LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Kreis Lippe

"Von Glücksbringern und Mutmachern"

Zweiter Schüler-Präventions-Kongress zum Thema Depression

 

Bad Sal­zu­flen. Am 28. Mai heißt es im GOP Va­rieté-Thea­ter Bad Oeyn­hau­sen be­reits früh mor­gens um 9 Uhr "Vor­hang auf für be­le­bende Viel­fal­t." An­lass ist, wie be­reits im Vor­jahr, der 7. Deut­sche Di­ver­sity Tag, wel­cher für mehr Ver­ständ­nis, To­le­ranz und In­te­gra­tion von Min­der­hei­ten in der Ar­beits­welt wirbt. Mit dem zwei­ten OWL Schü­ler-Prä­ven­ti­ons-Kon­gress zum Thema De­pres­sion, rea­giert In­itia­tor Alex­an­der Sper­nau, Ge­schäfts­füh­rer der LNK Dr. Sper­nau, Fach­kran­ken­haus für Psych­ia­trie, Psy­cho­the­ra­pie und Psy­cho­so­ma­tik auf die vie­len po­si­ti­ven Stim­men nach der er­folg­rei­chen Erst­ver­an­stal­tung GOP Thea­ter­saal. Schü­ler-Mo­de­ra­to­ren und TV-Mo­de­ra­tor Ste­fan Lei­sen führen durch ein Pro­gramm mit Vor­trä­gen, In­ter­views, Tal­krun­den, Vi­deo-Ein­spie­lern und Live-Per­for­man­ces. Ne­ben Dr. Chris­tian Kon­kol, Chef­arzt und Lioba Lan­ger, Psy­cho­lo­gin der LNK Dr. Sper­nau in­for­mie­ren Ex­per­ten aus den Be­rei­chen der Schul­psy­cho­lo­gie, Fa­mi­li­en­be­ra­tung und Glücks­for­schung. Be­trof­fene und An­gehö­rige er­lau­ben den Be­rufs­schü­le­rin­nen und -schü­lern so­wie Schü­le­rin­nen und Schü­ler Jahr­gangs­stufe 9 Ein­bli­cke in die Ge­fühls­wel­ten von Men­schen, die an ei­ner De­pres­sion er­krankt sind. Un­ter­stützt von der Ro­bert Enke Stif­tung, er­hält das Thema Sport und De­pres­sion einen be­son­de­ren Stel­len­wert. Als kom­pe­tenten Ex­per­ten konnte Sper­nau Dr. Ul­rich Preuß, Chef­arzt der Kin­der- und Ju­gend­psych­ia­trie des Kli­ni­kum Lippe ge­win­nen. Dr. Preuß in­for­miert die jun­gen Kon­gress­teil­neh­mer ü­ber den Stel­len­wert und die Zu­sam­men­hänge von Sport und Be­we­gung als Mit­tel der Prä­ven­tion und The­ra­pie. Im an­sch­ließen­den Ge­spräch er­läu­tert der ehe­ma­lige Bun­des­liga Profi-Fuß­bal­ler Mar­tin Ame­dick seine Er­fah­run­gen im Um­gang mit der Krank­heit. Hoch­leis­tungs­akro­ba­tik aus der ak­tu­el­len Va­rieté-Show und ein mu­si­ka­li­scher Bei­trag des Profi-Rap­pers Mon­tez lie­fern den künst­le­ri­schen Rah­men des fa­cet­ten­rei­chen Schü­ler-Kon­gres­ses.

Lie­bes­kum­mer, Schei­dung der El­tern oder man­geln­des Selbst­wert­ge­fühl auf Grund von schlech­ten Schul­leis­tun­gen sind die Aus­lö­ser für Freud­lo­sig­keit und Nie­der­ge­schla­gen­heit bei Kin­dern und Ju­gend­li­chen im Schulal­ter. "­Der Um­gang mit ge­le­gent­li­chen Stim­mungs­tiefs gehört zum Le­ben. Von ei­ner de­pres­si­ven Ver­stim­mung spre­chen wir er­st, wenn die be­drückte Stim­mung von dem Be­trof­fe­nen un­kon­trol­lier­bar wird und ü­ber ei­nige Wo­chen oder Mo­nate an­häl­t", er­läu­tert Schul­psy­cho­lo­gin Dr. Alex­an­dra Ber­glez, Fach­be­auf­tragte Schul­psy­cho­lo­gin der Be­zirks­re­gie­rung Det­mold. Zwi­schen drei und zehn Pro­zent al­ler Ju­gend­li­chen zwi­schen 12 und 17 Jah­ren lei­den an ei­ner De­pres­sion. Da­bei sind Mäd­chen eher be­trof­fen als Jun­gen. Fach­leute plä­die­ren für einen of­fe­ne­ren Um­gang mit der Volks­krank­heit Of­fen ü­ber de­pres­sive Ver­stim­mun­gen zu spre­chen, kos­tet in un­se­rer Leis­tungs­ge­sell­schaft Ü­ber­win­dung. Zu groß ist die Angst aus­ge­grenzt zu wer­den. Stig­ma­ti­sie­rung kann zur Iso­la­tion führen und feh­lende so­ziale Kon­takte re­du­zie­ren den The­ra­pie­er­folg. Es ent­steht ein Teu­fels­kreis, der auch zu Selbst­mord­ge­dan­ken führen kann. Die Leid­tra­gen­den bei psy­chi­schen Er­kran­kun­gen und de­ren Fol­gen sind im be­son­de­ren Maße die An­gehö­ri­gen. Die Ur­sa­chen sind viel­fäl­tig. Einen großen Ein­fluss, ob eine De­pres­sion er­kannt oder so­gar vom Be­trof­fe­nen be­nannt wird, hat das so­ziale Um­feld. In ei­ner Ge­sell­schaft, die mit psy­chi­schen Krank­hei­ten und dem "an­ders sein" ver­ständ­nis­voll to­le­rant um­geht, gäbe es keine Stig­ma­ti­sie­rung, die viele Be­trof­fene von den Mög­lich­kei­ten pro­fes­sio­nelle Hilfe an­zu­neh­men ab­hält. "Es macht Sinn sich in Be­hand­lung zu be­ge­ben, statt die Krank­heit al­lein durch­ste­hen zu wol­len," un­ter­streicht Lioba Lan­ger, Psy­cho­lo­gin der LNK Dr. Sper­nau. Die Er­folgs­quote ei­ner Be­hand­lung spricht laut Dr. Chris­tian Kon­kol, Chef­arzt der LNK Dr. Sper­nau für sich. "Ü­ber 70 Pro­zent der De­pres­sio­nen wer­den be­reits im ers­ten The­ra­pie­ver­such ge­heil­t." Dr. Preuß stimmt dem zu und er­klärt kurz sein En­ga­ge­ment: "Wenn man Ju­gend­li­che mit De­pres­sion auf­fängt, weiß man dass dies eine wert­volle er­folgs­ver­spre­chende Ar­beit ist."

vom 16.03.2019 | Ausgabe-Nr. 11B

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten