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Messeeinblicke

Die Gafferbox von Polizei und Wehr

Bad Sal­zu­flen. Wie un­sen­si­bel kön­nen Men­schen sein – das ha­ben sich auf der Messe viele Be­su­cher ge­fragt. die sich in die neue Gaf­fer­box von Po­li­zei und Feu­er­wehr ge­traut ha­ben. Ge­meint ha­ben sie Gaf­fer: Schau­lus­ti­ge, die das Ret­ten und Ber­gen bei Un­fäl­len für die Erst­fel­fer zur Tor­tur ma­chen; die mit dem Smart­phone Fo­tos und Vi­deo­auf­nah­men schwers­ter Un­fälle prak­tisch als Li­ve­stream in den so­zia­len Netz­wer­ken tei­len und we­der auf Ver­un­fallte noch auf Ein­satz­kräfte Rück­sicht neh­men. Ge­nau ge­gen die­ses Un­ver­ständ­nis, dass auch wei­ter­hin zu­nimmt, ge­hen die Ein­satz­kräfte jetzt ge­zielt an. Mit der "­Gaf­fer­box" wol­len Feu­er­wehr und Po­li­zei Men­schen da­von ab­hal­ten, bei Un­fäl­len Ver­letzte oder Tote zu fo­to­gra­fie­ren und zu fil­men. In der Mitte der 3 mal 3 Me­ter großen Box gibt eine Säu­le, die die Sicht auf scho­ckie­rende Un­fall­fo­tos frei gibt; erst al­ler­dings hin­ter ei­ner Klap­pe, denn die Auf­nah­men sind ver­störend. Die Un­falls­ze­ne­rie wird durch eine pas­sende Geräusch­ku­lisse ver­stärkt. Das heißt, im Prin­zip stel­len wir die Si­tua­tion ei­nes Ver­un­fall­ten nach, der sich gaf­fen­den Bli­cken aus­ge­setzt sieht und womög­lich noch ge­filmt wird", er­klärt der stell­ver­tre­tende Kreis­brand­meis­ter Man­fred Beh­rens. "­Gaf­fen ist mensch­lich. Das blaue Licht der Mar­tins­hör­ner, die Ein­satz­wa­gen, die ganze Sze­ne­rie ei­nes Un­falls ma­chen neu­gie­rig. Den­noch soll­ten Schau­lus­tige sich be­wusst ma­chen, dass die Bil­der, die sie se­hen könn­ten, sie viel­leicht nie wie­der los­las­sen wer­den und die Psy­che stark be­las­ten kön­nen." 2018 hat­ten Po­li­zei und Feu­er­wehr das erste Mal eine Gaf­fer­box auf die Messe ge­bracht. Da­mals war es noch ein Leihstück der Feu­er­wehr Mainz. Die­ses Jahr kön­nen die Ein­satz­kräfte eine ei­gene Box prä­sen­tie­ren, die die nächs­ten zwei Jahre durch den Kreis Lippe wan­dern soll. Die Ein­sich­ten? Er­schre­ckend rea­lis­tisch und – nichts für Kin­derau­gen. Die "­Gaf­fer" an den Wän­den sind aus­nahms­los Feu­er­wehr­an­gehö­ri­ge, die den Mob der Schau­lus­ti­gen nach­stel­len. Die Bil­der hin­ter den Klap­pen sind wahr­lich nichts für schwa­che Ner­ven. Ein Be­su­cher aus dem be­nach­bar­ten Bie­le­feld drückte es so aus: "­Nichts und Nie­man­den Außen­ste­hen­den geht es et­was an, wenn je­mand ver­un­fallt. Wie schlimm muss es für die An­gehö­ri­gen sein, sol­che Bil­der bei­spiels­weise in den so­zia­len Netz­wer­ken zu se­hen und dort zu er­fah­ren, dass viel­leicht ge­rade ein Fa­mi­li­en­mit­glied schwer ver­unglückt ist." (nr)

vom 16.01.2019 | Ausgabe-Nr. 3A

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