LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Detmold

Fulminante Karriere voller Widersprüche

Historiker Dr. Stefan Wiesekopsieker referiert über das Leben von Georg von Eppstein im Schloss

Historiker Dr. Stefan Wiesekopsieker im Detmolder Schloss. Foto: Alina Hetland

His­to­ri­ker Dr. Ste­fan Wie­se­kop­sie­ker im Det­mol­der Schloss. Fo­to: Alina Het­land

Det­mold. Lange kur­sier­ten ü­ber den "­ge­hei­men Ka­bi­netts­rat" von Lip­pes Fürst Leo­pold IV. zahl­rei­che zum Teil wi­der­sprüch­li­che In­for­ma­tio­nen. Wel­che Rolle Ge­org von Epp­stein tatsäch­lich in den span­nen­den Ta­gen der Re­vo­lu­tion an der Seite sei­nes Fürs­ten ge­spielt hat, das re­kon­stru­ierte nun an­hand neuen Quel­len­ma­te­ri­als der His­to­ri­ker Dr. Ste­fan Wie­se­kop­sie­ker. Zu sei­nen Er­geb­nis­sen hat der Sal­zu­fler einen Vor­trag im Ah­nen­saal des Det­mol­der Schlos­ses ge­hal­ten. Frei­herr, "von" Epp­stein, wirk­li­cher ge­hei­mer Rat, Ex­zel­lenz: Der in Bres­lau ge­bo­rene Ge­org Epp­stein sollte in sei­nem or­dens- und ver­dien­strei­chen Le­ben noch viele zu­sätz­li­che Ti­tel er­lan­gen, die seine ful­mi­nante Kar­riere im Fürs­ten­tum skiz­zie­ren. Den­noch stieß Dr. Wie­se­kop­sie­ker bei sei­nen Re­cher­chen zu Epp­steins Le­bens­lauf im­mer wie­der auf schwarze Fle­cken und grobe Wi­der­sprüche: Es gäbe zwar viel In­for­ma­tion, natür­lich ins­be­son­dere im Netz, doch sehr vie­les da­von sei auch Un­fug. So wird Epp­stein ein Hoch­schul­stu­di­um, ein drei­jäh­ri­ger Wehr­dienst, eine Re­dak­teurs­aus­bil­dung und ein Dok­tor­ti­tel samt Zeit und Ort zu­ge­spro­chen. Nur er­wies sich bei nähe­rer Be­trach­tung die dafür an­be­raumte Zeit­spanne an­hand der vor­lie­gen­den Da­tie­run­gen als ver­däch­tig kurz. "­Selbst bei un­se­ren heu­ti­gen, hoch­in­tel­li­gen­ten Schü­lern wäre das ein Pen­sum, das an­zu­zwei­feln ist", meinte der haupt­be­ruf­li­che Gym­na­si­al­leh­rer mit ei­nem Au­gen­zwin­kern. An den Det­mol­der Hof, die zen­trale Wir­kungs­stätte sei­nes Le­bens, kam Epp­stein im Jahr 1904 durch seine jour­na­lis­ti­schen Ver­bin­dun­gen: In der letz­ten Phase des Thron­fol­ge­streits en­ga­gierte er sich für die "­Bies­ter­fel­der Sa­che" und wurde so zum As­sis­tent des Fürs­ten. Als Jude ge­bo­ren, hatte sich Epp­stein nicht nur lange zu­vor christ­lich tau­fen las­sen, er hatte so­gar ver­an­lasst, dass sein Nach­name mit ei­nem Dop­pel-P ge­schrie­ben wer­den mö­ge, da diese Schreib­weise we­ni­ger auf seine jü­di­schen Wur­zeln hin­wies. Es ent­beh­re, so Dr. Wie­se­kop­sie­ker, nicht ei­ner ge­wis­sen Tra­gik, dass ge­rade er als ü­ber­zeug­ter Pa­triot mit ei­ner durch­weg kon­ser­va­ti­ven und mon­ar­chis­ti­schen Ein­stel­lun­gund so­gar selbst deut­lich ju­den­feind­li­chen Ein­stel­lun­gen letzt­end­lich im Jahr 1942 den Tod in The­re­si­en­stadt fin­den soll­te. Trotz al­ler Mühen sei­nes zeit­le­bens engs­ten und später ein­zi­gen Freun­des, Fürst Leo­pold, konnte die­ser des­sen De­por­ta­tion nach Auf­lö­sung der "­Misch-Ehe" durch den Tod der Frau Her­tha nicht ver­hin­dern. Die aus­führ­li­che Ge­schichte Epp­steins ist ak­tu­ell während der Öff­nungs­zei­ten im Schloss in der Aus­stel­lung nach­zu­voll­zie­hen, die in Zu­sam­men­ar­beit vom Lip­pi­schen Lan­des­mu­se­um, dem Lip­pi­schen Staats­ar­chiv so­wie der Fa­mi­lie zur Lippe ent­stand, die be­reit­wil­lig ihr pri­va­tes Ar­chiv für die his­to­ri­schen Nach­for­schun­gen von Dr. Wie­se­kop­sie­ker öff­ne­te.

vom 23.03.2019 | Ausgabe-Nr. 12B

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten