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Plattdeutsch macht Schule

Heimatbund und Schulen lassen das "Lippske Platt" nicht aussterben

 

Kreis Lippe (k­m/n­r/rk). Da hat Lippe doch glatt eine ganz ei­gene Spra­che und kaum ei­ner spricht sie noch. Lip­pisch Platt war einst als Um­gangs­spra­che tatsäch­lich in al­ler Mun­de. Nach und nach wurde sie al­ler­dings durch das Hoch­deut­sche er­setzt. Der Lip­pi­sche Hei­mat­bund und hier natür­lich die Fach­stel­len Schule und Mund­art und Brauch­tum, ha­ben sich "Kür mol wed­der Plat­t" (sprich mal wie­der Platt) auf die Fah­nen ge­schrie­ben. Das wird so­wohl in Schu­len, als auch in Kur­sen in­zwi­schen mit großem Er­folg und eben­sol­cher Nach­frage um­ge­setzt.

"­Meine El­tern ha­ben kein Platt ge­spro­chen, aber in mei­ner Ver­wandt­schaft war das weit ver­brei­tet. Da habe ich im­mer gut zu­gehör­t", erzählt Heinz Schä­fer­mann von der Fach­stelle Mund­art und Brauch­tum im Lip­pi­schen Hei­mat­bund. Ob man nur durch Zuhören Platt­deutsch ler­nen kann? "Kin­der ler­nen an­ders. Worte sind bei ih­nen wie Kitt, das an ih­nen hän­gen bleibt. In der Volks­schu­le, viel­leicht in der drit­ten oder vier­ten Klas­se, gab es Leh­rer, die uns Ge­schich­ten und Ge­dichte auf Platt bei­ge­bracht ha­ben. Da ist viel hän­gen ge­blie­ben." Will heißen: Bringt den Kin­dern das Platt­deut­sche wie­der näher und ge­nau das hat der Lip­pi­sche Hei­mat­bund sehr er­folg­reich in­iti­iert. "­Die Fach­stelle Schule hat ge­mein­sam mit der Fach­stelle Mund­art und Brauch­tum einen Un­ter­richts­ord­ner für Grund­schu­len ent­wi­ckelt. "Kür mol wed­der Lip­pisch Plat­t" heißt er und bein­hal­tet Kin­der­lie­der, Ge­schich­ten, Ge­dich­te, Reime und eine ganze Reihe noch be­kann­ter Vo­ka­beln mit hoch­deut­scher Ü­ber­set­zung. "Viele wis­sen gar nicht mehr, dass die Lip­per eine ei­gene Spra­che hat­ten und es nicht nur ein­zelne Worte sind, die wie­der ver­mehrt auf Pla­ka­ten oder Kaf­fee­tas­sen im Um­lauf sind. Es gibt in Lippe noch ei­nige Grup­pen und Ver­ei­ne, die sich der Pflege der platt­deut­schen Spra­che wid­men, wie auch die Fach­stelle Mund­art und Brauch­tum des Lip­pi­schen Hei­mat­bun­des", er­klärt Ge­schäfts­füh­re­rin Yvonne Hueb­ner. "Wir be­kom­men sehr viele und durch­weg po­si­tive Rück­mel­dun­gen. Die Ko­ope­ra­tion mit Schu­len hat schon eine Menge be­wegt. Es ist die Ver­bin­dung zwi­schen Jung und Alt, die wir hier för­dern. Dazu zählen dann auch Ver­an­stal­tungs­for­mate wie ,Weißt du noch, wies früher war und auch hier ist die Re­so­nanz rie­sig." "Ü­b­ri­gens exis­tie­ren Un­ter­su­chun­gen, die be­le­gen, dass das Lern­ver­mö­gen von Kin­dern ge­för­dert wird, die mehr­spra­chig auf­wach­sen. Und das Nie­der­deut­sche ist eine ei­gene und an­er­kannte Spra­che und dement­spre­chend in der Eu­ropäi­schen Charta der Re­gio­nal- oder Min­der­hei­ten­spra­chen auf­ge­nom­men. So soll Sorge dafür ge­tra­gen wer­den, dass ge­schicht­lich ge­wach­sene Spra­chen ge­schützt und ge­för­dert wer­den." Der Lip­pi­sche Hei­mat­bund ist ein ein­ge­tra­ge­ner Ver­ein und ar­bei­tet als Ver­band für der­zeit 73 Orts­ver­eine in 9 Fach­stel­len (Um­welt­schutz und Land­schafts­pfle­ge, Bau­ge­stal­tung und Denk­mal­pfle­ge, Mund­art und Brauch­tums­pfle­ge, Hei­mat, Ar­beit und Wirt­schaft, Rad­wan­dern, Volks­kun­de, Ge­schich­te, Wan­dern und Schu­le). Hier sind ü­ber 80 eh­ren­amt­li­che Mit­glie­der ak­tiv tätig. Mit rund 12.500 Mit­glie­dern ist er die größte Bür­ger­be­we­gung in Lip­pe. Der Lip­pi­sche Hei­mat­bund wurde be­reits 1908 in Det­mold als Bund für Hei­mat­schutz und Hei­mat­pflege ge­grün­det.

vom 10.10.2018 | Ausgabe-Nr. 41A

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