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Von wegen verstaubte Schmöker...

Ein neuer Bücherschrank in Lemgo: Bücher parken oder "frei lassen"

Kreis Lip­pe/ Lemgo (n­r). Ir­ri­tierte Blicke, als im­mer mehr Men­schen mit of­fen­sicht­lich schwe­ren Kof­fern die Re­stau­ra­tion am Lem­goer Markt­platz be­tre­ten. Eine Rei­se­grup­pe? Mit­nich­ten. Des Rät­sels Lö­sung: Es sind Book­cros­ser; Bücher­fans und Le­se­rat­ten, die das Tei­len von Büchern zum neuen Be­sit­zen ma­chen.

In den Kof­fern sind – welch Ü­ber­ra­schung – Bücher. Book­cros­sing ist eine ge­nial ein­fa­che Idee: man nehme ein Buch, re­gis­triere es auf ei­ner be­stimm­ten In­ter­netsei­te, lasse es mit dem Hin­weis "­dies ist ein Buch auf Wan­der­schaft" an ei­nem be­lie­bi­gen Ort zurück und kann, wenn an­dere mit dem ge­fun­den Buch ebenso ver­fah­ren, es ir­gend­wann ir­gendwo auf der Welt in den Hän­den an­de­rer Bücher­fans wis­sen und sich so­gar mit ih­nen aus­tau­schen. Die Al­ter­na­tive zum "wil­den Frei­las­sen" sind öf­fent­li­che Bücher­schränke und die wer­den ge­rade in der kal­ten Jah­res­zeit im­mer häu­fi­ger ge­nutzt. Frei las­sen oder zum Schmökern mit­neh­men kann man Bücher jetzt auch im "­Stadt­licht" in Lem­go. Hier hat Ga­stro­nom Kars­ten Ar­ning auf In­itia­tive von Kars­ten Meier von den Bücher­freun­den Lemgo und dem För­der­ver­ein der Stadt­büche­rei, den al­ten, einst aus­ran­gier­ten Bücher­schrank wie­der aus dem Kel­ler ge­holt – und der hängt jetzt un­ü­ber­seh­bar und gut mit Schmökern ge­füllt in der Re­stau­ra­tion im Her­zen der Al­ten Han­se­stadt. "­Die Idee ist, wie ja auch schon bei an­de­ren öf­fent­li­chen Bücher­schrän­ken, dass aus­ge­le­sene Bücher nicht im Re­gal ver­stau­ben müs­sen, son­dern auf Wan­der­schaft ge­hen und eine mög­lichst breite Le­ser­schaft er­rei­chen", er­klärt Kars­ten Mei­er. Er muss es wis­sen, gehört er doch schon seit Jah­ren zur ein­ge­fleisch­ten Ge­meinde der "­Book­cros­ser". Die re­gis­trie­ren ihre Bücher auf der Web­seite der Book­cros­ser, wo je­des Buch eine ei­gene Iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer be­kommt. An­hand die­ser Num­mer kann der­je­ni­ge, der ein frei­ge­las­se­nes Buch fin­det, auf "ww­w.­book­cros­sing.­com" nach­schau­en, wer das Buch frei­ge­las­sen hat und wo es schon ü­ber­all ge­we­sen ist. Gleich­zei­tig kann man zum Buch An­mer­kun­gen zurück las­sen – zum neu­gie­rig ma­chen. Man kann die Bücher ü­ber­all frei­las­sen, ein­fach an Be­kannte und Freunde wei­ter­ge­ben oder eben in einen öf­fent­li­chen Bücher­schrank stel­len, wie in den im "­Stadt­licht". Kars­ten Meier und seine Frau ha­ben selbst be­reits gut 2000 Bücher re­gis­triert. "Natür­lich kann man den Bücher­schrank nut­zen, auch ohne die Bücher re­gis­trie­ren müs­sen", be­tont der be­ken­nende Bücher­fan. "Von al­len frei­ge­las­se­nen Büchern wird welt­weit oh­ne­hin nur ein klei­ner Teil re­gis­triert, aber es ist schon toll, Teil ei­ner so großen Com­mu­nity zu sein." Be­son­ders span­nend kann es wer­den, wenn man ver­reist. Auch da greift die große Ge­mein­schaft, wie Kars­ten Meier erzählt: "Als wir in New York wa­ren, ha­ben wir in die Com­mu­nity ge­schrie­ben, dass wir ein Buch ge­fun­den ha­ben und jetzt le­sen wür­den. 20 Mi­nu­ten später hat­ten sich ein paar Book­cros­ser zu­sam­men te­le­fo­niert und uns zum Es­sen ab­ge­holt. So ent­ste­hen Freund­schaf­ten." Re­gel­mäßige Tref­fen gehören auch zum Book­cros­sing. An dieem Frei­tag im Stadt­licht sind es ü­ber zwan­zig en­thu­sias­ti­sche Bücher­fans. Natür­lich tau­schen die Book­cros­ser auf ih­ren Tref­fen nicht nur Ge­schich­ten aus. Auch Bücher wech­seln die Hän­de. "Oft brin­gen wir uns ge­gen­sei­tig ge­zielt Bücher mit, denn mit der Zeit weiß man, was die an­de­ren gerne le­sen. Und das führt natür­lich da­zu, dass man am Ende ei­nes Tref­fens nicht sel­ten mit mehr Büchern nach Hause geht, als man viel­leicht ge­plant hat", fügt Kars­ten Meier la­chend hin­zu. BUZ In­fo: Book­cros­sing ist ein glo­ba­les Phäno­men, mit Mit­glie­dern aus ü­ber 130 Län­dern. Der größte An­teil liegt in den USA, aber die Ge­mein­schaft der Book­cros­ser wächst auch in Deutsch­land und Eu­ropa ste­tig. Die Idee ent­stand 2001. Zu dem Zeit­punkt ist auch die Web­seite ent­stan­den. 2012 gab es be­reits 1.473.000 Book­cros­ser, die 9.411.000 Bücher re­gis­triert hat­ten. Die Zah­len dürf­ten in­zwi­schen deut­lich höher lie­gen. Be­zeich­net wird Book­cros­sing auch als eine welt­wei­te, große, of­fene Bi­blio­thek und rich­tet sich ganz be­wusst ge­gen Kom­merz.

vom 28.11.2018 | Ausgabe-Nr. 48A

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