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Neues Leben für "entartete Musik"

Rund 90 Besucher erleben ausdrucksstarkes Konzert

Expressiv: Pia Viola Buchert (Mezzosopran) begeistert die Gäste im Hangar 21. Foto: Krügler

Ex­pres­siv: Pia Viola Bu­chert (Mez­zo­so­pran) be­geis­tert die Gäste im Han­gar 21. Fo­to: Krüg­ler

Det­mold (krü). Neue Mu­sik, jid­di­sche Mu­sik und Jazz, die so­ge­nannte "­Ne­ger­mu­si­k" - all diese Werke dif­fa­mier­ten die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten als sol­che, die nicht zur Ideo­lo­gie pass­ten. Diese wur­den aus dem deut­schen Mu­sikle­ben ver­bannt und ha­ben es bis heute teils sehr schwer. Doch die Würz­bur­ger Mez­zo­so­pra­nis­tin Pia Viola Bu­chert und Pia­nis­tin Ma­ria. Sau­lich ha­ben ei­ni­gen Stü­cken im Han­gar 21 nun neues Le­ben ein­ge­haucht. Etwa 90 Hö­rer wur­den von un­be­kann­ten Wer­ken von Hin­de­mith, Gers­hwin und Eis­ler, die Re­zi­ta­tor Chris­tian Klei­nert li­te­ra­risch aus­drucks­stark ein­bet­te­te, be­geis­tert. Chris­tian Klei­nert stellte Aus­sa­gen des NS-Funk­tionärs Staats­rat Hans Se­ve­rus Zieg­ler, der "ent­ar­tete Mu­si­k" als un­deutsch ein­stuf­te, dem Ap­pell Hanns Eis­lers ge­genü­ber, nicht in der Tra­di­tion zu er­star­ren, son­dern of­fen für Neues zu blei­ben. Klei­nert re­zi­tierte in kla­rer Text­ver­ständ­lich­keit, aus­drucks­stark und im an­ge­mes­se­nen Sprechtem­po. Paul Hin­de­mith (1895-1963) wurde als "­Theo­re­ti­ker der Ato­na­lität" und "jü­disch ver­sipp­t" be­schimpft. Nach dem Auf­führungs­ver­bot emi­grierte er nach Ame­ri­ka. Dazu passte der Text von Brecht "Ü­ber die Be­zeich­nung Emi­gran­ten". Pia Bu­chert er­blühte in auf­wir­beln­der Dra­ma­tik und großem Klang­vo­lu­men. Die "Drei jid­di­schen Lie­der" des Kom­po­nis­ten Vik­tor Ull­mann ent­stan­den im Ghetto The­re­si­en­stadt, kurz be­vor er 1944 in Ausch­witz er­mor­det wur­de. Ma­ria Sau­lich ver­lieh den Lie­dern ein klang­schö­nes Vor­spiel. Pia Bu­chert traf den me­lan­cho­li­schen Un­ter­ton und in­ter­pre­tierte mit aus­drucks­star­ken Ges­ten. Das Prélude Nr. 1 des Ame­ri­ka­ners Ge­orge Gers­hwin brachte Ma­ria Sau­lich sprit­zig vir­tuos zu Gehör. "­The Real Ame­ri­can Folk Song" meis­terte das Duo an­schmei­chelnd und mit viel Es­prit. Auch die "­Bal­lade vom Was­ser­ra­d" von Brecht ge­lang in Klang­poe­sie.

vom 16.02.2019 | Ausgabe-Nr. 7B

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