­sel­her Klebe zu hören sein wer­den. Beim großen Thea­ter­ball am 15. Fe­bruar 2020 darf man das Thea­ter tan­zend er­kun­den und beim Dî­ner Blanc am 23. Mai 2020 wird aus­ge­hend vom Thea­ter eine große Ta­fel auf­ge­baut, die ein­mal die ganze Stadt "u­marm­t", "sch­ließ­lich wird das Thea­ter von der Stadt ge­tra­gen", so Ge­org He­ckel.

Pre­mie­ren Wenn die Ju­biläumss­piel­zeit am 13. Sep­tem­ber be­ginnt, wird gleich­zei­tig eine ganz be­son­dere Pre­miere ge­fei­ert. Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Lutz Ra­de­ma­cher eröff­net mit Gi­u­seppe Ver­dis "Ai­da" in der In­sze­nie­rung von Joan An­ton Re­chi. Die Oper ver­eint nicht nur die großen The­men Macht, Po­li­tik, Eth­nien und Lie­be, son­dern zeigt ebenso Kon­traste wie In­ti­mität. Ab dem 25. Ok­to­ber grünt es so grün im Lan­des­thea­ter, denn das Mu­si­cal "My Fair La­dy" von Fre­de­rick Loewe fei­ert un­ter der mu­si­ka­li­schen Lei­tung von Ma­thias Mö­nius seine Pre­mie­re, die Re­gie führt Chris­tian Poe­we. Mit Wolf­gang Ama­deus Mo­zarts "­Don Gio­van­ni" steht ab dem 15. Mai 2020 ein wei­te­rer Pu­bli­kums­lieb­ling auf dem Pro­gramm, György Més­záros di­ri­giert das Dramma gio­co­so. Das Werk aus Mo­zarts mitt­le­rem Schaf­fen auf die Bühne des Lan­des­thea­ters zu brin­gen, war ein ganz be­son­de­rer Wunsch von In­ten­dant Ge­org He­ckel. Mit Aron Stiehl konnte dafür ein Re­gis­seur ge­won­nen wer­den, der für seine schlan­ken, bekömm­li­chen und spie­le­ri­schen In­sze­nie­run­gen be­kannt ist. Und natür­lich dür­fen die Kom­po­nis­ten nicht feh­len, die be­son­ders eng mit der mu­si­ka­li­schen Ge­schichte Det­molds ver­bun­den sind und des­halb auch als "H­aus­göt­ter" des Lan­des­thea­ters gel­ten. Ne­ben dem Ju­biläums­kon­zert sind Al­bert Lort­zing und Gi­sel­her Klebe auch mit Opern im Spiel­pro­gramm ver­tre­ten. Die Ko­mi­sche Oper "­Der Wild­schütz" von Al­bert Lort­zing wird ab dem 6. De­zem­ber von Mar­tina Eit­ner-Ache­am­pong in Szene ge­setzt und die für Det­mold ge­schrie­bene Oper nach Hor­váths "­Der Jüngste Tag" von Gi­sel­her Kle­be, der lange Jahre in Det­mold ge­lehrt hat, wird ab dem 7. Fe­bruar 2020 zu er­le­ben sein. Al­ler­dings hat sich auch eine Frau be­son­ders um das Thea­ter in Det­mold ver­dient ge­macht. Nie­mand an­de­res als Fürs­tin Pau­line hat ih­ren Sohn Fürst Leo­pold II bei der Ent­schei­dung, in Det­mold ein Hof­thea­ter bauen zu las­sen, un­ter­stützt. Mit "­Pau­li­ne" wird ab dem 5. Juni 2020 ein ei­gens von An­dreas Jören zum 200. To­des­tag der Re­gen­tin kom­po­nier­tes Fa­mi­lien-Mu­si­cal auf­ge­führt. Und auch um das Bal­lett muss sich nie­mand Sor­gen ma­chen. Als Ar­tist in Re­si­dence gas­tiert die De­lat­tre Dance Com­pany in der Ju­biläumss­piel­zeit am Lan­des­thea­ter. Ab dem 13. De­zem­ber wird, das ex­tra für die Große Bühne kre­i­eirte Stück "S­ha­ke­s­peare In Mo­tion" zu se­hen sein, ab dem 28. März 2020 wird "Das Bild­nis des Do­rian Gray­" im Det­mol­der Som­mer­thea­ter auf­ge­führt. Mehr auf