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Wir weißeln, wir weißeln...

Landestheater inszeniert Andorra von Max Frisch

 

Det­mold (k­m). Man ist der, zu dem man ge­macht wird. Das ist ei­nes der The­men in Max Frischs wohl be­kann­tes­tem Stück "An­dor­ra". An­dri wächst im Klein­staat An­dorra in dem Glau­ben auf, ein Jude zu sein. Im all­täg­li­chen Le­ben wird der junge Mann al­ler­dings im­mer wie­der mit Vor­ur­tei­len hin­sicht­lich sei­ner Re­li­gion kon­fron­tiert. Auch seine Tisch­ler­lehre schei­tert an den Vor­ur­tei­len sei­nes Lehr­meis­ters. Im­mer wie­der be­kommt er von ver­schie­de­nen Sei­ten zu hören, was einen Ju­den an­geb­lich aus­ma­che und wie ein Ju­de, der Mei­nung der An­dor­ra­ner nach, zu sein ha­be. Ir­gend­wann be­ginnt An­dri, die im­mer wie­der ge­nann­ten vor­geb­lich jü­di­schen Ei­gen­schaf­ten für sich in An­spruch zu neh­men und sich als "jü­disch" zu iden­ti­fi­zie­ren, ob­wohl mitt­ler­weile ein­deu­tig ist, dass An­dri gar kein Jude ist. Die Wahr­heit wird ir­gend­wann gar nicht mehr als diese wahr­ge­nom­men, son­dern nur noch das, was die An­dor­ra­ner fäl­sch­li­cher­weise für wahr hal­ten. Max Frischs "An­dor­ra" kann als Lehr­stück dafür gel­ten, wie An­ti­se­mi­tis­mus in ei­ner Ge­sell­schaft an Nähr­bo­den ge­win­nen kann. Das 1961 erst­mals auf­ge­führte Stück hat seit da­mals nichts an Ak­tua­lität ein­ge­büßt. Vor al­lem an­ge­sichts der ge­gen­wär­ti­gen Dis­kus­sio­nen ü­ber die Er­in­ne­rungs­kul­tur und zwei­fel­haf­ter Po­pu­la­rität rechts­po­pu­lis­ti­scher Par­teien hat das Stück eine hohe Re­le­vanz. Alex­an­der Schil­ling holt mit sei­ner In­sze­nie­rung das Stück ins Jahr 2019 und stellt da­mit auch die Fra­ge, ob die Er­eig­nisse tatsäch­lich so pas­sie­ren könn­ten, oder ob die Hand­lung nicht eher eine Dys­to­pie ist. Am Sonn­tag, 10. März, um 11.30 Uhr fin­det in der Lip­pi­schen Lan­des­bi­blio­thek eine Ein­führungs­ma­ti­nee statt, bei der si­cher­lich schon ei­nige der re­le­van­ten The­men auf­ge­grif­fen wer­den. Die Pre­miere wird knapp eine Wo­che später am Frei­tag, 15. März, um 19.30 Uhr ge­fei­ert. Wei­tere Ter­mine ent­neh­men sie bitte dem Spiel­plan des Lan­des­thea­ters.

vom 09.03.2019 | Ausgabe-Nr. 10B

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