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Gelungene Premiere eines temporeichen Stückes

Stattgespräch macht mit "Diener zweier Herren" (einmal mehr) großes Theater

Lemgo (n­r). Was pas­siert, wenn der tot­ge­glaub­te, ad acta ge­legte Ver­lobte mit­ten in die ei­gene Ver­lo­bungs­feier platzt; ein ge­ris­se­ner und ge­witz­ter, aber ebenso toll­pat­schi­ger Die­ner di­verse Ver­wir­run­gen an­zet­telt und der Wahn­sinn lang­sam, aber ste­tig sei­nen Lauf nimmt? Des Rät­sels Lö­sung: lie­bens­wer­tes, leicht ü­ber­dreh­tes Chaos mit Hang zu viel Si­tua­ti­ons­ko­mik. Aber ge­nau das darf Carlo Gol­do­nis "­Die­ner zweier Her­ren" ja auch sein. Schließ­lich ist Gol­do­nis gran­diose Com­me­dia dell’arte ein tur­bu­len­tes Ver­wirr­spiel, in dem nicht ein­mal mehr der Ge­le­gen­heits­die­ner Truf­fal­dino die Ü­ber­sicht behält.

Ve­ne­dig 1746. Al­lein der Hun­ger treibt Truf­fal­dino an. So sucht er sich, auf dop­pel­ten Lohn hof­fend, einen zwei­ten Herrn. Dass sein ers­ter Herr ei­gent­lich eine Frau ist und ih­rem Ge­lieb­ten hin­ter­her reist, sein zwei­ter Herr eben ge­nau die­ser Ge­liebte ist, ein wei­te­res Lie­bes­paar diese Wir­run­gen eben­falls nicht durch­schaut und sich ob der Ir­run­gen tren­nen muss, ist dem ewig hung­ri­gen Tuf­fal­dino gar nicht be­wusst und so stif­tet er nur noch mehr Ver­wir­rung. Wenn man so will, war die Pre­miere von Carlo Gol­do­nis "­Die­ner zweier Her­ren" am ver­gan­ge­nen Sams­tag im Kul­tur­bahn­hof gleich eine dop­pelte Pre­mie­re: Das En­sem­ble hat sich erst­mals an ein sehr al­tes Stück ge­wagt – his­to­ri­sche Kostüme ein­ge­schlos­sen – und die Rol­len per­fekt be­setzt. Da bril­liert Frank Wie­mann als Die­ner "T­ruf­fal­di­no", der herr­lich ge­witzt und ge­ris­sen, mit­un­ter aber auch be­mit­lei­dens­wert ein­fach oder trau­rig sein kann. Als zen­trale Fi­gur des Stückes reißt er das Pu­bli­kum mit in die Ver­stri­ckun­gen, de­ren Keim­zelle zwar nicht nur er al­lein ist, die er aber wun­der­bar zu ver­stär­ken ver­steht. Ka­thrin Wol­ters als Bea­trice glänzt in ih­rer Rolle als der ei­gent­lich erste Herr von Truf­fal­di­no, als Lie­bende auf der Su­che nach ih­rem Liebs­ten und als ver­meint­lich taf­fer Ge­schäfts­mann. Jac­que­line Pape und Ben Ber­ger mi­men die Rol­len des ver­hin­der­ten Braut­paa­res trä­nen­reich und mit viel Tem­po, während Sven Meier als zwei­ter Herr Truf­fal­di­nos in seine Rolle als trau­ri­ger Held schlüpft, der Liebe und An­se­hen ver­lo­ren hat. Auch die Neu­zugänge Chris­tian Rol­fes als Kauf­mann Pan­ta­lone und Cars­ten Sauer als Dot­tore Lom­bardi ü­ber­zeug­ten zur Pre­mie­ren­feier und ga­ben ihre viel­ver­spre­chen­den schau­spie­le­ri­schen Vi­si­ten­kar­ten ab. Ganz der schlich­ten Sach­lich­keit der Com­me­dia dell`arte ge­schul­det, setzt das Re­gie­team Ka­trin Bra­ke­meier und Frank Wie­mann be­wusst auf ein eher mi­ni­ma­lis­tisch ge­hal­te­nes Büh­nen­bild, dafür aber auf opu­lente Kostüme und eine wirk­lich ge­lun­gene Rol­len­be­set­zung. Mit Carlo Gol­do­nis "­Die­ner zweier Her­ren" be­weist das Enem­ble, dass es auch für klas­si­sche Stü­cke der Thea­ter­ge­schichte ein ech­tes Händ­chen hat. Die in­zwi­schen 22. Spiel­zeit im Kul­tur­bahn­hof Lemgo be­ginnt herr­lich viel­ver­spre­chend. Die Pre­miere hat das Pu­bli­kum be­geis­tert und mit­ge­ris­sen. Lohn der An­stren­gun­gen war lan­gan­hal­ten­der Ap­plaus. Das Stück wird noch bis zum 12. Ok­to­ber zu er­le­ben sein. Der Kar­ten­vor­ver­kauf läuft bei Lemgo Mar­ke­ting un­ter der Te­le­fon­num­mer 05261/98870 oder ü­ber "ww­w.­statt­ge­spraech.­de".

vom 29.09.2018 | Ausgabe-Nr. 39B

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