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Warum kompliziert, wenn es so einfach sein kann?

 

Pfar­rer, Buch­au­tor und Ka­ri­ka­tu­rist Wer­ner Tiki Küs­ten­ma­cher, der 2001 mit "­sim­plify your li­fe" sei­nen bis­her größten Er­folg fei­ern konn­te. In der IHK Lippe zu Det­mold ging es al­ler­dings um die Ver­ein­fa­chung der An­ge­le­gen­hei­ten. "­Sim­plify your Busi­ness". Dazu muss man aber erst ein­mal sein lim­bi­sches Sys­tem aus­trick­sen. Das ist im Ge­hirn für Emo­tio­nen, schnelle Ent­schei­dun­gen und in­stink­ti­ves Ver­hal­ten zu­stän­dig. Im Ge­gen­satz dazu steht der Neo­cor­tex, der ra­tio­nale Teil, der schwere Ent­schei­dun­gen lie­ber nach ein­mal darü­ber schla­fen trifft. "Un­ser lim­bi­sches Sys­tem ken­nen wir al­le", erzählt Wer­ner Tiki Küs­ten­ma­cher, "­meis­tens nen­nen wir es al­ler­dings den in­ne­ren Schwei­ne­hun­d". Er be­vor­zuge da­ge­gen den Be­griff Lim­bi, sagt er während er ein mur­mel­tierähn­li­ches klei­nes We­sen zeich­net. "Limbi mag es, wenn es ein­fach ist, des­halb neh­men Sie sich am bes­ten im­mer nur kleine Schritte vor­", emp­fiehlt der Ka­ri­ka­tu­rist. Ein gu­tes Bei­spiel dafür ist das Auf­räu­men. Auf- und Aus­räu­men ist seit Ma­rie Con­dos "­Ma­gic Clea­ning" im Trend, ihre Me­thode ziem­lich nah an der Be­loh­nung des lim­bi­schen Sys­tems. "­Der Schlüs­sel liegt in der Ein­fach­heit", be­tont Küs­ten­ma­cher. "Räu­men Sie nicht gleich den gan­zen Kel­ler auf, son­dern fan­gen erst ein­mal mit ei­nem Re­gal oder Ih­rem Schreib­tisch an", er­klärt er. Hat man erst ein­mal al­les vom Schreib­tisch her­un­ter­ge­nom­men, dann macht die große, freie Tisch­platte Limbi schon ziem­lich glück­lich. Schließ­lich hat man schon einen Teil ge­schafft. Al­ler­dings steht dann al­les, was vor­her auf dem Schreib­tisch stand da­ne­ben. "Wenn dann je­mand ins Zim­mer kommt und Sie er­klären, Sie wür­den auf­räu­men, wer­den Sie ga­ran­tiert für ver­rückt er­klär­t", lacht der Ka­ri­ka­tu­rist und Au­tor, während er ein ziem­lich Auf­räum­chaos zeich­net. In den sel­tens­ten Fäl­len kommt aber al­les auch wie­der auf den Schreib­tisch drauf. Meis­tens wird das, was man nicht mehr braucht, ent­sorgt.

Ein an­de­res Bei­spiel ist so kli­schee­haft wie all­tags­taug­lich. "­Sie brau­chen etwa 0,3 Se­kun­den um den Strei­fen­wa­gen mit dem großen "­Stop" hin­ter ih­nen im Rück­spie­gel nicht nur zu se­hen, son­dern auch zu rea­li­sie­ren.", er­klärt Wer­ner Tiki Küs­ten­ma­cher. Nach die­ser Drit­tel­se­kunde rät Limbi erst ein­mal zu Pa­nik bis dann der ra­tio­nale Teil des Ge­hirns mit Den­ken los­legt und man an­fängt zu ü­ber­le­gen, was man ge­rade wohl falsch ge­macht hat. Das Limbi mit Pa­nik rea­giert, hat auch was da­mit zu tun, dass die Po­li­zei im Rück­spie­gel nur einen Aus­weg lässt: Rechts ran­fah­ren und sich der Si­tua­tion stel­len. Limbi liebt es aber Aus­wahl zu ha­ben, selbst wenn alle mög­li­chen Wege zum glei­chen Ziel führen. "Wir ma­chen uns oft viel zu viele Ge­dan­ken", be­rich­tet der Au­tor und Ka­ri­ka­tu­rist auch aus Er­fah­rung, "vor al­lem wenn wir nachts mal wach wer­den." Da sorgt das Schlaf­hor­mon Me­la­to­nin zu­sätz­lich dafür, dass Pro­bleme viel größer er­schei­nen, als sie ei­gent­lich sind. "Wenn Sie vor dem Ein­schla­fen lächeln, schla­fen Sie gleich deut­lich bes­ser", rät er des­halb. Lächeln sorgt dafür, dass be­stimmte Ge­sichts­mus­keln ak­ti­viert wer­den, die dem Ge­hirn mel­den, dass al­les in bes­ter Ord­nung ist. Zum Schluss hat er noch einen Tipp, der zwar aus dem Fahr­si­cher­heits­trai­ning kommt, sich aber ebenso gut auf den All­tag an­wen­den lässt. "Wenn man von der Straße ab­kommt, soll man nie auf den Baum schau­en, son­dern auf den Platz rechts oder links da­ne­ben. Limbi sorgt in Stress­si­tua­tio­nen näm­lich dafür, dass wir un­se­rem Blick fol­gen. Des­halb: Im­mer die Lü­cke su­chen. Selbst in ei­ner Al­lee sind reich­lich da­von vor­han­den."

vom 24.04.2019 | Ausgabe-Nr. 17A

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