Seite 2 Der Be­ginn der Schau­spiel­sai­son am Großen Haus folgt ge­nau zwei Wo­chen nach der Spiel­zei­teröff­nung. Ab dem 27. Sep­tem­ber in­sze­niert Schau­spiel­di­rek­tor Jan Stein­bach Fried­rich Schil­lers Klas­si­ker "­Ma­ria Stu­ar­t". Die bit­ter­böse Komö­die "A­dams Äp­fel" nach dem gleich­na­mi­gen Film von An­ders Tho­mas Jen­sen ist ab dem 8. No­vem­ber in ei­ner In­sze­nie­rung von Mi­lena Pau­lo­vics zu er­le­ben. Viel Be­ach­tung fand Kon­stanze Kap­pen­stein, die Haus­re­gis­seu­rin des Jun­gen Thea­ters, mit ih­rer In­sze­nie­rung von "­Mi­chael Kohl­haas" am Grabbe-Haus, mit "­Mo­men­tum" von Lot Ve­ke­mans zeigt sie ab dem 17. Ja­nuar 2020 erst­mals eine Re­gie­ar­beit am Großen Haus. "­Der kleine Hor­ror­la­den", das Mu­si­cal von Alan Men­ken und Ho­ward As­h­man nach dem Film von Ro­ger Cor­man und Charles Grif­fith, bringt Götz Hell­rie­gel, den Re­gis­seur von "­The Ad­dams Fa­mi­ly", zurück nach Det­mold – zu se­hen ab dem 6. März 2020. Jan Stein­bach be­schließt mit "Yvon­ne, Prin­zes­sin von Bur­gun­d" von Wi­told Gom­bro­wicz am 25. April 2020 den Pre­mie­ren­rei­gen im Großen Haus. Im Grabbe-Haus macht "Won­der­land Ave." von Si­bylle Berg in der In­sze­nie­rung von Ja­kob Ar­nold am 25. Sep­tem­ber den Auf­takt. Wei­ter geht es am 14. No­vem­ber mit Au­gust Strind­bergs Kam­mer­spiel "Fräu­lein Ju­lie". Jan Stein­bach wid­met sich der Komö­die "Alte Lie­be" nach dem Ro­man von Elke Hei­den­reich und Bernd Schro­e­der, die Pre­miere ist am 18. Ja­nuar 2020. In der Kri­ti­ke­rum­frage von Thea­ter heute wurde 2015 "­Die lächer­li­che Fins­ter­nis" von Wolf­ram Lotz zum "Stück des Jah­res­" er­ko­ren – in­sze­niert von Se­lina Gir­schwei­ler zu se­hen ab dem 29. Fe­bruar 2020. Last but not least kommt am 30. April 2020 "­Die Wun­derü­bung", eine Komö­die von Da­niel Glat­tau­er, auf die Bühne des Grabbe-Hau­ses, Re­gie führt Kris­tin Tro­sits, in Det­mold schon vom Grabbe-Haus Stück "­Der Häß­li­che" be­kannt. Das dies­jäh­rige Weih­nachts­mär­chen heißt "Hans im Glück" 19. No­vem­ber auf der Bühne des Großen Hau­ses zu se­hen. Im Jun­gen Thea­ter wer­den vom 26. Sep­tem­ber an Kin­der ab sechs Jah­ren die zau­ber­hafte Ge­schichte "Nur ein Tag" von Mar­tin Balt­scheit er­le­ben kön­nen. An ü­ber Zehn­jäh­rige rich­tet sich ab dem 8. Ok­to­ber "Ri­co, Os­kar und die Tiefer­schat­ten" von An­dreas Stein­hö­fel. Für Ju­gend­li­che ab 14 Jah­ren steht ab dem 5. März 2020 "Ho­me­vi­deo" nach dem Dreh­buch von Jan Bra­ren auf dem Pro­gramm. Ganz neu prä­sen­tiert sich in die­ser Spiel­zeit das Junge Mu­sik­thea­ter mit dem Klas­sen­zim­mer-Stück "Rit­ter Odilo und der strenge Herr Win­ter" für Kin­der ab sechs Jah­ren, dass am 19. Sep­tem­ber 2019 Pre­miere fei­ert, und der Kin­de­ro­per "­Kannst du pfei­fen, Jo­han­na?", des­sen Pre­miere am 26. Ok­to­ber statt­fin­det. Ge­ne­ral­mu­sik­di­rek­tor Lutz Ra­de­ma­cher di­ri­giert ab dem 20. März 2020 im Som­mer­thea­ter das Mu­sik­mär­chen "­Die Prin­zes­sin auf der Erb­se". 
