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Pauline ante portas

Fürstin Pauline würde am 23. Februar ihren 250. Geburtstag feiern

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Kreis Lippe (k­m). Fürs­tin Pau­line hat den Bau der Gau­seköte in­iti­iert, für Kin­der­gär­ten ge­sorgt und ist heute noch vie­len Lip­pern für ihr so­zia­les En­ga­ge­ment im Ge­dächt­nis. Al­ler­dings gerät da­bei oft in Ver­ges­sen­heit, dass Pau­line Chris­tine Wil­hel­mine von An­halt-Bern­burg vor ih­rer Hei­rat am 2. Ja­nuar 1796 ein weit­ge­hend ei­genstän­di­ges und selbst­be­stimm­tes Le­ben ge­führt hat. In Bal­lens­tedt selbst, ist Pau­line na­hezu eine große un­be­kann­te, da ihr so­zia­les Wir­ken nicht an ih­rem Ge­burts­ort, son­dern in Lippe statt­ge­fun­den hat. Würde sie noch le­ben, dann könnte sie die­ses Jahr ih­ren 250. Ge­burts­tag fei­ern. An­läss­lich die­ses Ju­biläums hat sich Gäs­te­füh­re­rin Cor­ne­lia Mül­ler-Hisje die Zeit an­ge­schaut, be­vor Pau­line lip­pi­sche Fürs­tin wur­de. Pau­line vor den To­ren Det­molds oder wie Lo­riot es for­mu­liert hät­te: Pau­line ante por­tas. Pau­line wurde am 23. Fe­bruar 1769 als zwei­tes Kind von Fried­rich Fürst von An­halt-Bern­burg und Luise von Hol­stein-Plön auf Schloss Bal­lens­tedt im Harz ge­bo­ren. Väter­lich­seits war sie weit­läu­fig mit Ka­tha­rina der Großen ver­wandt. "Al­ler­dings wa­ren da­mals alle Adels­häu­ser ir­gend­wie mit­ein­an­der ver­wandt", re­la­ti­viert Cor­ne­lia-Mül­ler-His­je. We­nige Tage nach der Ge­burt von Pau­line starb ihre Mut­ter Lui­se. Al­ler­dings nicht im Kind­bett, son­dern an den Ma­sern. In ei­ner Zeit, in der Kin­der­er­zie­hung Sa­che der Mut­ter war, musste nun ihr Va­ter die Er­zie­hung von Pau­line und ih­rem zwei Jahre äl­te­ren Bru­der Ale­xius Fried­rich Chris­tian ü­ber­neh­men und or­ga­ni­sie­ren. Die Kin­der wuch­sen nach den Prin­zi­pien der Auf­klärung auf, was be­deu­tet, dass der Va­ter kei­nen Un­ter­schied zwi­schen Sohn und Toch­ter mach­te. Die Kin­der soll­ten für Re­gie­rungs­ge­schäfte er­zo­gen wer­den. Pau­line galt von klein auf als in­tel­li­gent und sprach­lich ta­len­tiert, was dazu führ­te, dass sie be­reits mit drei­zehn Jah­ren die franzö­si­sche Kor­re­spon­denz des Va­ters ü­ber­nahm. Ne­ben dem Franzö­sisch­un­te­richt er­hiel­ten Pau­line und ihr Bru­der Stun­den in La­tein und Ita­lie­nisch; er­hiel­ten staats­theo­re­ti­sche Kennt­nisse und wur­den im Rei­ten und Schießen un­ter­rich­tet. Auch wenn Pau­line ih­ren Bru­der und Va­ter nach­weis­lich auf Jagd­aus­flü­gen be­glei­te­te, soll sie "k­eine Dia­na", also keine gute Jä­ge­rin ge­we­sen sein. Pau­li­nes große Lei­den­schaft war das Le­sen. Als der Va­ter ihre schu­li­sche Aus­bil­dung für be­en­det er­klärt, bil­det sie sich in Ge­schich­te, Phi­lo­so­phie, Geo­gra­phie und Rechts­wis­sen­schaft selbst fort. Die Li­te­ra­tur der Auf­klärung schätzt sie sehr. Ein Groß­teil ih­res "Ta­schen­gel­des" soll für Bücher ver­wen­det wor­den sein. In ih­rer selbst zu­sam­men­ge­stell­ten Bi­blio­thek fin­den sich zahl­rei­che Dich­ter und Den­ker der Auf­klärung wie, zum Bei­spiel, Chri­stoph Mar­tin Wie­land. Ihre Bücher­samm­lung be­zeich­net sie als ihre "­Li­vree". An­ders als viele an­dere wohl­ha­bende Bücher­samm­ler ih­rer Zeit, hat Pau­line ihre Bücher aber wohl eher nach dem Le­se­wert aus­ge­wählt und nicht nach dem Wert der Aus­ga­be. "­Sie hatte tatsäch­lich ei­nige kost­bare Aus­ga­ben in ih­rer Bi­blio­thek und sie war eine aus­ge­spro­chen vor­sich­tige Le­se­rin. Man­che ih­rer Bücher se­hen aus wie neu", be­schreibt Cor­ne­lia Mül­ler-Hisje den Zu­stand von Pau­li­nes Buch­be­stand. Aus ver­schie­de­nen Brie­fen geht her­vor, dass die "­Briefe an Li­na" von So­phie von La Ro­che ei­nes ih­rer Lieb­lings­bücher ge­we­sen ist. "­Die Bio­gra­phie der Haupt­fi­gur des Brief­ro­mans weist ei­nige Par­al­le­len zu Pau­li­nes ei­ge­ner Bio­gra­phie auf. Wei­ter auf Seite 2 Gut mög­lich, dass sie sich teil­weise mit der Fi­gur iden­ti­fi­zie­ren konn­te". Mut­maßt Cor­ne­lia Mül­ler-His­je. Durch Pau­li­nes rege Brief­wech­sel mit ih­rem weit­läu­fi­gem Cou­sin Fried­rich Chris­tian II. von Au­gus­ten­burg und des­sen Frau Louise Au­guste von Dä­ne­mark so­wie mit dem Dich­ter Jo­hann Lud­wig Gleim aus Hal­b­er­stadt ist ei­ni­ges ü­ber ih­ren All­tag be­kannt. Da­bei drückte sie sich vor al­lem ge­genü­ber Gleim in Ge­dich­ten aus, da sie so am Bes­ten ihre Ge­fühle in Worte fas­sen kön­ne, wie sie selbst schreibt. Die Briefe ih­res Cous­ins be­zeich­net sie da­ge­gen als "­Licht in der Dun­kel­heit". "Dazu muss man wis­sen, dass Pau­li­nes Va­ter von sei­nen Zeit­ge­nos­sen kein ein­fa­cher Cha­rak­ter be­schei­nigt wird", er­läu­tert Cor­ne­lia Mül­ler-His­je. Fried­rich Fürst von An­halt-Bern­burg soll ei­gen­bröt­le­risch, teil­weise cho­le­risch, hy­po­chon­drisch ver­an­lagt, aber sehr in­tel­li­gent ge­we­sen sein. Nach­dem Pau­line mit drei­zehn be­reits seine franzö­si­sche Kor­re­spon­denz ü­ber­nom­men hat­te, er­füllte sie im Laufe der Jahre im­mer mehr Se­kretär­stätig­kei­ten für ih­ren Va­ter. Etwa zu der Zeit lehnte sie den Hei­rats­an­trag ei­nes ge­wis­sen Wil­helm Leo­pold I. zur Lippe zunächst ab. Er habe Mund­ge­ruch, lau­tete ihre Be­grün­dung. Erst als ihr Bru­der 1794 Ma­rie Fre­de­rike von Hes­sen-Cas­sel hei­ra­te­te, die sich als un­zugäng­lich und hoch­nä­sig er­wies und später An­zei­chen ei­ner Geis­tes­krank­heit zeig­te, wurde auch das Ver­hält­nis zwi­schen Pau­line und ih­rem Va­ter an­ge­spann­ter. Schließ­lich ging die vor­her gute Be­zie­hung an ei­ner po­li­ti­schen An­ge­le­gen­heit in die Brüche. Den er­neu­ten An­trag von Leo­pold I. zur Lippe nahm sie schließ­lich an und hei­ra­tete ihn am 2. Ja­nuar 1796 in Bal­lens­tedt. Ü­ber ih­ren Ent­schluss schreibt sie an ih­ren Cou­sin Fried­rich Chris­tian:

