LIPPE aktuell - Das Mitteilungs- und Anzeigenblatt für die Region Lippe

Sprung

Inhalt

» Kreis Lippe

Wohin soll die Reise gehen?

Die rasante Entwicklung der digitalen Vernetzung bringt nicht nur Vorteile

Kreis Lip­pe/­Det­mold (k­m). Ein etwa zwei­jäh­ri­ges Mäd­chen sitzt mit ei­nem Ver­sand­ka­ta­log auf dem Schoß da und tippt auf die ver­schie­de­nen Bil­der. Nach kur­zer Zeit wirft sie den Ka­ta­log von sich und ruft laut: "­Ka­put­t." Of­fen­sicht­lich hat sie ein Ta­blet mit Touch­s­creen er­war­tet. Die Re­ak­tion des Mäd­chens ist kein Ein­zel­fall. Viele Kin­der wer­den mit den tech­ni­schen Er­run­gen­schaf­ten un­se­rer Zeit groß und nut­zen diese ganz selbst­ver­ständ­lich. Die so­ge­nann­ten "­Di­gi­tal Na­ti­ve­s". Und auch in den kom­men­den Jah­ren wird sich die Ge­sell­schaft im­mer wei­ter zu ei­ner In­for­ma­ti­ons­ge­sell­schaft hin ent­wi­ckeln. Das bringt zwar viele Vor­teile mit sich, wirft aber auch Fra­gen auf. Wo­hin kann, soll und darf die Reise ge­hen? Da­niel Dom­scheit-Berg war zu­sam­men mit Ju­lian Assange ei­ner der Grün­der der Enthül­lungs­platt­form Wi­ki­Leaks und be­zeich­net sich selbst als Quer­den­ker. Auf Ein­la­dung von Weid­mül­ler re­fe­rierte er im Det­mol­der Som­mer­thea­ter. Ge­rade für große mit­telstän­di­sche Un­ter­neh­men wie Weid­mül­ler, Wort­mann und Phö­nix Con­tact ist die Di­gi­ta­li­sie­rung und der tech­ni­sche Fort­schritt ein wich­ti­ges The­ma, bei dem sie nicht den An­schluss ver­lie­ren dür­fen, um auch in Zu­kunft kon­kur­renz­fähig blei­ben zu kön­nen. In der ra­san­ten Ent­wick­lung der di­gi­ta­len Ver­net­zung sieht Da­niel Dom­scheit-Berg Po­ten­zia­le, aber auch Ri­si­ken. "Wir Men­schen brau­chen In­for­ma­tio­nen zum Welt­ver­ständ­nis­", er­klärt er und führt wei­ter­hin aus, dass die Ge­schichte das Hand­buch zur Zi­vi­li­sa­tion lie­fert. Da­bei muss man nur etwa 600 Jahre zurück­bli­cken, um zu den An­fän­gen der di­gi­ta­len Re­vo­lu­tion zu ge­lan­gen. Mit der Er­fin­dung des Buch­drucks 1450 durch Jo­han­nes Gu­ten­berg be­gann zunächst ein­mal eine Kom­mu­ni­ka­ti­ons­re­vo­lu­tion. Zu­vor war Le­sen und Schrei­ben nur Män­nern vor­be­hal­ten, die ent­we­der aus ent­spre­chend gut si­tu­ier­ten Fa­mi­lien stamm­ten oder in re­li­giö­sen Ge­mein­schaf­ten, wie bei­spiels­weise Klös­tern, leb­ten. Die stei­gende Ver­brei­tung von Büchern führte auch zur stei­gen­den Ver­brei­tung von Ide­en. Der Buch­druck war aber auch Aus­lö­ser der Wis­sen­schafts­re­vo­lu­tion. Die Nach­richt von ei­ner neuen Er­fin­dung konnte nun viel ein­fa­cher ver­brei­tet wer­den. Bis zum Bau der ers­ten Dampf­ma­schine und dem Be­ginn der In­dus­tri­el­len Re­vo­lu­tion sollte es aber noch ein paar Jahre dau­ern. Dom­scheit-Berg be­schreibt den Fort­schritt tech­ni­scher Ent­wick­lun­gen mit Gauß­schen Glo­cken­kur­ven, während ein Fort­schritt sei­nen Höhe­punkt er­reicht, steht be­reits eine neue Ent­wick­lung in den Start­löchern und be­deu­tet den Nie­der­gang der be­reits be­ste­hen­den Tech­nik. Den der­zei­ti­gen Stand der Ge­sell­schaft sieht der Netz­ak­ti­vist an ei­nem Ü­ber­gangs­punkt. Den Die­sels­kan­dal sieht er als idea­len Be­leg dafür. "Ei­gent­lich wis­sen wir, dass Die­sel nicht die Zu­kunft sein kann und dar­f", legt er dar. Des­halb müs­sen heute die Wei­chen für mor­gen ge­stellt wer­den. … mehr auf Seite 2 In China gibt es mitt­ler­weile Straßen­bah­nen, die füh­rer­los nach dem Prin­zip ei­nes Li­ni­en­fol­ge­ro­bo­ters fah­ren, also dar­auf pro­gram­miert sind, ei­ner be­stimm­ten Mar­kie­rung zu fol­gen. Im Grunde ein ein­fa­ches Prin­zip, das ur­sprüng­lich mal in