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Akutbehandlung in der Stroke Unit beim Hirninfarkt zählt jede Minute

Der Faktor Zeit ist bei der Ursachenfindung des Schlaganfalls entscheidend

 

Kreis Lip­pe/ Lemgo (n­r). Im Fe­bruar 2017 hat Sonja P. (Name von der Re­dak­tion geän­dert) aus Leo­polds­höhe plötz­lich Läh­mungs­er­schei­nun­gen im rech­ten Arm und auch an die Te­le­fon­num­mer ih­res Man­nes kann sie sich nicht er­in­nern. Als sie kurz dar­auf in ein Kli­ni­kum ein­ge­lie­fert wird, sind die Sym­ptome wie­der ver­schwun­den – al­ler­dings nur vor­ü­ber­ge­hend. Sie wird sta­tionär auf­ge­nom­men. Die Aus­faller­schei­nun­gen keh­ren zurück, wer­den häu­fi­ger und brei­ten sich von der Schul­ter ab bis in die Beine ih­rer rech­ten Kör­per­hälfte aus. Fünf Tage lang wird sie be­ob­ach­tet und un­ter­sucht und ob­wohl sie zu die­sem Zeit­punkt kaum noch al­leine lau­fen kann, wird sie mit der Be­grün­dung ent­las­sen, dass sie or­ga­nisch völ­lig in Ord­nung sei und sich ein­mal bei ei­nem Rheu­ma­to­lo­gen vor­stel­len sol­le. Was die Ärzte zu die­sem Zeit­punkt ü­ber­se­hen hat­ten, war ein Riss an ih­rer Hals­schlag­ader an der Schä­del­ba­sis und die da­mit ein­her­ge­hende Durch­blu­tungs­störung zum Ge­hirn – die Ankün­di­gung zweier Schlagan­fäl­le. "­Die Zeit zwi­schen aku­tem Schlag­an­fall und der The­ra­pie ist ent­schei­dend, er­klärt der Chef­arzt der Neu­ro­lo­gie im Kli­ni­kum Lem­go, Prof. Chri­stoph Re­decker. "Time is brain (Zeit ist Ge­hirn). Will heißen: jede Mi­nute zählt. Je früher eine Be­hand­lung er­folgt, de­sto größer ist die Wahr­schein­lich­keit, die Aus­wir­kun­gen ei­nes Schlag­an­falls zu be­gren­zen." Die Sym­ptome ei­nes Schlag­an­falls sind viel­fäl­tig und ohne bild­ge­bende Dia­gnose mit­tel Com­pu­ter­to­mo­gra­fie (CT) und Ma­gne­tre­so­nanz­to­mo­gra­fie (MRT) kaum zu lo­ka­li­sie­ren. Die Sym­pto­me, so un­ter­schied­lich sie auch sein mö­gen, ha­ben aber alle ei­nes ge­mein­sam: sie tre­ten ur­plötz­lich auf; von ei­ner Se­kunde auf die an­dere und das be­trifft in Deutsch­land nach An­ga­ben der Deut­schen Schlag­an­fall-Hilfe jähr­lich etwa 270.000 Men­schen, da­von etwa 50 Pro­zent in der Al­ters­gruppe ü­ber 75 Jah­re. Das Kli­ni­kum Lemgo re­gis­triert zwi­schen 900 und 1.000 Fälle pro Jahr. Hier gibt es seit An­fang der 2000 Jahre eine so­ge­nannte Stroke Unit. (mehr auf Seite 2). "­Die Stroke Unit ist eine in sich ge­schlos­sene Ein­heit ei­ner Ü­ber­wa­chungs­sta­tion mit be­son­ders ge­schul­tem Per­so­nal, das rund um die Uhr im Ein­satz ist.Das Team ist auf die Be­hand­lung des Schlag­an­falls spe­zia­li­siert und sorgt dafür, dass die Pa­ti­en­ten best­mög­lich ver­sorgt wer­den", er­läu­tert Prof. Re­decker. "Hier ar­bei­ten Neu­ro­lo­gen, Neu­ro­ra­dio­lo­gen, Ge­fäßchir­ur­gen, Kar­dio­lo­gen und Neu­ro­chir­ur­gen in­ter­dis­zi­plinär zu­sam­men, um die Ur­sa­che des Schlag­an­falls rasch zu iden­ti­fi­zie­ren und rich­tig zu be­han­deln. Da es in den ers­ten Ta­gen nach dem Schlag­an­fall auch zu ei­ner Ver­schlech­te­rung der Sym­ptome kom­men kann, ist die Ver­sor­gung be­son­ders in den ers­ten 24 Stun­den wich­tig." Ein großes Plus für die Pa­ti­en­ten, wenn Dia­gnose und The­ra­pie recht­zei­tig zum Ein­satz kom­men. Aber nach wie vor ist die Dia­gnose ei­nes Schlag­an­falls manch­mal sehr schwie­rig, wie im Fall von Sonja P. Lei­der seien die Ur­sa­chen ei­nes Schlag­an­fall manch­mal nur sehr schwer her­aus­zu­fin­den, be­tont Prof. Re­decker. Er stand Lippe ak­tu­ell zum In­ter­view zum Thema Schlag­an­fall Rede und Ant­wort. Mehr dazu auf Seite 3. Die zwei­fa­che Mut­ter Sonja P. erzählt ihre ganz per­sön­li­che Schlag­an­fall-Ge­schichte auf Seite 2. BUZ

vom 27.03.2019 | Ausgabe-Nr. 13A

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