"­Nie habe ich einen Schritt mit meh­re­rer Ü­ber­le­gung gethan als die­sen, nie kalt­blüti­ger mich ent­schlos­sen, denn Liebe hielt mir wahr­lich kein Ver­größe­rungs­glas vor [...], daß mein Herz bei nähe­rer Be­kannt­schaft zu mei­ner Ver­nunft ü­ber­tritt. Der Fürst ist gut, edel und recht­schaf­fen, er liebt und schätzt mich und hat weit mehr in­nern Wert als äuße­ren Schein." Für alle in­ter­es­sier­ten Ge­burts­tags­gäste fin­det am Sams­tag, 23. Fe­bruar, um 14.30 Uhr am Re­lief im Schloss­park Det­mol­d/­Durch­gang zum Markt­platz ein Tref­fen statt. Zu der klei­nen la­den die Wer­be­ge­mein­schaft Det­mold, Cor­ne­lia Mül­ler-Hisje und Carl-Heinz Hel­wig herz­lich ein. Zu­sätz­lich wird am Sonn­tag, 24. Fe­bruar, im Kur­gast­zen­trum in Bad Mein­berg mit ei­ner klei­nen Feier an die­ses Ju­biläum er­in­nert. Cor­ne­lia Mül­ler-Hisje und Carl-Heinz Hel­wig wer­den Ge­schich­ten und An­ek­do­ten aus Kind­heit und Ju­gend der Prin­zes­sin bis zu ih­rem Ein­zug als Fürs­tin in Lippe erzählen. Mu­si­ka­lisch be­glei­tet wer­den sie von Ju­lio Graf von Aran­ci­bia. Be­ginn ist um 15.30 Uhr. Der Ein­tritt kos­tet 5 Euro pro Per­son, mit Gäs­te­karte ist der Ein­tritt frei. Auf Schloss Bal­lens­tedt im Harz wurde Pau­line am 23. Fe­bruar 1769 ge­bo­ren. Fo­to: Wol­ken­krat­zer Ein Kup­fer­stich Pau­li­nes als junge Frau. Bild: Stich und Druck We­ger in Leip­zig. Im Kur­park in Horn-Bad Mein­berg hat man Fürs­tin Pau­line ein Denk­mal ge­setzt. Fo­to: Da­niel Brock­päh­ler

vom 20.02.2019 | Ausgabe-Nr. 8A

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