Ro­bo­tik­baukäs­ten für Kin­der zu fin­den war. Die Tech­no­lo­gie ist also vor­han­den. In den Ver­ei­nig­ten Ara­bi­schen Emi­ra­ten ist man so­gar schon einen Schritt wei­ter. Dort soll es in na­her Zu­kunft eine Taxi­drohne ge­ben. Der Her­stel­ler ist das Chi­ne­si­sche Un­ter­neh­men Ehang. Bei Test­flü­gen schaffte die Drohne einen 300 Me­ter ho­hen Auf­stieg, trans­por­tierte 230 Ki­lo­gramm Nutz­last, flog eine Stre­cke von 15 Ki­lo­me­tern au­to­nom und er­reichte Spit­zen­ge­schwin­dig­kei­ten von 130 Ki­lo­me­ter pro Stun­de. Zum Ver­gleich: Nur hun­dert Jahre vor­her galt die Dampf­lok als das Maß al­ler Din­ge. Ob der Be­ruf des Ta­xi­fah­rers ir­gend­wann ü­ber­flüs­sig sein wird, zeich­net sich bis­her noch nicht ab. Al­ler­dings sind mit neuen Er­fin­dun­gen auch im­mer wie­der neue Be­rufe ent­stan­den, wie­der an­dere ir­gend­wann aus­ge­stor­ben. Da­niel Dom­scheit-Berg schätzt dass etwa zwei Drit­tel al­ler heu­ti­gen Grund­schü­ler später mal in Be­ru­fen ar­bei­ten wird, die es jetzt noch gar nicht gibt. Auch die De­fi­ni­tion und die Re­le­vanz von Voll­zeit­be­schäf­ti­gung wer­den sich sei­ner An­sicht nach wan­deln. Für die Zu­kunft müs­sen al­ler­dings noch ei­nige Wei­chen ge­stellt wer­den. Vor al­lem sol­che, die den schnel­len tech­ni­schen Wan­del berück­sich­ti­gen. Wenn ein bay­ri­scher Po­li­ti­ker darü­ber spricht flächen­de­cken­des W-LAN in Ü­ber­land­bus­sen bis 2050 rea­li­sie­ren zu wol­len, ist das ein viel zu lang­ge­dach­ter Zeit­raum. Viel­leicht ist so et­was wie WLAN 2050 schon gar nicht mehr ak­tu­ell. Das Smart­phone brauchte nur etwa acht Jahre bis es in 90 Pro­zent al­ler Haus­halte ver­tre­ten war und hat seit­dem vie­les er­setzt. Viele nut­zen nicht ein­mal mehr einen Wecker, schließ­lich ist im Smart­phone ei­ner in­te­griert. Bei all der Tech­nik stellt sich aber auch die Fra­ge: Wo ge­hen alle un­sere Da­ten hin? Smart­pho­nes, Sprachas­sis­ten­ten, Smart­wat­ches und Fit­ness­arm­bän­der sam­meln je­den Tag fleißig In­for­ma­tio­nen ü­ber uns. Ei­ner­seits bringt das Vor­tei­le, da man so nach­voll­zie­hen kann, wo man kon­di­tio­nell steht, Geräte ü­ber Sprach­kom­man­dos be­die­nen kann oder mit sei­ner Arm­band­uhr die Nach­rich­ten ver­fol­gen kann. An­der­seits bringt es auch ge­wisse Nach­tei­le, da große Kon­zerne einen so auf Schritt und Tritt ver­fol­gen kön­nen und so auch ge­nau wis­sen, dass man sich an Tag X nicht ge­nug be­wegt und nur die Nach­rich­ten ge­schaut hat. Re­le­vant wird das für ziel­grup­pen­ge­naue und per­so­ni­fi­zierte Wer­bein­halte mit de­nen große Kon­zerne ihr Geld ver­die­nen. Be­reits 2009 be­zeich­nete die eu­ropäi­sche Ver­brau­cher­schutz­kom­missa­rin Meglena Ku­neva per­sön­li­che Da­ten als das neue Öl des In­ter­nets und die neue Währung der di­gi­ta­len Welt. Neun Jahre später ist die Da­ten­schutz­grund­ver­ord­nung auf den Weg ge­bracht wor­den. Wie sich die auf die Da­ten­samm­lung der Kon­zerne aus­wirkt, bleibt ab­zu­war­ten. Da­niel Dom­scheit-Berg stellt an­hand ver­schie­de­ner Sze­na­rien ver­schie­dene Ge­sell­schaft­s­ent­würfe für die Zu­kunft vor. Fo­to: Merz Der Com­pu­ter­chip True North ist für die An­wen­dung von Mus­ter­ana­ly­sen, wie Bild- und Spra­cher­ken­nung ge­dacht. Fo­to: Merz Die au­to­nom flie­gende Taxi­drohne Vo­lo­co­pter 2X wurde auf der IAA 2017 vor­ge­stellt. Fo­to: Matti Blume Gauß­sche Glo­cken­kur­ven um­schrei­ben laut Da­niel Dom­scheit-Berg am Bes­ten die Ent­wick­lung tech­ni­scher Trends.

vom 02.01.2019 | Ausgabe-Nr. 1A

Seite drucken Drucken  | Seite versenden Versenden

« weitere Artikel

Keine Zeitung erhalten