"Wir ha­ben uns be­wusst nicht für ein Spiel­zeit­motto ent­schie­den, weil das the­ma­tisch doch im­mer et­was einengt. Wenn man al­ler­dings nach The­men su­chen will, dann kann man si­cher­lich die Mo­tive Lie­be, Glück und starke Frau­en­fi­gu­ren in den Stü­cken wie­der­fin­den", resü­miert Ge­org He­ckel. Wie­der­auf­nah­men Wer es in die­ser Spiel­zeit nicht ge­schafft hat, sich Gi­u­seppe Ver­dis sel­ten ge­spielte "Luisa Mil­ler" nach Schil­lers "­Ka­bale und Lie­be" an­zu­schau­en, der hat ab dem 19. Ok­to­ber wie­der die Ge­le­gen­heit da­zu. Ope­ret­ten­freunde kom­men ab dem 11. De­zem­ber bei Eduard Kün­ne­kes "­Der Vet­ter aus Dings­da" auf ihre Kos­ten, am 29. De­zem­ber ste­hen Hum­per­dincks "Hän­sel und Gre­tel" wie­der auf dem Spiel­plan. Im Großen Haus kön­nen sich "­Sonny Boys" von Neil Si­mon ab dem 1. Sep­tem­ber und ab dem 14. Sep­tem­ber "An­dor­ra" von Max Frisch wie­der se­hen las­sen, im Grabbe-Haus kommt am 2. Sep­tem­ber "­Der Häß­li­che" von Ma­rius von Mayen­burg zur Wie­der­auf­nah­me. Den Be­ginn der Wie­der­auf­nah­men macht "Spatz und En­gel" am 23. Au­gust im Hof­thea­ter. Auch im Jun­gen Thea­ter kön­nen Er­folgs­ti­tel aus der ver­gan­ge­nen Sai­son wie­der be­sucht wer­den: "Anne Frank" wird am 8. No­vem­ber wie­der­auf­ge­nom­men, "Käp­ten Knitter­bart und seine Ban­de" folgt am 9. No­vem­ber und "T­schick" am 17. Ja­nuar 2020. Außer­dem in Pla­nung sind die Wie­der­auf­nah­men von "Hod­der, der Nacht­schwär­mer" im Früh­jahr 2020 und der Mu­sik­krimi "Herr Buffo und der No­ten­die­b". Kon­zerte Das Sym­pho­ni­sche Or­che­s­ter des Lan­des­thea­ters Det­mold mu­si­ziert in der kom­men­den Sai­son in drei Sin­fo­nie­kon­zer­ten, fünf ver­schie­de­nen Kam­mer­mu­sik­for­ma­tio­nen, zwei Jun­gen Kon­zer­ten so­wie im Neu­jahrs­kon­zert und im Ju­biläums­kon­zert. Der Opern­chor tritt in ei­nem ei­ge­nen Chor­kon­zert un­ter der Lei­tung von Chordi­rek­tor Fran­cesco Da­mi­ani auf. Das de­tail­lierte Spiel­zeit­heft steht on­line auf der In­ter­net­prä­senz des Lan­des­thea­ters un­ter "­Pu­bli­ka­tio­nen" zum Dow­n­load be­reit, auf Wunsch kann auch ein Druckexem­plar an­ge­for­dert wer­den. Pres­se­kon­fe­renz zur Spiel­plan­prä­sen­ta­tion 2019/20: Mar­tin Opelt (De­lat­tre Dance Com­pa­ny), Kon­stanze Kap­pen­stein, Jenni Schnarr, Ste­fan Dörr, Eli­sa­beth Wirtz, Nora Jo­hanna Gro­mer, Land­rat Dr. Axel Leh­mann (Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­der), In­ten­dant Ge­org He­ckel, Jan Stein­bach, Lea Red­lich (von links). Fo­to: Olga Kur­ba­cheva Das Lan­des­thea­ter Det­mold ist seit 100 Jah­ren ein ver­trau­ter An­blick im Det­mol­der Stadt­bild. Fo­to: Lan­des­thea­ter Det­mold Schöne neue Welt? In "­Der Häss­li­che" geht es durch­aus ge­sell­schafts­kri­tisch zu. Fo­to: Lan­des­thea­ter Det­mol­d/­Marc Lont­zek Die "­Sonny Boys" mit Hein­rich Schaf­meis­ter (rechts) wer­den in der nächs­ten Spiel­zeit wie­der­auf­ge­nom­men. Fo­to: Lan­des­thea­ter Det­mol­d/­Jo­chen Quast

vom 08.05.2019 | Ausgabe-Nr. 19A

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