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"Ratschlag" erinnert 
an Reichspogromnacht

Offizielle Gedenkfeier findet wegen des Sabbat am Sonntag statt

Gründlich: Konfirmanden aus Schötmar reinigen Stolpersteine. Foto: Andreas Gronemeier

Gründ­lich: Kon­fir­man­den aus Schöt­mar rei­ni­gen Stol­per­stei­ne. Fo­to: An­dreas Gro­ne­meier  weitere Bilder »

Bad Sal­zu­flen. Die Reichspo­grom­nacht mar­kierte im Deut­schen Reich den Ü­ber­gang von der Dis­kri­mi­nie­rung der Ju­den hin zu ih­rer sys­te­ma­ti­schen Ver­fol­gung. Zum 80. Jah­res­tag er­in­nert der "­Bad Sal­zu­fler Rat­schlag für To­le­ranz, Viel­falt und Re­spek­t" mit ei­ner The­men­wo­che dar­an. Ne­ben der be­reits seit ei­ni­gen Jah­ren ob­li­ga­to­ri­schen Ge­denk­feier in der Mau­er­straße gibt es un­ter an­de­rem Kon­zerte und einen ö­ku­me­ni­schen Got­tes­dienst.

Als die Na­tio­nal­so­zia­lis­ten in der Nacht vom 9. auf den 10. No­vem­ber 1938 jü­di­sche Got­tes­häu­ser, Woh­nun­gen und Ge­schäfte ver­wüs­te­ten, wur­den auch die Syn­ago­gen in Bad Sal­zu­flen und Schöt­mar vollstän­dig zer­stört. Seit der Er­rich­tung ei­nes Mahn­mals auf den Um­ris­sen der al­ten Sal­zu­fler Syn­agoge 1998 fin­det dort jähr­lich am 9. No­vem­ber eine Ge­denk­feier statt, die zum 80. Jah­res­tag zu ei­ner The­men­wo­che "­Ge­gen das Ver­ges­sen" aus­ge­wei­tet wird. Zu Be­ginn der Wo­che zeigte die "­Film­büh­ne" in An­we­sen­heit der Re­gis­seu­rin Ka­rin Ka­per den mehr­fach preis­ge­krön­ten Do­ku­men­tar­film "Wir sind Ju­den aus Bres­lau". Am Frei­tag folgt ein Kon­zert jid­di­scher Lie­der und Lie­der jü­di­scher Kom­po­nis­ten des 20. Jahr­hun­derts mit San­dra Bo­tor (Ge­sang) und Wal­traud Hui­zing (Kla­vier) um 19 Uhr in der Gel­ben Schu­le.  Da in die­sem Jahr der 9. No­vem­ber auf den Sab­bat, den hei­ligs­ten Fest­tag im jü­di­schen Glau­ben, fällt, fin­det die Ge­denk­feier am Mahn­mal erst am Sonn­tag, 11. No­vem­ber um 11.30 Uhr statt – im An­schluss an einen ö­ku­me­ni­schen Got­tes­dienst um 10 Uhr in der ka­tho­li­schen Lieb­frau­en­kir­che, an dem ne­ben Sal­zu­fler Ge­mein­den auch der Vor­sit­zende der jü­di­schen Ge­meinde Her­ford-Det­mold, Ma­tit­jahu Kel­lig, be­tei­ligt ist. Frank Crü­se­mann, lang­jäh­ri­ger Pro­fes­sor an der Kirch­li­chen Hoch­schule Be­thel, hält die Pre­digt. Ein wei­te­res Ge­denk­kon­zert "80 Jahre Po­grom­nacht" ver­an­stal­ten die Kreise Her­ford und Lippe so­wie die Städte Det­mold, Her­ford und Bad Sal­zu­flen am Sonn­tag­abend um 18 Uhr in en­ger Zu­sam­men­ar­beit mit der Jü­di­schen Ge­meinde Her­ford-Det­mold in der Kon­zert­hal­le. Mit dem Ashira Chor (Tel Avi­v), dem Za­mir Chor (Bay­reuth) und dem Det­mol­der Kam­mer­or­che­s­ter (Det­mold) un­ter der Lei­tung von Issak Ta­vior (Tel Aviv) sind Künst­ler so­wohl aus Deutsch­land als auch Is­rael be­tei­ligt, um ne­ben der Ver­söh­nung auch eine Ver­stän­di­gung zwi­schen bei­den Län­dern zu be­to­nen. Im Vor­feld hat­ten Mit­glie­der des "Rat­schlags" so­wie Kon­fir­man­den der evan­ge­lisch-re­for­mier­ten Kir­chen­ge­meinde Schöt­mar die 24 in Bad Sal­zu­flen und 34 in Schöt­mar ver­leg­ten Stol­per­steine ge­putzt, die auf die letz­ten frei ge­wähl­ten Wohn­orte von Op­fern des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus ver­wei­sen. Da­mit diese Er­in­ne­rung nicht ver­blasst, wer­den die Mes­sing­stei­ne, die im­mer wie­der dun­kel an­lau­fen, re­gel­mäßig von den Be­tei­lig­ten ge­rei­nigt.

vom 07.11.2018 | Ausgabe-Nr. 45A

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